Samstag, 26. November 2011

Im Dienst

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“Guten Morgen!” Sie gibt sich wohlgemut, und die Begrüßung im melodischen Singsang. Schließlich ist der gute Mann am anderen Ende der Leitung nicht Schuld an ihrer Misere. Sie horcht in den stummen Telefonhörer und setzt erneut zum höflich zirpenden Gruße an: “Guuten Moaag…”
Doch wird sie von einem verknautschten “Psst!” abgewürgt. Etwas knistert kuschelig, und sie flüstert, ein erstes Befremden locker überspielend: “Ähm. Sie sind. Sind Sie noch im Bett?”
“Und ob”, grummelt er verschlafen.
Shit.
“Also. - Es ist schon fast elf Uhr”, raunt sie entschuldigend in den Hörer. “Ich dachte…”
“Echt?”, unterbricht er sie, die Uhrzeit überrascht ihn, da wird er selbst laut. Und in der Tiefe seines rauschenden Bettes flucht jemand.
“Psst”, rüffelt er sich nun anscheinend selbst und bietet im Wisperton an: “Rufen Sie doch in 10 Minuten noch mal an.”
Okay.
Sie gibt ihm genau 12½ Minuten, dann wählt sie die Nummer erneut.
“Hallo?”, eröffnet sie vorsichtig und im moderaten Ton. “Können wir sprechen?”
“Ja.” Er sagt das salbungsvoll. “Jetzt ja. Was gibt’s?”
“Die Heizung ist kaputt”, klagt sie ihr Leid.
“Das ist schlecht”, stellt er fest, als würde er die Lage überblicken.
“Genau. Und das Wasser ist auch schon eiskalt. Eiskalt duschen. Und das zum dritten Mal in diesem Monat.”
“Mist”, sagt er, und sie überlegt, ob er zu ihr oder mit sich selbst spricht. Irgendwo kocht Wasser.
“Was tun wir denn jetzt”, versucht sie ihn entnervt zu einer Reaktion zu ermuntern.
“Ich weiß nicht. Ich kann das notieren”, schlägt er vor.
Notieren?
“Nein. Sie müssen kommen”, jetzt wird sie fordernd.
“Also.” Er ist nun sehr geschäftig, vielleicht brüht er einen Tee oder einen Kaffee auf. “Heute ist Samstag. Da arbeiten wir nicht”, stellt er klar.
“Doch. Sie arbeiten da. Sie sind der Notdienst. Sie arbeiten am Samstag.” Sie klingt verzweifelt. “Nur Sie arbeiten am Samstag. Deshalb rufe ich Sie an.” Sie bettelt - aggressiv.
“Schon.“ So direkt mit den Tatsachen konfrontiert, lenkt er ein. Er ist tatsächlich der Notdienst. Und er weiß es. Lediglich die Tragweite dieser Berufung scheint ihn komplett zu überfordern.
“Und?” Aus Verzweiflung wird Wut. Und aus Wut wird Angst. Denn inzwischen schwant ihr Schlimmes, sollte dieser Spezialist tatsächlich doch noch auf die Idee kommen, selbst bei ihr aufzutauchen.
Indes hatte er eine Idee, eine gute sogar. “Ich könnte jemanden anrufen”, grübelt sein angestrengter Geist.
“Wunderbar!” Sie frohlockt.
“Den Chef vielleicht. Oder - nein. Besser…”
“Doch”, frenetisch fällt sie ihm ins Wort. “Den Chef, den fragen sie! Der soll jemanden schicken! Jemanden, der eine Heizung reparieren kann! BITTE!”

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