Sonntag, 28. Juli 2013

Das Verlangen


Es ist früh am Morgen, als Lou den Schlüssel in das Schloss schiebt und die Tür aufschließt. Die kleine Nana schläft mit geöffnetem Mund auf ihrem Arm, die kleinen Arme vor der Brust verschränkt. Und Lou geht durch die kühle mit Marmor ausgelegte Diele und legt das Mädchen in das Kinderbett, das er im Wohnzimmer aufgestellt hat. Sie summt eine Melodie, eine, die die Kleine inzwischen beginnt nachzusingen. “Kluges Mädchen, ganz der Papa”, sagt Lou dann und gibt ihr einen Stups auf die Nase. Aber jetzt nicht, jetzt steht sie über sie gebeugt und lächelt zufrieden. Wirklich, etwas Feines haben sie da hingekriegt. “Bis gleich, Delfinchen”, sagt sie leise, dreht sich um und geht nach oben.
Sieht ihn dort auf dem Bett liegen, schlafend, tritt durch die geöffneten Flügelfenster auf den Balkon in den Sonnenschein, blickt über den Park, der in leichtem Morgendunst unter ihr liegt. Streift die Träger ihres Kleides von den Schultern, lässt es an ihrem Körper herabgleiten, macht einen kleinen Schritt rückwärts, streift ihr Höschen erst über das eine, dann über das andere Bein, dreht sich in einer formvollendeten Pirouette, lässt wie nebenbei den BH fallen. Denn schließlich ist Lou Lou - selbst in unbeobachteten Momenten. Sie ist kein Amateur. Stil aber - eben alles. Und nachdem sie dem Park vor ihr zu dieser frühen Morgenstunde  ihre kleine Vorstellung geboten hat, dreht sie sich nun um und schlüpft -
du kleines Luder - zu Max ins Bett.
Und nicht einmal ein paar Minuten später, das versteht sich von selbst, kniet er vor ihr, eine Haarsträhne fällt ihm in die Stirn. Und er hält ihr Becken mit einer Hand, ihre Beine auf seinen Schultern, und rammt sich in sie. Kein nutzloses Gemurkse, kein sinnloses Gefummel, nur ein schneller, effektiver Guten-Morgen-Fick, der kurz die Sinne vernebelt und einen auf eine andere Bewusstseinsebene katapultiert. Als Lous Hüften sich in seiner Hand winden, weiß er Bescheid und lässt - wie auf Stichwort - die Pumpe laufen. Um dann völlig abgekämpft neben Lou aufs Laken zu sinken. “So geht’s nicht weiter”, sagt er, noch außer Atem, den Blick auf die Decke gerichtet. “Das ist anstrengend”, räsoniert er, und Lou lacht. Da ist sie anderer Meinung und doziert: “Die Vereinigung der Körper ist wie ein segensreiches, regenerierendes Elixier, das uns jung hält. Und eben - unsere Energien erneuert.” Max seufzt, fährt sich mit der Hand matt über das Gesicht. Und Lou räumt großzügig ein: “Bei Männern geht Ficken natürlich in die Beine, das kann man nicht ändern.” Und Max wird ihr nicht widersprechen, denn von dieser Weisheit hat er bereits einiges zu spüren bekommen. Und gleich muss er auf den Platz und 18 Löcher mit dem Landrat spielen. Auf schwachen Beinen. ‘Nun’, denkt er, ‘was soll’s. Das war es wert.’ Und. ‘Ich muss ihn eh gewinnen lassen’, denkt er, greift nach seiner Rolex und sagt:
“Zieht endlich zu mir, du und die Kleine. Ich habe das Kinderbett und den Laufstall gekauft, in den du sie nie setzen willst. Sie kann alles haben, was immer die Mutter will. Das weißt du. Und wir könnten wundervolle Dinge anstellen - nachts zum Beispiel. Und uns davon erholen. Und sie wieder tun”, schlägt Max vor, dreht sich zu Lou und schaut ihr in die Augen. “Wirst du?”, fragt er, denn inzwischen hat er gelernt, dass es klüger ist, ihr keine Vorschriften zu machen. Und Lou erhebt sich, lässt ihn zusehen, wie sie wieder in ihr Höschen schlüpft, den BH umlegt, kehrt mit ihrem Kleid in der Hand zu ihm zurück, beugt sich vor, damit er ihn schließt. “Also? Wirst du”, fragt er.
“ Was?”
“Bei mir einziehen. Es ist an der Zeit.”
“Nein”, sagt Lou. “Ist es nicht.”  



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