Mittwoch, 18. Juni 2014

Ideen. Schreiben.


"Nee", sagt der Doc. "Mit den Werten können wir keinen Gutachter beeindrucken." Mist. Das liegt sicher an dem ganzen Grünzeugs, das ich immer verdrücke.
"Tja", sagt der Doc, "da sind dann nicht mal deine Cola-Sünden relevant." Und ich schaue böse, denn Unterstellungen ... Und ich wüsste nicht, woher er wissen könnte, dass ich immer noch ... heimlich. Egal. "Nur ein Wert weicht minimal ab. Andererseits", sagt er, und ich horche auf, denn verrückte Ideen hat er immer, und sie sind alle willkommen. "Du hast ja auch gar nichts Organisches. Kriegst immer nur einen zu viel in die Fresse." Und so rustikal kann man es natürlich auch ausdrücken. Und selbst im übertragenen Sinne sollte man dementsprechend ganz vorsichtig und immer freundlich und höflich sein. Ich streite auch nicht mehr so oft mit Gott, - gute Idee - und wer hätte gedacht, dass er mich mal vom Krimi kuriert, mir die Augen öffnet. Wobei er sich natürlich auch irren könnte - mit seinen so ausgeklügelten Gedankengängen, wer weiß. Und was immer ich daraus für mich an Ideen und Entschlüssen ziehe, absolut und uneingeschränkt und totalitär kann ja nur verkehrt sein, daher relativieren wir jede Idee gleich wieder durch die Tat. Und daher - wer weiß - lese ich demnächst doch wieder einen Krimi? Vielleicht? Weißt du noch, diese famos gnadenlose Rezension zu diesem 'Opfer', das angeblich so grandios war, das alle ins Schwärmen gerieten? Genau, dieser Krimi von der Frau, die auch das andere Buch geschrieben hat, wo das Cover mir so gut gefiel, das ich es sofort gekauft hab. Das steht jetzt immer gleich neben mir. Und ich zwinker den zweien auf dem Cover oft zu, denn die haben noch was vor. Tja, und ich weiß nicht, ob der Text "The Singer" besser gelungen ist als "Opfer", ich lese es erst gar nicht, aber das Cover? Wunderbar. Und die Idee wäre also, jedes Buch hat ab jetzt nur noch eine Chance, ganz egal, was andere Rezensenten meinen, der eine war ja immerhin sogar mit mir einer Meinung. Das wäre aber ab nun absolut und uneingeschränkt egal. "Nein", sag ich zu Gott, "du denkst vielleicht literarischer als die anderen, formulierst eleganter. Mir ist es egal, was du sagst. Jedes miserable Buch wird ab nun zur Seite gelegt. Umgehend. Wir sind alt, die Blutwerte zwar noch perfekt, aber wir sollten uns schonen - vor dem Unsinn."
Und dann die Schreiberei, die lenkt, hab ich gemerkt, am besten ab, wenn die Wirklichkeit zu kompliziert wird. Und die Schreiberei, sagt mir eine andere Idee, denn ich habe ja ständig genug Ideen, ändere ich jetzt auch. Die NTs schreib ich ja eh ganz gern nach Foto. Denn? Ein Blick ist immer auch ein Gedanke. Mindestens, manchmal ein ganzes Leben. Und dann? Versuche ich es jetzt mal wie diese Frau Müller, die den Nobelpreis bekommen hat. Natürlich weil sie weise und klug ist. Und sehr sympathisch übrigens, fand ich zumindest, denn sie war sehr oft früher an der Uni und hat viel davon erzählt, wie sie schreibt. Mit ihrer Box, fast ein wenig wie Burroughs Cut up - aber anders. Und kaum hatte sie davon berichtet, war so ein Professor direkt dagegen, - gegen so einen absurden Unsinn. Und der wurde auch gleich ganz schön aggressiv, schließlich war er Professor, da weiß man es immer besser. Selbst Doktoren halten sich ja schon für … Tja, es muss ja nun aber auch nicht jedem immer alles gefallen. Mir gefiel die Idee allerdings von Anfang an, und so ähnlich mach ich es jetzt auch. Ich öffne meine Lieblingstexte und streune durch sie durch - kein Lesen! Bis ich den Satz finde, - Wink des Schicksals - hieß es nicht gestern so, den ich brauche. Ändere ihn, suche weiter. Bis der Gedanke zum Wort wurde. Und dann schreibe ich flink meinen NT. So. Ist doch egal, wohin das dann führt. Das weiß dementsprechend am Anfang niemand, wird die NT-Fummelei etwas spannender. "Reine Mogelei. Sie lassen sich ja nicht auf den Zufall ein, sie wählen ja aus", hätte der Professor gesagt. "Na und", hätte ich geantwortet. Wobei ich hierbei lieber gleich mal erwähnen sollte, dass ich - nur weil ich mich an die Methode erinnere und sie mir gefällt - keinerlei Ambitionen hege, den Nobelpreis abzustauben. Preise sind nämlich auch immer so eine Sache. Ich habe mal bei der Académie Francaise eine Wolldecke gewonnen. War ich aufgeregt, als ich die auf der Bühne entgegennehmen musste. Da halte ich vorn lieber schnell einen Vortrag, den hat man vorbereitet, da weiß man wenigstens, wo's hingeht, anstatt nur rumzustehen und im richtigen Moment: "Merci beaucoup" bescheiden in die Menge zu lächeln. “Und ohne unsere so nette und warmherzige Dozentin wäre das alles gar nicht möglich. Denn die französische Sprache, die wir hier erlernen dürfen… usw.” Und dann gefiel mir auch das Muster von der Decke nicht, und wir sind hinten gleich in den Keller gestiegen und haben die Decke gegen eine andere ausgetauscht. Und später musste ich den ganzen Tag - im Sommer - mit einer Wolldecke durch Bruxelles spazieren. Da habe ich sie einem Mann mit Hund geschenkt: "Hat Ihr Hund eigentlich eine Decke zum Schlafen, ist doch hart - der Asphalt." Und schwups war ich die Decke wieder los. Also - einfach mal das neue System ausprobieren, es ist ja noch offener, als ich es bislang gehalten habe. Ich mache damit sozusagen mein Unvermögen, über 300 Seiten intelligent inspiriert zu planen, und ich finde ja immer noch, das gelingt eh den wenigsten, mache ich also dieses Unvermögen zum Programm. Mit der Cut up-Blackbox-Methode. Oder wie wollen wir sie nennen? Flow-NTs? Sich treiben lassen … Genau, Getriebene NTs. GNTs.

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