Samstag, 12. April 2014

Les indiscrètes?


Antworten. Ich mag sie nicht. Will aber lieber immer alles wissen und stelle daher nicht nur mir selbst ständig Fragen. Die Lücke als meine liebste Antwort, eine Vielzahl von Möglichkeiten - allesamt mit Fragezeichen versehen. Und ich hasse - aus sehr konkreten Gründen zuweilen - konkrete Fragen. Die Antworten darauf interessieren mich schon gar nicht. Langweilen eher. Vielleicht ein Trauma? Aber Frage-Antwort-Spielchen - was erfährt man denn - Äußerlichkeiten, eine simple Art der Nacktheit? Die Wissen verspricht. Und Macht ist. Notwendiges Übel. "Ich weiß jetzt, wo du wohnst!", klingt nicht einfach nur wie eine Drohung. Ist durchaus nicht immer harmlos. Gib ruhig mal einem Irren deine Adresse und Telefonnummer, da wirst du schon sehen, welch aufregenden Verlauf die nächsten Monate nehmen können. Auch das ist wieder so eine Sache, um einen Mann loszuwerden, braucht man immer einen anderen? Wer weiß, wahrscheinlich nicht? Und - andere Frage: Was ist überhaupt taktlos? Oder indiskret? "Ich mag Pädagogen nicht ...", sagt Sieff. "Es gibt Leute, die Fragen mit schlagenden Argumenten begegnen, und solche, die sich ihnen stellen: Anhänger des Fragezeichens. Was ist schöner als ein Fragezeichen?" Ja, unsere alte Lücke könnte wir anführen? Die Idee bei beiden ist indes wohl ähnlich. Und gerade deshalb ist die Erzählerei so herrlich. Indiskret. Wie die Photografie. Erzählen können die zwei einfach alles und jedem etwas anderes. Dazu noch einen Sound auflegen - am besten deinen eigenen, und man erzählt sich wieder einmal selbst etwas.
Und niemand kann wissen, hier auf dieser kleinen Spielwiese, ich meist am wenigsten, was am Erzählten wahr sein könnte. Die größte Indiskretion könnte authentisch sein? Autobiographisch? Denn? Das interessiert niemanden. Wer weiß, Gott zumindest, das sei hier mal wieder erwähnt, es gibt ihn gar nicht. Und schon murrt er im Hintergrund, denn er ist wie so oft anderer Meinung. Vor allem seit gestern, da machten wir einen herrlichen Ausflug im neuen Porsche. "Dann drück mal ordentlich auf die Tube", sagte ich, und er zog ab, und es schien, als hätte selbst er für einen langen Moment Spaß an der Sache. Und Monsieur? Figure-toi ! Stell dir vor, es gäb auch ihn nicht, wie wäre das? Wie heißen noch diese Philosophen? Solipsisten? Die nichts als sich selbst kennen? Wie der Rest der Menschheit eventuell ebenfalls. Und selbst auf diesem weiten Feld recht ratlos umherstehen und überlegen, 'Wie kam ich hierher? So mutterseelenallein - mit all den anderen?' Egal, da wir neuerdings ganz indiskret in Inès' Leben umherstöbern, sagte gestern jemand, "Inès? Und du?" Aber das ist unsinniger Unsinn. Und könnte ebenso interessant sein, denn bei einer erneuten Überlegung, ob Gott überhaupt Gott sein kann, oder vielleicht doch Flaubert, und ob Monsieur überhaupt jemals existierte, oder wieso er neuerdings für meinen Geschmack etwas zu locker mit Inès scherzt, wenn sie ihre Aufnahmen machen, stieß ich - natürlich - auf Kunst! Und entdeckte eine neue Liebe! Hier, 'Passen Sie auf sich auf!', was für ein wunderbarer Artikel über eine interessante Frau. Und sie war nackt in einer Zeitung. Skandal! Da erinnern wir uns an jemand anderen, die große Dame der Emanzipation, die sich immerhin ebenfalls unbekleidet auf einem Titelbild wiederfand. Und das posthum, was immer - anders und eventuell falsch ist. Die Frau - das Objekt. Bis ins tiefste Unbewusste hat sie das verinnerlicht. Existiert kaum noch. Traurig. Und. Moral und Erotik. Sehr problematisch in dieser Beziehung - für das Objekt. Sieff sagt: "Es gibt Menschen, die ihre Erotik leben wie manch ein Heiliger seinen Glauben - leidend." Und nur ich kann über solch tragische Sätze schmunzeln? Wer weiß. Aber zurück zu Frau Calle, denn sie kann ja viel mehr als nackt. Wie viele andere auch. Nichts Neues! Und was für ein großartiges Projekt das gewesen sein muss - ein Abschiedsbrief. Ein echter, wie indiskret? Und " ...Korrektorinnen korrigieren ihn – ein vielstimmiges Klagelied." Famos! Überhaupt - was für eine Frau! Wer weiß.


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