Freitag, 6. Juni 2014

Wild und roh?


"Du hast ihn doch noch kennen gelernt", sagt der Doc.
"Den netten Tiefenentspannten?"
"Nun", sagt er, "der ist jetzt übrigens auch da."
"Nein, auch in der Psychiatrie gelandet?"
"Ja, irgendwann ging es nicht mehr. Lange Vorgeschichte ..."
Und schon grübel ich wieder. "Der hat immer Ayurveda gemacht? Aber keine Wildkräuter? Gefuttert?" Und der Doc zuckt die Achseln, denn allem sind Grenzen aufgezeichnet, und der Glaube könnte natürlich auch immer noch einige Berge versetzen. Ganz egal, was man tut, ob falsch oder richtig. Und trotzdem glaube ich, die Energie beim Doc ist irgendwie entspannter als anderswo, so entspannt, dass Monsieur zunächst ganz skeptisch war. "Er ist kein Guru", hab ich gesagt, "er macht keine Versprechungen. Und erwartet nichts. Er heilt einfach. Und das klappt ganz gut und rund um die Uhr, wenn man ihn braucht, wo gibt's denn sonst noch so einen! Im Gesundheits-Krankmach-System." Doch allem sind eben Grenzen gegeben. Und genau die sind ja das Spannende, die Lücke, wo man dann ausgebremst wird, wo man sich erbarmungslos durchboxen muss, weil es vielleicht hinter der Grenze ganz anders weitergeht. Und die meisten Menschen kümmern sich erst ums eigene Wohl, wenn es ziemlich ruiniert ist? Und sie ihre Grenzen nicht mehr ignorieren können? Und ersetzen am Ende eine Sucht und Sünde durch eine andere? Nach dem Saufen nur noch Rohkost? Immer exzessiv? Tja, wer nun so gern rumexperimentiert wie ich, die immer noch heimlich Coca schlürft - "Und morgen gibt's ein Steak, ein großes!", die die Männer mit Schoko verführt, liebt so ein eventuelles Wissen und Bewusstsein natürlich. Interessant. Die Sünde macht gleich noch doppelt so viel Spaß, vor allem, weil sie eventuell am Ende gar keine ist. Doch nebenbei muss festgestellt werden: Rohkost bekommt uns prima, die Wildkräuter versorgen uns ganz kostenfrei und umweltfreundlich mit bestem Stoff. Weil der Körper nämlich vor allem doch eine sehr sensible Maschine sein könnte, die mit besonderer Sorgfalt versorgt werden will? "Wie hieß der Typ noch, der angeblich so viele Erfolge bei der Heilerei hatte?", frage ich den Doc und er nennt mir den Namen, hier gibt es dazu gleich ein Filmchen. Und die kritischen Stimmen, denn Versprechungen ..., die macht nicht einmal der Doc. Ist ja auch zunächst mal jeder für sich selbst verantwortlich. Und Vordenkerei für andere scheint immer äußerst fragwürdig. Es gibt auch viel mehr Lektüre dazu, die man mal durchblättern könnte, und schon wieder geht es zurück zu den Urwüchslern? Denn obwohl ich schon recht zufrieden bin mit meinem so kompromisslos entworfenen gedoppelten Zwillings-Vertausch-Medizin-System-Kritik-Mord-Skandal-Plot gab Gott ebenfalls zu bedenken, dieser berge zwar durchaus ein gewisses Potential, gehe die Dinge aber insgesamt viel zu reflektiert verkopft an. Bloß nicht immer so viel denken. Wilder und roher, dabei indes planvoll aufs nach 350 Seiten angestrebte Ende zusteuern. Und besser etwas oberflächlich bleiben, die andern wollen ja auch nicht so viel denken. Und sonst? Wild geplant immer drauflos ...stürmen, futtern, schreiben, wissen und zweifeln. Und hoffen. Und glauben. "Kommst du wieder?", fragt mein Freund. Natürlich. Wenn du mir sagen könntest, wohin ... 


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