Sonntag, 11. August 2013

Das Gespräch


Man muss sich verdammt gut im Griff haben, wenn man kurz davor ist, die Konkurrenz so richtig zu verdreschen. Und sich stattdessen auf Kommando auf seinen Arsch setzt und die Klappe hält. Verdammt gut im Griff. Nun, Nani hat sich im Griff. Aber er hat auch einen Trumpf im Ärmel. Oder besser - am Handgelenk, ein silbernes Kettchen mit einem eingravierten Namen: ‘Élouise’. Sicher, das ist albern. Aber so albern auch wieder nicht. Bei den Frauen, die sich einen Dreck um den Ring scheren, den er am Finger trägt, denen völlig schnuppe ist, ob er nun ein verheirateter Mann ist, oder nicht, erzielt das Armband erstaunliche Resultate. Ja, einen Mann, der sich zum Deppen macht, mögen die Frauen. Manchmal. Zumindest dann, wenn er gut aussieht. Und einfach nicht zu haben ist. Weil er eine andere liebt, und das auch jedem zeigt. Das verwirrt die Frauen, und verschafft Respekt. Weil solche Dinge wirklich selten passieren - vielleicht.
Aber. Für Nani bedeutet das Kettchen etwas ganz anderes. Lou hat ihm das Armband gleich bei ihrem ersten Treffen ums Handgelenk gelegt. Ein Liebespfand. Gleich, nachdem er standhaft versucht hatte, sich ihrer Avancen, ihrer gar nicht mal so feinsinnigen Verführungskünste, zu erwehren. Gleich, nachdem er letztlich doch recht widerstandslos die Segel gestrichen hatte. Und sie auf seiner Matratze herausfanden, was sie beide vorher wussten: Dass sie eine Menge Spaß miteinander haben konnten. Und ja, wenn du die Freundin deines besten Freundes mit zu dir nach Hause nimmst, die Freundin vom Boss dazu, und sie legt dich an die Kette, an eine, auf der auch noch ihr Name steht. Dann bedeutet das was. Auf alle Fälle!
Eine Menge Ärger!
“Okay, ich musste ihn fortschicken”, sagt die schöne Maria, die plötzlich mit einem zweiten Bier neben Nani steht. “Du musst dich erst mal wieder runterfahren. Und. Hätte ich dich rausgeschickt, du hättest draußen …” Nani nickt. Stirnrunzelnd. Und trinkt. Sicher. Er hätte draußen gewartet, bis Max die Scheißbar verlassen hätte. Denn manchmal ist es einfach besser, die Dinge ein für alle Mal - draußen - ganz unter sich - zu regeln. Und bei so einer Gegenüberstellung wird Max immer den Kürzeren ziehen. Und das weiß er. Und danach - gut - wäre gar nichts geregelt. Und das weiß Nani. Aber genau das ist einem manchmal so scheiß egal. Aber sowas von.
“Ihr zwei, ihr seid jetzt längst erwachsene Jungs”, sagt Maria. “Du wirst Vater. Und jetzt wär’s mal langsam an der Zeit, -.” “Ich hab nichts gemacht”, unterbricht Nani sie, und die schöne Maria nickt, denn sie weiß, was er meint. Und das mit der Schuld - ist nicht immer so einfach, wie man denken könnte. Zumindest in diesem Fall. Eine reine Ermessensfrage. Doch. Trotzdem.
“Ich werd mal mit Max reden”, sagt Maria.
“Ich mag deine Kleine, sie ist klug. Sie ist anders als ich, aber sie erinnert mich an mich, als ich jung war. Und glaub mir, ich kenn mich aus, ich hab einiges gesehen. Sie liebt dich. Und du solltest ihr vertrauen.” Und Nani nickt, denn er vertraut Lou. Schließlich hat er sie geheiratet. Nur.
Sie hat ihn schon einmal angelogen.
Und Vertrauen ist - klar - eine Tugend. Tückisch also. Vor allem aber eine verdammt unkontrollierbare Sache. Doch bevor ihm die schöne Maria weiter ins Gewissen reden kann, klingelt eins von Nanis Handys. Und er hebt entschuldigend “Sorry!”, den Zeigefinger und lehnt sich vor, kramt in seiner Trainingstasche, die neben der Maschine steht. Schaut auf das Display. Noch mal “Sorry”, geht mit dem Apparat durch die Tür, hinaus in den feinen Regen, zieht sich die Kapuze über den Kopf. Und grinst, als er hört, wer ihn am anderen Ende sprechen will. 




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