Freitag, 4. Juli 2014

Gedankenstützen


Als leidenschaftliche Gedankenstützenkritzlerin
stehe ich ständig vor der Frage:
Was soll's bedeuten?
'Was soll das wohl bedeuten?',
frage ich daher Gott
und reiche ihm den Zettel.
Und er runzelt die Stirn.


"Zeichnest du gern?", fragt er dann, weil er das Rätsel mit Logik angeht, und daher fährt er auch gleich fort: "Bei unserer Garten-Eden-Planung drängte sich mir dieser Gedanke nicht zwingend auf." Und in der Tat, ich zeichne ganz gern, recht unzulänglich indes, wenn es nicht als abstrakte Malerei verstanden werden soll. "Ich zeichne miserabel. Und der Satz ist in Anführungszeichen gesetzt", gebe ich zu bedenken. "Meinst du, ich dachte, vielleicht könnte der Zettel etwas mit Flaubert zu tun haben?" "Ja, ja", sagt Gott. "Womöglich." "Aber visionär? Obwohl", wäge ich ab. "Sehr interessant", sagt Gott "sind die Kringel über den Is in 'visionär', die machst du anscheinend sonst nicht. Sonst schreibst du hastiger. Vermutlich hast du bei der Niederschrift gezögert? Über die Wortwahl nachgedacht?" Und so nähern wir uns dem Rätsel nun graphologisch. Aber heute ist es heiß und ... "Komm, ich werf's einfach mal ins Altpapier. Ich werd jetzt was über Mangos schreiben", kündige ich an, denn man soll sich von nichts aufhalten lassen. "Aber der Grundgedanke", sagt Gott und denkt nach. "Den behalten wir im Auge", nicke ich. Denn schließlich steht immer alles längst geschrieben. Man muss es nur zu deuten wissen.


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