Donnerstag, 24. April 2014

Der Rasen



"So", sagt Monsieur, "egal, was du sagst, morgen ... Mähe ich den Rasen. Das Gestrüpp da draußen."
Das ist aber ... Frevel! Denn der Rasen, das Gestrüpp da draußen, ist schließlich eine von mir langfristig angelegte, quasi liebevoll mit der Natur wie konzeptlos gestaltete Wildkräuterwiese. Hier vorn sieht man gleich den Löwenzahn, und ich erwähn's nur noch mal nebenbei, in dem steckt achtmal so viel Vitamin C und unendlich viel mehr unterschiedlicher Mineralien als in jedem Kopfsalat. Das was bläulich, lila schimmert, ist der momentan blühende Gundermann, dazwischen haben wir den Breit-Wegerich, den wilden Portulak, den Rucola, Wiesenklee, die wilde, herbe Veronica (tja, nur etwas für Liebhaber). Der Bärlauch ist langsam schon verputzt, und gleich daneben steht mein sorgsam angelegtes Brennesselfeld, die Spitzen sind momentan so zart, da braucht man zum Ernten gar keine Handschuhe, muss man also immer noch warten - bis zur äußeren Auspeitschbehandlung, für die sich hier so viele zu interessieren scheinen. Nun, die Natur hat ihre eigenen Gesetze. Und deshalb habe ich auch keine Gänseblümchen in der Wiese. Eine dieser einheimischen Kräuterhexen ist davon überzeugt, "Energie! In deinem Garten wächst nur, was du auch wirklich brauchst." Prima. Aber zugleich auch: "Schade!" Denn Gänseblümchen in der Wiese wären hübsch. Aber diese wirksamen Heilkräfte brauchen wir eben nicht, wer weiß. Und was mich besonders ärgert, sollte unser Hexlein recht haben, brauchen wir hier auch keinen Giersch. Der soll ja angeblich als Horror-Unkraut-Plage jeden Gärtner in traurig unrühmliche Kapitulation treiben. Und bei mir? Hier? Wächst er einfach nicht. Also hab ich letztes Jahr zum Peter gesagt, "Stich mir mal welchen aus! Bitte." "Giersch?", hat er gefragt. Und mir einen Spatenstich in eine Tüte gesteckt. "Mehr gibt's aber nicht, kein Mensch pflanzt sich Giersch in den Garten", hat er gemeint. Zu Unrecht, denn ich hier mach das. Doch das Problem ist, wir futtern zu viel davon, sollten diese pingeligen mit der Nagelschere arbeitenden Kleingeistgärtner eventuell auch mal versuchen. Denn wenn man ihn nicht rausrupft, sondern als Delikatesse aberntet, ist er irgendwie ständig weg. "War hier schon wieder einer am Giersch? Heimlich?" Tja, warum diese Pflanze so begeistert, kann man hier sehen, jaja, die Dame versprüht schon beinah urwüchslerische Verzückung, wie man sie hier kennt. Und er ist lecker, der gute Giersch. Und gesund, das kann man ja zur Not verschweigen, einfach auf den Teller hauen. Kostet nix und geht schnell. Und ist vielleicht einfach doch besser als das gespritzte Zeugs aus dem Supermarkt? Doch, ja klar, Steak gibt's dazu, wir sind ja nicht ... komplett plemplem. Wer nun ganz wissensbegierig wieder mal mehr wissen will, kann sich ja hier einfach noch einmal informieren. Ja, man soll ja nicht immer alles glauben, was geschrieben steht. Aber andererseits - finden wir ja auch, man sollte eventuell nicht alles ignorieren, weil man's eh ganz ohne Wissen im vorhinein schon immer besser weiß! Und vielleicht fliegt Monsieur ja auch noch kurz über den Text? Damit wenigstens die schöne Wildwiese... - "Mäh nur ein bisschen! Ja, nicht so tief abschneiden. Und die Ränder - gar nicht? Wir wollen doch ... ERNTEN! Für ein langes unverschlacktes Leben?"



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