Donnerstag, 17. April 2014

Dann komm ich!


Morgens ruft er mich noch an und gibt mir Instruktionen. 
"Das stimmt aber nicht, ich kann da gar nichts veranlassen. Ich weiß, ich verstehe, ich bin. Federführend. Aber die Koordination zwischen den Behörden. Die kann ich doch nicht ... Übernehmen?" Mannohmann. Man hat nämlich bei solchen Verfahren recht wenig Rechte, aber alle Pflichten, und daher mache ich auch, wenn auch vergebens, was er mir sagt, denn "Nein, das ist nicht der übliche Ablauf", sagt eine andere Stimme von einer anderen Stelle. Aber? Wenn's sein muss? Mach ich, was ich machen muss.  "Könnten Sie das notieren, dass ich angerufen habe, um vergebens zu veranlassen..." "Sicher, ich kümmer mich darum." 
"Danke."
Und dann steht er vor mir, der Mann vom Sicherheitsdienst. Und ich seh sofort, der boxt. Nee, ich seh natürlich vor allem sofort den weichen Kern, den ich ihm ja gestern bereits unterstellt hatte. Und während wir in den langen Minuten vor diesem so unabwendbaren Einsatz umherstehen und auf den Krankentransport warten, erzählt er mir Geschichten. Etwas, das ich sehr zu schätzen weiß. Geschichten von viel schlimmeren Einsätzen, eingetretenen Türen, Waffen ... Situationen aus seinem Leben. Die nicht nur einem Mann bestimmt ordentlich zusetzen können. Und er erzählt die Geschichte von dem ganz alten tattrigen Mann, der so eifersüchtig war, dass er seine Frau tagtäglich ... Ja, tragisch. Und grausam, und doch lachen wir ein wenig, weil das Leben nun einmal so entsetzlich tragisch ist. Und dann bestätigt sich diese Einsicht gleich erneut. Und es wird schlimm. Und am Ende? Nimmt er mich in den Arm. Was ich ebenfalls zu schätzen weiß, wenn's mal wieder dicke kommt. Und er entschuldigt sich, dass es doch nicht friedlich vonstatten gehen konnte. "Tut mir leid, aber es ging nicht anders", sagt er. "Deshalb mussten Sie ja kommen. Es ging nicht anders. Wohl wahr. Ich danke Ihnen. Denn - wenn man jemanden braucht wie Sie ..." "Dann komm ich!", sagt er. "Dann komm ich!" Und ich nicke.



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