Samstag, 31. Mai 2014

Bei manchen gibt es sogar Aal


Direkt aus der Haustür, hinter zwei Kurven einen Mann getroffen, der ungefähr so einen Anzug trug. Ohne Hut! Und doch war ich direkt sehr beeindruckt, denn das Outfit gefiel mir fast noch besser als das des Mannes im Muhammad Ali-Champion-Hemd. Mode ist schon etwas Feines, nichts für die Furchtsamen! Und in der Tat, grün muss einem stehen, sonst sollte man lieber die Finger von so einer gewagten Farbe lassen. 
Dann flink in der Klinik vorbeigeschaut, um die verlorenen, wiedergefundenen Sachen abzuholen. "Ich darf nichts essen!", sagt eine Frau zu mir. "Ein Bett steht vor meiner Tür." Und wie so oft, das habe ich hier inzwischen gelernt, hat sie recht, ein Bett steht wirklich vor ihrer Tür, aber ... "Doch! Da muss man sogar doppelt so viel essen", sage ich, "damit wir Kraft haben, dann schieben wir das Bett gleich nach dem Essen zur Seite." Zwar konnte ich sie mit dieser Logik nicht wirklich überzeugen, aber gegessen hat sie trotzdem - immerhin. Und mein Freund? Ich bin mir sicher, er wird in diesen Tagen verlegt werden, er sich auch - bloß ... Wohin? "Ich rufe dich an", sagt er. "Ich möchte dich gern wiedersehen."  "Prima, dann gehen wir mit den Hunden", sage ich. "Das wär schön", sagt er, doch langsam fürchte ich, Gott war hinterhältig und hat doch gelacht - heimlich. Als ich ihm von meinem Plan erzählt habe. Denn es wird nicht leicht, ihn wiederzufinden, ich bin ja keine Angehörige, mir gibt man keine klaren Auskünfte. Und ich fürchte, dass er das mit der Telefonnummer momentan nicht so gut hinkriegen wird? "Du hast doch gelacht!", sage ich vorwurfsvoll zu Gott, der schüttelt zwar den Kopf, aber ich weiß es wie so oft besser. "Wir wollten nur mal einfach mit den Hunden gehen, ich wollte sehen, dass es ihm gut geht, ein ganz harmloses Unterfangen, das dennoch glücklich machen kann. Und du lachst, das ist ziemlich fies. Jetzt klappt's am Ende nicht." "Ich hab nicht gelacht", beharrt er, aber ich glaube ihm nicht, lese ihm lieber mein weises Horoskop vor, denn der Horoskopler kennt meine Situation genau: "Während der letzten Spielzeit haben Sie sich bereits bestens um das allgemeine Wohl gekümmert. Jetzt sind sie dran. Lassen sie sich einfach verwöhnen." So. Und da Monsieur nicht da ist, sage ich zu Gott: "Dann lass dir mal was einfallen. Ich muss noch mal kurz weg. Und wer so boshaft lacht, hat später viel wieder gutzumachen." Doch ich komme gar nicht weg, denn der Mann steht plötzlich vor der Tür, der letztes Jahr schon hinten im Garten die Anschlüsse so genial repariert hat. So genial, dass sie dieses Jahr schon wieder nicht funktionieren. "Ja, das ist so meine Zeit", sagt er. Mittagsessenszeit! Kluger Mann. "Da ist praktisch jeder zu hause", sagt er. "Und nächste Woche kann ich nicht, deshalb dachte ich, ich schaue noch schnell bei Ihnen vorbei." Klar, muss ich meinen Termin eben verschieben. "Kommen Sie denn allein zurecht?", frage ich ihn. Und er nickt, steht aber schon fünf Minuten später neben mir in der Küche, denn er bräuchte da mal einen Lappen. Und dann? "Einen Eimer Wasser? Einen Hammer? Ein scharfes Messer?" Ich lauf doch gern. Gar kein Problem,wenn Sie nichts mitgebracht haben. An Werkzeug. Als Handwerker. Und dann sagt er: "Manche bieten einem eine Tasse Kaffee an." Tja, die haben es wohl nicht eilig. "Ach so. Entschuldigung, dann will ich mal schnell ..." Servieren. "Tja", sagt er dann mit der Kaffeetasse in der Hand, "so ist das halt. Bei manchen gibt es Kuchen, bei manchen Bütterchen. Und bei manchen gibt es sogar Aal." Aal?



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