Dienstag, 20. Mai 2014

Netter


Zunächst fast in einen Mann hineingelaufen, der hinter der Kurve von der Remise Tai Chi machte. Ups, ihn ein wenig schweigend aus den Augenwinkeln beobachtet, sieht ja schon entspannt elegant aus. Und das sage ich dann auch zu ihm, als ich später beim Doc rauskomme, und er sich sonnt. "Haben Sie eben Tai Chi gemacht? Das sieht aber elegant aus." "Tai Chi Gong", verbessert er mich und fügt an: "Das muss man auch sehr lange üben." "Bestimmt!" Und ich nicke verständig, und wenn mir demnnächst mal einer sagt, 'Mensch, dein Yoga-Flow sieht aber inzwischen auch ganz gut aus", dann sage ich? "Jawoll, das macht aber auch einen Spaß, man kann kaum mehr aufhören zu üben." Tja, also lieber weiter ins neue Lädchen spaziert. Dort sitzt ein junger tiefenentspannter Mann, der sicherlich nicht bemerkt hätte, wenn ich den ganzen Laden hinter seinem Rücken ausgeräumt hätte. Tu ich aber nicht, lieber parlieren wir ein wenig auf Englisch, denn, woher er auch kommt, seins ist perfekt. "Du sprichst aber gut Englisch", sagt er. Und tja, Vokabeln vergessen, da ich aber beizeiten Aunties Scottish English abgelegt, Viras crazy West African Portuguese Style nur abgöttisch verehre, aber nicht imitieren kann und auch Sammys Chinese English einfach nur charmant klingt, wenn man Chinesin ist, spreche ich feines British English - so gut es geht. Denn Uncle Paul hat darauf viel Wert gelegt, der hat sich schon geschämt, wenn ich baked beans essen wollte. Das tut man nämlich nicht, auch nicht als Kind, wenn man weiß, wo man hingehört. Nun. Und dann sagt der nette Mann, im Laden gäbe es 19% Rabatt. Auf alles! Nein! Doch. Für unsere Kunden. Nein, das ist die Mehrwertsteuer, was heißt Mehrwertsteuer. In Englisch? "Doch" beharrt er und rechnet mir den Preis aus. "Na", sag ich später zum Doc. "Da sitzt jetzt aber mal ein ganz netter Mann im Laden. Finanzgenie!" Und der Doc? "Ouh", sagt er. "Kümmer ich mich drum."
Und in der Klinik? Frage ich ein Mädel, ob ich wohl noch irgendwie ganz dringend die Frau X erwischen kann. "Wie heißt die denn mit Vornamen?", fragt mich dieses Fachpersonal. Ja, sach ma, als würdest du die Chefärztin duzen, echt. "Wolltest du nicht netter sein?", raunt mir Gott von hinten über die Schulter zu. Sicher. Und deshalb, obwohl ich auch ein Freund der ganz klaren Worte bin, sage ich lediglich: "Ich weiß nicht, wie die Chefärztin mit Vornamen heißt." Sie nickt, und das Problem bleibt damit ungeklärt. Man sieht, Nettsein bringt einen nur bedingt weiter. Obwohl, die wusste doch eh nix. Und was macht unser Patient: "Du wirst bald verlegt! In ein ganz tolles ... Interessiert dich nicht. Du bleibst hier? Bis ins Grab. Oder bis Weihnachten, dann bist du gesund. Ja. Das wird aber nicht ..., nee. Ist okay, musst du noch mal mit der Ärztin sprechen ..." Wie die wohl mit Vornamen heißt? Wissen wir nicht. Und mein Freund? "Es ist, als hätte Gott heute gleich zweimal an mich gedacht", sagt er, denn? Der Sechser im Lotto hat ihm Schokolade mitgebracht. Zartbitter, die isst er nämlich am liebsten. Was sonst. "Und?", frage ich Gott. "Er hat sich gefreut, hast du's gesehen?" Und Gott nickt, "Ja", sagt er. "Das war mal nett von dir. Hast du mir auch welche mitgebracht?" Ach so, nee ... Morgen!



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