Samstag, 26. April 2014

Filmgespräche


Ein Mal, es war vor Jahren in Berlin in einer Schwulenkneipe, unterhielten sich am Nebentisch zwei Damen über "Die zwei Leben der Veronika". Und diese nahezu irreal kultivierte Unterhaltung hätte ich gern transkribiert, denn - ich sag mal so - wäre ich gezwungen, nach all der Zeit ein rudimentäres Gedächtnisprotokoll anzufertigen, mir würde schon vorab der Kopf schwirren, so viele Fremdwörter kamen in dieser Konversation vor. Und den gesamten Dekonstruktivismus beherrschten sie rauf- und runter. Und dann gleich noch mal - kreuz und querbeet. Nicht schlecht. Und mit so viel Intellektualität kann man mich persönlich ja ganz besonders beeindrucken. Ja. Und nachdem wir uns dann umgesetzt hatten, weil ich trotz oder wegen all des Unsinns von nebenan so kichern musste, und der nette Kellner mir einen Drink aufs Haus spendierte, weil er mir zuvor ein ganzes Tablett alter Gläser in den Schoß gekippt hatte, beschloss ich: "Niemals mehr werde ich über Filme sprechen. Nee, lass uns lieber noch was trinken." Und von einem weisen einmal gefassten Entschluss sollte man sich auch nicht abbringen lassen. Daher geht Monsieur die Sache anders an und sagte gestern: "Der Typ da, dieses neue Sexsymbol, der wär jetzt aber auch nichts für dich. Oder?" 
"Definitiv nicht. Der sieht da ja fast aus wie die Schmalspurvariante von dem Typen, der mit der Frau zusammen ist, die in meinem Lieblingsfilm spielt, den wir nie gucken. Und den Typ von ihr kann ich schon mal gar nicht leiden."
"Wen? Welchen Film meinst du?", fragt Monsieur.
"Der, in dem die Frau in einem Appartement wohnt."
"Aha", sagt Monsieur. "Laurel Canyon?"
"Quatsch. Das ist doch kein Lieblingsfilm." 
"Lantana?"
"Passt schon eher. Ist aber auch völlig verkehrt. Ist von einem meiner Lieblingsregisseure."
"Brian De Palma?"
"Möglich. Eher nicht."
"Die Brüder?"
"Nee."
"Kein Engländer. David Lynch?"
"Schätze, ja."
"Mulholland Drive meinst du?, sagt Monsieur, weil er so weise ist.
"Genau. Und die Schauspielerin heißt ..."
"Naomi Watts."
"Korrekt. Und ihr Mann heißt ...", denn mit Namen und Zahlen komme ich einfach nicht klar.
"Liev Schreiber. Aber der sieht doch nicht aus wie ..."
Also in dem Film irgendwie schon. Und damit wäre dieser Fall auch geklärt. Und wir haben mit keinem Wort über den Film gesprochen. Ernsthaft seriös schon gar nicht. Aber - 
"wann gucken wir eigentlich mal wieder einen anderen meiner Lieblingsfilme, den, wo der Mann, der so aussieht wie Onkel Oskar, eine Sekte anführt, wie hieß der noch ...?"
"Der Schauspieler? Meinst du Brian Dennehy?", fragt Monsieur.
"Könnte sein."


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