Donnerstag, 12. Juni 2014

Die Lösung


Von den Eso-Spinnern haben wir, die eifrig wissbegierigen, selbstgrüblerischen LV-Leser, ja bereits eine Menge gelernt. Und gleich heute habe ich wieder gemerkt, wie wunderbar doch das Ausatmen in komplizierten Lagen hilft. Ruft mich also dieser nette Herr Direktor an und ist völlig verwirrt, ja, empört, aufgebracht sogar. Und eine der klügsten Kommunikationsregeln der Grund-Entspannten lautet ja, lass ihn reden. Wie sagt man? Frei von der Leber, wo ja bekanntlich der ganze Unmut und das Gift landen. Und dabei bleibt einem ausreichend Zeit, selbst tief auszuatmen, auch am Telefon, wo einen der Gegenüber ja nicht sehen kann, ein freundliches Lächeln aufzusetzen, um dann tiefenentspannt zu antworten: "Ja, ich verstehe. Da schildern Sie eine komplizierte Sachlage. Wie sieht die Lösung aus?" Tja. Und so geht man wohl auch in der Politik vor, bei einer Attacke? Den anderen so höflich wie möglich ins Leere laufen lassen. Und selbst? Ausgeatmet abwarten. Indes funktioniert auch diese Taktik nicht immer. Steht etwas später in der Stadt ein Mann vor mir und sagt: "Du kaufst mir jetzt ein belegtes Brötchen!" Und er durchbricht dabei doch etwas zu forsch die gesellschaftlich großzügig gesetzte Distanzzone. Und trotz meines so freundlichen Gemüts konnte ich ihn umgehend so gern leiden wie einst den Kaffee-Junkie, der mir ja auch gleich drohen wollte, weil ich keinen Kaffee herbeizaubern konnte. Und Frauen, die als Geschlecht per se oft Opfer von Gewalt werden, wird es in Kursen und in den Medien ja immer wieder eingebläut: in bedrohlichen Situationen sollte frau sofort laut werden, die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich ziehen. Also wieder mal tief ausgeatmet und laut nachgefragt? "Was genau möchten Sie von mir?" Und weil die Welt ja momentan doch insgesamt so freundlich ist, bleibt auch sofort ein aufmerksamer Passant stehen und hakt nach: "Gibt es ein Problem!" "Könnte sein", sage ich - immer noch recht deutlich vernehmbar. "Der Herr hier überlegt noch." Überlegt und zieht sich und sein Anliegen daraufhin zurück. Und wieder mal scheinen alle Probleme gelöst, bis spätestens 14 Uhr, dann erwarte ich die nächsten schlechten Nachrichten? Aber, was auch immer Schlimmes passieren mag, ich kenne ja bereits die Lösung, sie liegt immer im Problem selbst. Und ausgeatmet begegnet man ihr klüger.


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