Freitag, 4. April 2014

Spiegelkommode


"Im Alter von dreißig Jahren
muss eine Frau zwischen 
ihrem Hintern und 
ihrem Gesicht wählen."
(Coco Chanel)

Inès. Weiches Licht

Die Dame Chanel wusste aber auch:
"Das Alter hat keinerlei Bedeutung. 
Man kann mit zwanzig hinreißend sein, 
mit vierzig charmant und 
den Rest seiner Tage unwiderstehlich."
Und, bitte! Exakt so!
Und sonst?
Response, 
die bin ich ja gar nicht gewöhnt.
Die ist indes sehr interessant, 
die Meinung anderer -
generell.
Von Fremden. Überhaupt, 
das Unbekannte.
Blickwinkel.
Und Monsieurs Werk?
Ich würde doch sagen, wir
knipsen nur,
Photografen gehen anders an die Sache,
 wissen, was sie tun,
wir ahnen nur.
Und hoffen.
Experimentieren ins Ungewisse.
Suchen Licht.
Und.
Wo ist der Schatten?
Hinter dem Schatten?
Denn Lowkey ....!
Ja. Im Dunklen.
Nun ja, zuerst sollten es klare Bilder werden.
Dann gab es eine klare Vorstellung vorab.
Mit - wie ich es gern halte -
klaren Instruktionen.
Und ich freue mich immer,
wenn sich die Idee im Bild
wiederfindet.
Der zweite Schritt auf einem langen Weg.
Nun, weiter unten also wurde nun
die Herzchentüte angemerkt.
Sehr interessant!
Ich sag mal so,
diese -
woher stammt sie? -
Genau, aus der hübschen Stadt,
wo ich demnächst...
 -
 diese Tüte also könnte als neckische
korrespondierende Dopplung gesehen werden!
Als überflüssig, als Kitsch.
Eines nachlässigen Arrangements?
Als bewusste Inszenierung eines lachhaften
Paradigmas?
Aber.
Ich verrate ein Künstlergeheimnis!
Nein,
ein Knipsergeheimnis 
ganz entre nous:
Obwohl ich inzwischen so sehr durch Inès,
dies famose scheue Model,
 entlastet bin,
ich, als organisierende, ausführende,
vordenkende Compositeuse?
Ich hab es nicht gesehen.
Das Herzchen
auf der Tüte.
So sieht's halt aus,
wenn Frau shoppen war.
Das ist?
Geknipster Realismus also!
Eine Ode auf den Konsum!
Und so ...
Tja. 


~


Kommentare:

  1. dieses Mal habe ich mich richtig verguckt, denn war "der Ansicht" die Kommoden-Frau sei verzweifelt. Ich habe nicht richtig bzw. ein anderes Bild gesehen. Da es aber keine Anzeichen für Verzweiflung gibt und somit das Herz kein kitschig-gewollter Kontrapunkt sein kann, kein Sehnsuchtssymbol (wenn auch ironisch als Kaufliebe), passt es besser im Sinne von: Wenn schon Romantikhintern in Herzform, dann bitte ganz dick auftragen und das Echo, die artifizielle Doppelung hinzunehmen. Da kommt es zu einer Symmetrie, an der Kritiker sich die Zähne ausbeißen können. Und dem Foto ist es ja gleichgültig, was der Knipser wollte. Wobei mir die letzten beiden besser gefallen.

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  2. Verzweifelt? Wegen des (Kon-)Texts vielleicht? Nun, das Sehen, der Blick - wieder so ein interessantes Thema - wie hieß es noch? Die Bilderflut und der unersättliche Blick der Moderne? Oder so ähnlich? Ich such's demnächst mal raus. Und sagt man nicht: Das Auge macht das Bild, und nicht die Kamera. Ich schätze, das bezieht sich vor allem auf den Betrachter - immer. Denn was er denkt, sieht er? Kommt ja auch drauf an, ob man aufs Bild schaut, oder auf die Technik. Ich hatte mich da mehr auf die Technik konzentriert - die unscharfen Flacons, deren Form man noch erkennen kann, wie es gedacht war, das Licht, die Pose, beide - etwas weniger gelungen, als gedacht... Und ja, 'dem Foto ist es gleichgültig' - obwohl, wenn ich sie mir zuweilen anschauen, manche wollten sicherlich gar nicht geknipst werden! Aber dem Foto ist es bestimmt vor allem gleichgültig, was der Betrachter sieht, es gibt ja keine Botschaft. Und wieso mag ich Sieff so viel lieber als Newton z. B.? Was macht Sieff so unverwechselbar? Verführerisch? Für mich? Das sind wir gleich wieder bei deinem Eisberg ... Ich weiß es nicht! Wie so viele Dinge ... @

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  3. drei Dinge kommen mir schon einmal ähnlich vor: Die Sonne, das Herz, der Flacon auf dem Altar. Da merkt man doch deine Vorliebe für eine ganz bestimmte Form der Inszenierung, oder? Als in Szene setzen meine ich, nicht als Konstruktion. So eine Melodramatik des Alltags. Poetische Pointen, die wohlig erschüttern. Der Stoff, aus dem auch viele gute Lieder sind...eher Simon &Garfunkel als Bob Dylan, Joni Mitchell als Patti Smith, André Heller als Wolf Biermann.
    Jedenfalls Sachen, die man patentieren lassen kann.

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  4. Also - der Flacon. Dinge, sie stehen herum, bedeuten etwas, zu viel manchmal. Da macht man sich Gedanken. Und definitiv klar ist, bevor ich in den Abgrund springe, wenn's denn sein muss, möchte ich zumindest vorher rätseln, warum. Und kurz schmunzeln, das wär doch was. Und tja, Mr. Dylan, ... den mochte ich noch nie, das kann ich nicht ändern, das ist einfach so, da kann man nichts machen. Ich bin ein Pete-Seegers-Mädchen, das nur, da Du ersteren erwähnst.
    Und. Was fotografierst du? Mode? Models? "Und wenn es einen Bereich gibt, in dem jeder allein ist, dann gewiss den der Lust und der Phantasie." Gerade gelesen. Und darüber werde ich jetzt grübeln, denn - joa, klingt gut, ist wahrscheinlich sogar richtig. Aber - wollen wir daran glauben? Vielleicht?
    ~

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    2. …ich mache nicht so schöne Fotos. Ich habe keine Bildideen, sondern bin Produkt meiner Umgebung, die sich von mir knipsen lässt. Das geht auch ohne Kamera, aber besser mit.
      Könnte es nicht auch sein, dass Alleinsein nichts als eine Phantasie ist? Wobei mir einfällt: "You ever feel like you're never alone even when there's nobody else around ?" Bob Dylan, TROUBLE

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    3. Produkt. Wie jeder? So simpel. Und wieder glaub ich's nicht. Glaub zumindest nicht, dass Du grad keine Ideen hast? Und die Knipserei ohne Kamera - ist wahrscheinlich gar nicht die simpelste, aber die beste? Was da alles hängen bleibt. Alleinsein ist - auf alle Fälle kostbar. Und das Schlimmste? Aber was ist Phantasie ... Bonne Nuit. @

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