Sonntag, 15. Juni 2014

Offen


"Da sind Sie aber ganz schön flink unterwegs", sagt der nette Polizist, und ich nicke. "Wie teuer wird's denn?", frage ich, da ich es in der Tat etwas eilig habe. "Beim nächsten Mal bestimmt recht teuer", sagt er, wahrscheinlich haben die ihre Messdingsdinger noch gar nicht richtig aufgebaut gehabt? Konnte man mir kein Vergehen nachweisen? Im Zweifel? Immer für den Unschuldigen? Schließlich würde ich nie ... "Denken Sie dran", sagt er und zwinkert. Und ich auch, denn - wieder einmal habe ich das Glück an meiner Seite? Und wieder einmal bestätigt sich die alte Weisheit, dass Polizisten - wie eben alle anderen auch. Wie - weißt du noch - damals in Köln, als der Polizist plötzlich neben uns stand und sagte: "Hier darf man nicht parken." Und dann so einen Zettel an unser Auto klebte, lachte und sagte: "Jetzt aber schon!" Was für ein genialer Mann. Einen ganzen Tag umsonst in Köln geparkt - mit polizeilicher Zwinker-Unterstützung. Soll mir bloß noch mal einer sagen, Polizisten seien ... irgendwie. Denn fiese gibt's bei der Truppe bestimmt auch. Aber Allgemeinplätze sind halt immer komplett uninteressant. Wie natürlich auch die Männer-Denkerei-Theorie von gestern, die kann uns ebenfalls nicht wirklich interessieren, denn ... "Komm", sage ich später zu Gott, "bei manchen Typen herrscht so wenig graue Masse vor, die denken doch gar nicht erst geradeaus. Und Frauen ebenso." Aber warum sollen wir uns mit den traurigen Ausnahmen belasten, das eigene Leben ist kompliziert genug. Und für genial? Hält sich auch fast jeder. "Was meinst du", frage ich Gott, schließlich ist er Experte, und die, das haben wir jetzt oft genug gehört, vor allem von den selbsternannten, wissen alles. Der Rest der Menschheit tastet sich durch Dunkelheit. "Was meinst du, wie viel sollte eine Szene umschließen, wie entscheidet man clever, was man reinpacken will?" "Das hängt ganz davon ab, was du erzählen willst", sagt er. Und schon sind wir wieder mal unterschiedlicher Meinung, denn? "Ich will gar nichts erzählen. Wenn ich was in die Tastatur haue, und es einer liest, sollte er schon selbst entscheiden, um was es geht. Wie bei den Fotos, sonst wäre die Tat misslungen. Eigentlich erzählen sie oft eine andere Geschichte? Wenn man in ihnen lesen will." Oder erzählt das Weizenfeldfoto etwa etwas von Weizen? Oder von Kornblumen? Tja. Wer weiß das schon. Und bevor es wieder unnötig Streit gibt, kümmer ich mich ein wenig um unsere Sorgen. "Warten wir einfach morgen ab", sagt die Schwester", und ich nicke, denn mehr kann ich dann auch nicht mehr machen. Oder doch, ich kann zumindest noch schnell beim Herrn Dings vorbeischauen, und der ist wirklich ein schöner Mann. Heute hat er aber keine Zeit für mich: "Wie geht's denn?", frage ich ihn. "Mahlzeit", sagt er. "Jetzt esse ich!" Und langsam wird er wohl hier zu meinem neuen Freund, denn? So ähnlich hat es mein bester Freund auch immer gesagt: "Setz dich zu mir auf den Stuhl. Erst esse ich auf, vorher bekommst du mich hier nicht weg. Danach habe ich heute eigentlich nichts Besonderes mehr vor. Dann kümmere ich mich um dich." "Prima! Was für ein Glück!" Denn ich liebe es, wenn man sich auf die wichtigen Dinge zuerst konzentriert. Prioritäten im Auge behält. Und sich nicht durch diese fad gesellschaftlichen Vereinbarungen vom Wesentlichen ablenken lässt. Also lasse ich den netten Herrn heute in Ruhe essen und treffe im Hinausgehen noch den Maler. Ihn sieht man niemals ohne Block und Stift, er malt ständig und mit größter Leidenschaft. "Und", vertraut er mir bei unserem kleinen Plausch an: "die Frauen hier - ich male sie alle ein paar Jahre jünger! Dann mögen Sie mich viel lieber." Was für eine kluge Taktik! Und sofort gebe auch ich ein Portrait von mir in Auftrag. "Aber bitte! Ein paar Jahre müssen Sie wegschummeln!" Und wohin führen uns all diese Betrachtungen? Nun, zurück auf die ewige Frage: Was (oder wer) ist schon, wie es (er) scheint.



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