Dienstag, 17. Juni 2014

Kommentarlos. Warten.


"Dann schicke ich Ihnen einen kommentarlosen Antrag", sagt der Mann am Telefon. Schön, aber - naiv und schamlos wissbegierig wie ich bin, frage ich lieber gleich nach: "Wunderbar. Entschuldigung, was ist ein kommentarloser Antrag?" Easy. "Ohne Zusatzschreiben", sagt er. Prima! Denn das könnte bedeuten, dass mir die Akten nicht wieder als offizielle Irrläufer zugesendet werden. Derartige Ereignisse können mich aber inzwischen höchstens noch leicht irritieren, verwundern lass ich mich nicht mehr, denn Beamtendeutsch ist auch ein ganz eigener Jargon. Doch bevor wir dieses Feld vertiefen, würde ich mich lieber zunächst ein wenig mit der Juristerei beschäftigen. Denn mit Richtern spreche ich momentan am liebsten. Sehr nette Menschen, sehr verständig, sehr interessant mit ihren Vorschriften und Paragraphen. Sie haben ... insgesamt einen völlig anderen Blick auf das Problem. Vor allem, wenn mal wieder alles kreuz und quer läuft. "Ich hatte mich auch über die Wortwahl des Arztes gewundert, aber ich dachte, der wüsste, worüber er spricht, nun ... Und ich weiß ja selbst nie genau, wie ich formulieren soll, wenn ich die offiziellen Anschreiben und Anträge an Sie sende." Denn es ärgert mich natürlich, dass ich nicht mindestens so viel weiß wie ein Richter. Oder auch die Amtsärztin, die ist so tough, da staunen anscheinend selbst die Männer mit den Handschellen, "wo die überall reingeht ...!" Ist für ein weiteres Leben notiert: "Was will ich werden, wenn ich groß bin? Amtsärztin! Was denn sonst." Ja, kann man so sehen, es gibt interessante Berufe, viel besser als Krimi. Obwohl wir uns hier momentan nicht mal mit Verbrechen beschäftigen. Aber mit der Realität eben, viel mehr Wirklichkeit als in so vielen Texten, die ich zuweilen glaubte, lesen zu müssen, geschrieben von AutorInnen in einsamen stillen Stuben anscheinend, wo der so lang erwartete Geistesblitz zu den sonderbarsten Plot-Verstrickungen führte. Der Krimi, von dem wir uns wohl langsam allein aus Zeitgründen immer mehr verabschieden. Krimi - der alte viel zu oft zusammengeschusterte Langweiler mit dem schweren irreparablen Aufklärungssyndrom, den es in neblige Regionen treibt, zu trunksüchtigen Typen in Eckkneipen, der mit vertauschten Klamotten spielt usw. Aber worum soll es dann gehen, wenn uns die ganze vermeintliche Aufklärerei, die viele Straßennamenaufzählerei, die Stadtviertelbeschreiberei und die so klug angestrebte, ganz offensichtlich mit größter Freude und gern mit viel Zeigefingergeschwenke ausgelebte tiefeninhärente Sozialkritik derart oft derart skeptisch und zutiefst unbefriedigt, gelangweilt gar, zurücklässt? Der Krimi - nicht immer ein guter Freund, oder Ratgeber, der sich aber selbst gern ernst nimmt und sich gern selbst feiert. Nun. Verbleiben wir deshalb simpelst in der ewigen Liebesmär ohne Unterfutter? Kann nicht sein. Mal überlegen. Und den Horoskopler fragen, denn der weiß wie immer Rat: Letztens riet er noch: "Höchste Zeit, dass Ihnen jemand die Augen öffnet und Ihnen sagt, welches Talent Sie haben." Denk ich aber auch. Die Garten-Eden-Landschaftsgestaltung ist es wahrscheinlich nicht. Und absurd langweilige Krimis enttarnen, kann's auch nicht sein. Also? Frage ich? Wie geht's weiter: "Wenn die Zeit gekommen ist, gibt Ihnen das Schicksal einen Wink,", antwortet der weise Experte. Na, dann ... Kann's ja nur noch besser werden.



~


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen