Mittwoch, 24. August 2016

JuchuU


Ein angenehmer Tag.
Erst war ich nervös,
aber dann hab ich mich gar nicht mal so blöd angestellt.
Jetzt können wir also langsam auch news verfassen.
Prima.
Und schon fast ohne Fehler!
Gott freut sich womöglich auch,
er möchte das jedoch nicht verbalisieren.
Macht ja nichts.
Freust du dich?, frage ich.
Gott murmelt irgendwas.
Ich versteh schon, wie er's meint.
Also?





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Dienstag, 23. August 2016

Aufregend


Ich hab schon wieder neue Ideen. Gott weiß noch nichts davon, er ist bezüglich meiner Ideenflut oft ein Skeptiker. Aber ich hab das selbst schon mal durchgerechnet, und bei meinen Rechenkünsten müssen wir also tatsächlich äußerst skeptisch an die Sache gehen - ein Langzeitplan bis zum fröhlichen Alter von 60 -, und meine Kalkulation ergab, dass nicht nur die Zahlen im positiven Bereich verbleiben würden. Sondern dass mich der Plan fröhlich stimmt! Prima Grundvorassetzung. Und gleich kommt die Dings, und da sie diesen langen Weg bereits gegangen ist, werde ich mich also ganz genau beraten lassen. Spannend! Wird das Leben - wenn man gesundheitlich wie privat ein wenig nach Frischluft schnappen kann. 
Und da die Leserei wieder prima mit der Fliegen-Look-Löcherbrille funktioniert - es ist immer wieder verblüffend, wie groß die Buchstaben werden, wenn man durch ein paar Löcher blickt. Der einzige Nachteile ist, dass die Brille die Sicht verdunkelt, man braucht also eine starke Lichtquelle an der Seite, dann kann's eigentlich nicht verkehrt sein. Da die Leserei, immer diese Abschweifungen, also wieder 1a funktioniert, lese ich nicht nur den äußerst erzählfreudigen Gerald Kersh, sondern nun auch 'Die tote Stunde'. Wer sich tatsächlich auf mein Urteil verlassen möchte, dennoch denkt, er könnte auch ohne meine Rezensionskünste weiterhin ein fröhliches Leben führen, greift direkt zu. Good Stuff! Und. Seit wir nicht mehr gänzlich allein rumwerkeln, bekommt man endlich! mal wieder einen famosen Überblick übers Neuheiten-Geschehen. Und was ich da unbedingt schauen möchte, ist die Peggy-Guggenheim-Doku. Eine aufregende Frau. In einer von Männern dominierten Szene-Welt. Ist es nicht bedauerlich, dass wir das auch heute noch so oft von so vielen Frauen sagen können! Das war keine Frage. Nun ja. Schauen werde ich's also wegen der Dame. Zugleich indes ebenfalls wegen der Regisseurin. Die hat ja bereits diese Doku gedreht. Über die Großmutter ihres Gatten, denke ich. Über eine Frau in einer von Männern dominierten Szene-Welt. Wobei die Mode Frauen anscheinend nicht nur viel Freiheiten nehmen kann, sondern in vielerlei Hinsicht auch Türen zur Macht eröffnet. Ein aufregendes sowie vielschichtiges Thema. Wer ich jedoch am allerliebsten gewesen wäre? Ach. Pannonica de Koenigswarter. Was für ein Name! Ein Schmetterling. Flatterhaft und schön und ... Und sie war? Mäzenatin, sagt Gott. Und das wär ich auch gern! Mit einem ganzen Stall voller Jazz-Musiker. Die Jazz-Baroness. Herrlich! Ein aufregendes Leben! In einer von Männern dominierten Szene-Welt. Nun ja. Hier werfen wir mal einen kurzen Blick ins Leben der Dame. Und dann schreiben wir rasch mal Underbelly. Ebenfalls über Frauen in einer von Männern ... usw. Bisschen zu viel schöne Huren. Zu viel Busen. Gangsters in einer glamourösen, von willigen Damen aufrechterhaltenen Welt. Wirklich nicht schlecht, clever umgesetzt. Allerdings bisschen viel Routine und Klischee. Andererseits. Seit wir uns wieder im Gewerbe so umschauen. Möchtest Du zur Männerüberschuss-Party. Oder gleich zum Gangbang?, frage ich Gott. Ich kann dich anmelden. Vorher überflieg ich mal, was alles erlaubt ist. Nicht gewünscht. Klar! Nur erlaubt. Ich rechne mal wieder nach. Wie viele kommen wohl? Keine hundert EUR pro Mann. Zur praktischen familienfreundlichen Zeit von 19.00 Uhr bis 22.00 Uhr. Da kann man locker zu Hause die verspätete Ankunft mit einem wichtigen Meeting erklären. Ist ja nicht gelogen. Okay, also keine 100 EUR pro Typ, die Location muss gemietet werden, ist nur für feine Jungs. Mit Whirlpool. Und Champagner. Den bräuchte ich da allerdings wirklich. Dazu würde ich mir Verstärkung mitnehmen. Eine mit Pfefferspray bewaffnete Freundin reicht womöglich nicht aus. Immer wieder ärgerlich, dass eine Frau letztlich einen Mann braucht, um vor einem anderen sicher zu sein. Vor einer ganzen Gang, selbst wenn die zahlungswillig angereist ist. Bevor etwas aus dem Ruder läuft - also noch eine Bulldogge vor der Tür. Andererseits - kurze Analyse von dem, was alles erlaubt ist, viel kann nicht aus dem Ruder laufen. Aufregend wird's nicht, ist ja so ziemlich alles erlaubt. Ja. In Zeiten der Emanzipation. Die Quoten sind einfach mies. Große Möpse und gefärbte blonde Jahre, jugendliches Aussehen bringen im Paket das meiste ein. Das meiste ist dieser Tage nicht viel. In das Geschäft bin ich damals schon nicht eingestiegen. Zu aufregend. Und zu dämlich. Ich werd's heute auch nicht mehr tun. Ich möchte da auch nicht hin!, ruft Gott aus dem Garten. Ich liebe ihn!


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Montag, 22. August 2016

Letzte Nacht


träumte ich, Gott hätte was mit Ananda. Poa, war ich sauer. Sicher, Henry Gott ist ein freier Mann und kann treiben, was er will. Keine Frage. Trotzdem. Ich stellte ihn zur Rede. Es ist eine Art väterliches Projekt, erklärte er. Pfff, ich schaute mir Ananda auf ihrem Profilbild noch einmal genauer an, väterliches Projekt - klar! Ananda hatte nämlich einen Blog, und Gott daraufhin beschlossen, so ein feines und ehrgeiziges Projekt müsse er unterstützen. Ananda war groß, blond. Äußerst attraktiv, was sie auf ihrem Profilbild gekonnt in den Vordergrund zu setzen wusste. Und jung. Gott und ich stritten, er meinte, das ginge mich rein gar nichts an. Schon wahr, aber ... Ich kochte vor Wut! Da die Trainerin stets sagt, ich ginge die Sachen zu wild an, hat sie mir die kühlende Kanonenatmung als Aufgabe mit auf den Weg gegeben. Ich formte also meinen Mund zu einem O und begann mit einer Art Schnappatmung. Lenkt ab, bringt aber nicht viel. Ich war nach der Kanonenatmerei immer noch ordentlich geladen. Und wenn ich grad drüber nachdenke, ich bin's immer noch. Ich werfe einen Blick auf Gott. Immer noch sauer?, fragt er. Wegen ANANDA? Nö, sage ich, es war ja nur ein Traum, lenke ich ein. Gott bestätigt das. Ich packe ein Buchpaket. 5 Bände Griechische Denker verlassen das Haus, hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen. Andererseits ist unsere Philosophie-Abteilung gut bestückt. Und sie läuft auch gut, schön, wenn Menschen sich durch Gedachtes inspirieren lassen. Geträumtes schiebt man lieber in die unterste Schublade. Mit dieser Feststellung widme ich mich den anderen Projekten. Wie wir wissen, ist Sex ein prima Geschäft. Da sitzt die Kohle, wenn auch zumeist auf der falschen Seite. Und weil man viel zu viel Zeit verliert, wenn man stets irgendwelche Aufträge annimmt, also immer exakt den Auftragstext studieren muss, neu recherchieren usw. Und ich eh viel zu akkurat arbeite, habe ich beschlossen: DAS ist perfekt. Wie die Reisebranche, nur besser bezahlt. Ich erinnerte mich, wie Gott und ich lachten, als wir die Texte studierten - in diesem Katalog - für die clevere Hausfrau, oder wie der hieß. Die Artikelbeschreibung zum Wunder-BH mit den vielen unsichtbaren Haken und Ösen. Der die Körbchengröße verdoppelte und rasante Talblicke garantierte. Yep, der Texter hatte mindestens so viel Spass an der Sache wie wir nun. Und während ich mal wieder systematisch an die Sache gehe und erst mal über Wortfelder grüble wie Lust - Verlangen - Bedürfnis - Begierde - Spaß - kokett - heiß - sexy usw. Legt Gott gleich los. Er liest mir sodann seinen ersten Text zu einem Erwachsenenspielzeug vor. Ich bekomme einen Hustenanfall vor Lachen. Das möchte man aber unbedingt sofort ausprobieren, stell ich fest. Kaufanimierend, Gott nickt. Er ist ein Promo-Genie. Ich schreibe auch was, man kann sich da richtig reinsteigern, in so einer Werbe-Agentur haben die sicherlich den ganzen Tag mörderischen Spaß. So, sagt Gott dann und legt seinen Füller mit der Goldspitze beiseite. Ich geh jetzt mal hoch, muss heute noch was Vernünftiges tun. Ich betrachte ihn argwöhnisch aus schmalen Augen. Was machst du?, frage ich spitz. Du weißt, sagt Gott, Ananda braucht meine Unterstützung ebenfalls und ... Ich werfe mit zerknülltem Papier nach Gott, der hat bereits abgedreht, ich treffe lediglich seinen Rücken. Gott ist längst auf dem Weg nach oben, ich höre ihn auf der Treppe lachen. Scheiß auf Träume!


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Sonntag, 21. August 2016

Sonntag


Sonntag ist in der Stadt nix los, und da gestern ein hässlicher Zwischenfall unseren Stadtbummel-Versuch bereits vorab verhagelte, versuchen wir's heute gleich noch mal. Wir können auch schon wieder Wasser zapfen, an der sagenumwobenen Quelle. Also los! Robin kommt wieder nicht mit, er ist etwas depressiv in letzter Zeit, ich sollte mich sicherlich kümmern, aber ... Jetzt fahren wir eben ohne ihn - den Glücklichen.
Obwohl der Chief die letzten Wochen sehr gut gelaufen ist, läuft er nicht mehr weit. Also fahre ich direkt zum Domplatz, der ist neu gemacht, den wollte ich mir eh anschauen. Leider ist irgendeine wichtige Messe im Dom, es ist alles komplett schräg und quer zugeparkt. Und obwohl bereits Parkchaos herrscht, kommen immer mehr Wagen. Eine ältere Dame steuert auf ein Auto zu und richtet sich im Außenrückspiegel die Haare. Meinst du, sie fährt, frage ich Gott. Wenn sie ihre Haaren in Form gelegt hat, womöglich schon, antwortet Gott optimistisch. Falsch, nachdem sie mit sich und ihrem Äußeren zufrieden scheint, nimmt sie einen Seiteneingang in den Dom. Sie wollte sich nur hübsch für ihren Gott machen, klar. Wir cruisen noch ein wenig durch die Gegend, dann geb ich auf. Und fahre auf die andere Seite, ich parke. Also hier ...!, beginnt Gott und liest ein paar Schilder vor, die da irgendwo hängen. Aber es ist Sonntag - und die Stadt? Wegen Überfüllung fast schon geschlossen. Nun ja, jetzt ziehen wir also los. Bevor wir Wasser zapfen, wollen wir ein wenig über den Domplatz schlendern. Vielleicht ein Eis essen? Was man halt so macht, wenn man mit Kind und Kegel usw.
Doch der Chief bockt. Wir nehmen diesen kleinen Berg, vermutlich geht's dem Chief heute wirklich nicht gut, Gott trägt ihn ein Stück den Hang hoch. Poire spuckt, das ist nicht gut. Geh schon mal vor, sage ich zu Gott. Der Hund geht nicht, sagt er. Total-Panne nach 60 Metern. Wir legen eine Rast ein. Nehmen etwas später eine Routenänderung vor, vielleicht doch erst Wasser holen. Um zu schauen, wie's den ganz Kleinen und Alten zwischenzeitlich geht. Heute läuft er nicht, stellt Gott fest. Er hat irgendwas, ich nicke. Poire lacht wenigstens wieder. Ich bin etwas angespannt. Und da wir ja wieder unten den Parkplatz passieren, sehe ich, dass an der Bibliothek zwei freie Plätze sind. Im Schatten! Wenn ich mich da fix hinstelle, kann der Chief ein paar Minuten allein im Wagen bleiben. Ich park um, sage ich zu Gott, der nickt. 
Doch leider! Ein Mann hat geliehene Bücher in die große Bücherrückgabe-Kiste gebracht. Dazu ist er mit seinem Wagen bis vor die Kiste gefahren. Natürlich! Nun verbarrikadiert er die Zufahrt zum Parkplatz. Eine Frau möchte den Parktplatz verlassen, wir haben jetzt also drei! freie Parkplätze vor der Nase. Was ist los?, fragt sie den Mann. Sein Wagen springt nicht an. Er versucht's noch ein paar Mal, bis der Motor völlig abgesoffen ist. Die Frau mault rum, sie muss nach Hause. Keine Chance! Ich setze also rückwärts wieder um die Kurve, über die Brücke zurück. Nicht gerade meine Spezialität in dem großen Cruiser, den Serge für Familienausflüge gekauft hat. Anstatt das spektakuläre Manöver zu dirigieren, sehe ich im Rückspiegel Gott, der sich die Augen zuhält. Vermutlich ramm ich gleich irgendeinen Pfeiler. Ich setz noch mal vor, zurück, wieder vor. Und dann reicht's, Räder stehen grade! Rückwärtsgang! Augen zu und Gas! Ich parke dann direkt am Bach, da ist auch Schatten. Wir setzen sodann den Chief ins Auto und holen noch schnell Wasser. Was für ein schöner Ausflug. Schau, sage ich zu Poire, gleich da vorn ist der Dom. Wir schaffen's nur heute nicht bis dorthin. Poire nimmt's gelassen. Vermutlich ist sie auch kein Stadtkind. Der Dom scheint sie nicht zu interessieren.



Ich seufze, es gibt also keinen Cappu und kein Eis. Und keine Rumschlenderei. Poire lacht aber wieder, der Chief futtert Hundezwieback, und wenn er isst, ist eigentlich alles nicht so schlimm. Genießen wir also die drei Meter zurück zum Auto.



Werfen einen Blick über das Flüsschen, sind das wohl die Quellen?, frage ich Gott. Der zuckt die Achseln. Als Mann, der es gewohnt ist, sich durch den Großstadt-Dschungel zu kämpfen, ist er hier völlig unterfordert. Und resigniert. Schlechte Laune liegt über dem idyllischen Ausflug. Ich werfe einen Blick aufs andere Ufer. Hübsch, da wo die Stadt nicht zerbombt wurde. Und glücklich mögen die sein, die dort wohnen. Sicherlich schaffen sie es zuweilen - bis in die Stadt. 



Uns ist es nicht vergönnt. Auf dem Weg nach Hause landen wir wieder in dieser Umleitung. Weil sie seit ungefähr - wie viel Jahren veruschen die Kanalisation zu optimieren? Immer wenn's regnet, steht der untere Teil der Straße unter Wasser, die Anwohner reagieren ungehalten. Deshalb versucht man, das Problem in den Griff zu bekommen. Ein komplexe Sache anscheinend. Nun, Umleitung ist Umleitung, aber wir stehen irgendwie schon so lange hier. Im Stau. Weil nämlich? Als wir passieren, sehen wir, dass sich ein Auto seitlich quer in den Wald gefräst hat. Wie hat er das denn geschafft? Ich überlege, vermutlich die Rechtskurve beim Abbiegen viel zu schnell genommen. Komplett quer über die Straße in den Wald geschleudert. Das sonderbar zerfetzte Blech auf dem Aspahlt scheint das Straßenschild zu sein. Etwas benommen stehen ein paar jüngere Männer rum. Anscheinend liegt noch jemand im Wald. Hoffentlich hat dieses Abbiege-Schleudermanöver nicht einen Radler erwischt. Der Notarzt ist verständigt. Meine Fresse, sage ich nach einem kurzen Seitenblick ins Auto. Gott hält sich schon wieder die Augen zu. Wir wollen jetzt alle wieder nach Hause!



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Samstag, 20. August 2016

Säen


Gott entdeckt eine Parklücke und biegt ein. Die sind verdammt praktisch, weil sie wirklich geräumig eingezeichnet sind, da kommt eigentlich jeder rein, selbst ich. Raus allerdings wohl nicht. Hinter uns hupt's. Ganz gewaltig sogar. Gott überlegt, es wird weiter gehupt. Ich steig schon mal aus. Eine Frau hinter dem Steuer setzt vor, nur haarscharf rammt sie bei diesem kühnen Manöver nicht Gottes Gefährt. Sie hält schräg hinter mir, blockiert so ihre Parklücke und die Straße. Ihr Mann ist ja wohl total bekloppt, lässt sie mich wissen und versucht, an mir vorbei einen hasserfüllten Blick auf Gott zu werfen. Der weder mein Mann noch total bekloppt ist. Verdrehung der Tatsachen, antworte ich also. Hier kommt doch keiner raus, ich wollte gerade ausparken, der Typ ist doch ... jetzt benutzt sie ein Wort, das ich aber nicht wiederhole. Ihre Wortwahl lässt sehr zu wünschen übrig. Ich lass mich aber nicht provozieren. Diplomatie. Versuchen Sie's mit dem Rückwärtsgang, schlag ich vor. Sie zeigt mir einen Vogel, lässt stattdessen lieber den Motor aufheulen. Da krieg ich aber Angst. Setzt er jetzt vor?, fragt sie, dabei könnte sie ja längst weg sein. Hinter uns hupt's jetzt auch, Madame versperrt schließlich die Straße. Das stört sie nicht. Wohl eher zurück in die Parklücke, sage ich. Er wartet ja nur, dass sie wegfahren. Gott hat indes aber tatsächlich vorgesetzt, die Parklücke vor uns ist inzwischen auch frei geworden. Er räumt das Feld und steigt aus. All das reicht der Dame im Auto nicht, wir mustern uns, so ein Parkplatzstreit ist nämlich reiner psychologischer Krieg. Schlampe, sagt sie ganz überraschend. Damit hatte ich nicht gerechnet. Fettkuh, antworte ich instinktiv, denn sie schleppt schon einige Kilos auf den Rippen mit sich rum. Wir gehen!, sagt Gott aus dem Hintergrund, seine Stimme klingt ungehalten. Die Frau würd jetzt gern aussteigen, allerdings steh ich vor ihrer Wagentür, sie hat sich ja mit uns anlegen wollen und direkt hinter mir gehalten. Zudem bewegt sie sich etwas schwerfällig, sie schnauft, aus der Aktion wird wohl nichts. JETZT, bestimmt Gott, rasch dreh ich mich zu ihm um. Und sehe Enttäuschung in seinem Blick. Ich habe mich provozieren lassen. Mal wieder. Unser Diplomatiekurs? Vergebens! Man sieht es Gott an seiner finstren Miene an, alle Bemühungen umsonst. Denn wer Konzilianz sät, der will irgendwann auch ernten. Gott dreht sich um und geht. Schnell laufe ich hinter ihm her. Tut mir leid, sage ich kleinlaut. Gott nickt und läuft weiter. Ich laufe hinter ihm her, er kann ganz schön schnell gehen. Und ich habe sehr viel gut zu machen. Ein Rückfall. Und Gott war Zeuge. Dennoch dreh mich noch einmal um, die Frau, die nicht ausparken kann, streitet sich nun mit dem Fahrer hinter ihr. Er ist ausgestiegen und zeigt ihr gerade einen Vogel. Prima! Vermutlich fragt er sich, wieso sie immer noch die Straße versperrt. Die Schlange ist inzwischen ganz schön lang, irgendjemand hupt wieder, ich grinse. Wie ich immer sage, die Stadt - ein Sündenpfuhl. Und voller Fallgruben.


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Freitag, 19. August 2016

93%



Mein Profil muss ich noch ausfüllen, da versteh ich wieder vieles nicht, da fehlen noch einige Prozent. Aber auf meinem Profil-Foto wirke ich schon mal sehr seriös. Vielleicht etwas weggetreten? Nachdenklich, resigniert. Du musst mal wieder ein Foto von mir machen, sage ich zu Gott. Vielleicht eins, das suggeriert, ich wäre ähm - jung, attraktiv, abgebrüht und ... hochintelligent! Nimm doch eins von Inès, sagt der. Das würde immerhin für Aufmerksamkeit sorgen. Ich überlege, Inès muss auch wieder Fotos machen. Ich lege Gott einen Test vor, den hab ich bestanden, jetzt kann ich auch als Korrektor loslegen. Prima!!! Das macht nämlich total viel Spaß, das hab ich schon einige Male gemacht. Fehler bei anderen finden, einen bereits bestehenden Text zu einem wohlklingenden Informations- und Lautfluss zu verdrehen, ist nämlich immer viel einfacher, als die eigenen Fehler zu erkennen. Woran das bloß liegen mag? Indes! Den Test hab ich nur zu 93% bestanden, das ärgert mich. Gott haut selbstredend die volle Punktzahl aufs Papier, du darfst jetzt auch Korrektor sein, sage ich ärgerlich. Das wurmt. Nur 93%. Neben der Reisebranche, die nicht schlecht läuft, weil man irgendwie stets das Gleiche schreibt, habe ich mich momentan auch auf Pressemitteilungen spezialisiert. Das macht viel Spaß. Manche Auftraggeber allerdings brauchen derart Unterstützung, dass der Auftrag völlig unverständlich bleibt. Was soll bloß drinstehen? Welche Infos sollen transportiert werden? Andere geben eigentlich den gesamten Text vor. Mach aus 140 einfach 300 Wörter. Und halte dich an einige Vorschriften. Ich studiere also die guten Pressemeldungen aus der Redaktion. Kann ich auch, beschließe ich und lege los. Was mir noch ein Rätsel ist, wie Autoren es hinkriegen, in 2 Tagen 15000 Wörter zu schreiben. Über komplizierte Themen. Ohne einen Fehler. Selbst wenn man im Thema Experte ist - am besten ist man nämlich wohl Tiefbau-Ingenieurin mit Juristen-Abschluss auf Mutterschaftsurlaub -, ist das ohne Endredaktion schon eine harte Sache. Vielleicht Routine. Ich weiß noch nicht. Doch eigentlich gibt's in jeder Redaktion eine Endredaktion. Das ist schon praktisch. Und  sieht so aus: Liest du gleich noch eben über meinen Text, fragt der Dings. Klar! Und dann heißt's warten. Er hockt vor seinem Computer und denkt, tippt, denkt, knabbert irgendwas. Genug Zeit, um noch einmal nach neuen Aufträgen zu forschen. Oder was über Luxushotels in Dubai aufs Papier zu knallen. Denn selbst bei geringem Reisebudget ist ein Luxushotel in Dubai usw. ... Wann genau? Wird's was?, fragt man mal nach. Gleich, sagt der Dings und seufzt. Jetzt hol ich mir erst mal einen Döner! Isss nicht wahr! Einspruch! Ich warte auf dich!!! Und ich hab Hunger, lässt er wissen. Soll ich was mitbringen? Usw. Professionelles Arbeiten, am Ende hockt man rum und futtert. Und dann habe ich übrigens anscheinend auch eine feine Truppe gefunden, wo wir demnächst wieder Rezis einstellen können. Prima! Allein rumwurschteln ist eine feine Sache. Zusammen macht's oft mehr Spaß. Ich freu mich übers Glück! Und dann kommt die Dings. Und ich schaue Gott an. Du willst es so, sagt er ernst, nickt indes aufmunternd. Die Dings nickt ebenfalls aufmunternd. Wir gehen noch mal alle Pläne durch, die zwei nicken wieder aufmunternd. Wir werden uns in den finanziellen Ruin stürzen, seufze ich. Du dich, korrigiert mich Gott. Immerhin will er mir aushelfen. Nächstes Jahr erwartet er eine stattliche olympische Prämie, die gibt er mir quasi als Kredit. Die Non-Profit-Sache ist nämlich letztlich einfach nichts, wenn man nicht als Urwüchsler komplett aus der Gesellschaft aussteigt. Ich weiß es, schließlich haben wir's mal ausprobiert - selbst als Straßenmusiker ist man die meiste Zeit damit beschäftigt, Kohle zu scheffeln. Sie werden den kompletten Garten verwüsten, gebe ich noch einmal zu bedenken. Du wirst eine neue grüne Hölle kreieren, sagt Gott. Ich werfe noch mal einen Blick auf die Pläne, den Wintergarten. Das Kaminzimmer. Auf Poire. Auf Gott. Und mit 93% Überzeugung unterschreibe ich. Das wär dann mal erledigt, sagt Gott und tätschelt meine Hand. Der wird mit Sicherheit die ganze Zeit im Wintergarten rumhocken, und während es draußen Schnee rieselt, wird er lesen. Und abends im Winter, wenn wir Filme schauen, wird er ordentlich Feuer im Ofen bullern lassen. Ja, gemütlich. Bloß mein Garten. Den werden sie komplett verwüsten. Genießen wir noch
einmal die grüne Hölle. In der sich übrigens auch Schmetterlinge en masse tummeln. Die sollen dieses Jahr ja kaum fliegen. Kein Wunder - wenn jeder ordentliche Bürger jedes Wildkräutchen rausrupft. Unkrautmatten auslegt, diese mit Kies beschwert. Drumrum vier chic in Form geschnittene Buxbäumchen pflanzt. Ja, das schaut ordentlich aus. Auch ohne Schmetterlinge. Aber ich hab schon wieder Pläne. Weißt du, dahinten, wo wir den Flamingo und das Riesending umhauen, legen wir mit meiner
Rosmarinweide so ein Palais an, wie ich's immer haben wollte. Ich züchte schon mal Stecklinge aus der, die wir ausbuddeln müssen. Schlimm. Und aus dem Trümmerhaus brechen wir an den Seiten ein paar Steine, stufig, mediterran. Daneben einen Brunnen. Das und das und das soll der Gärtner mit dem Bagger rausholen, ich topf das ein, wir setzen das später wieder in die Erde. Es wird nicht eingehen, egal, was der Gärtner sagt. Und den hier ... Gott - der Paradiesgestalter nickt großzügig.

Dienstag, 16. August 2016

Schaffendes ...



Fußvolk,
nein.
Wie hieß der Titel noch mal?
Den wir grad verscherbelt haben?
Und hatte ich nicht eben noch von einem wohl sortierten,
geräumigen Lager geträumt?
In dem zumindest eine Lichtquelle den Weg weist?
Im Keller unten war nämlich immer noch kein Elektriker,
nun ja.
Ich suche also das Schaffende Schulvolk,
das wird Kohle in die von Ebbe bedrohten Kassen spülen :-)
Und ich suche und fluche.
Um dann! 
Gefunden!!!
Ich jubiliere.
Kaum wieder oben angekommen, sehe ich, dass ich nun das Resultat meiner
Texteinstufung abrufen kann!
Und? Und und und - wo ist noch mal das Passwort?
Ich gebe es ein und -
jubiliere erneut!
Wie ich es wollte,
das katapultiert unseren Marktwert selbstverständlich in die Höhe.
Prima!
Wobei der erste Blick auf die Angebote die Stimmung sogleich etwas drückt.
Rezensionen.
In einem Tag verfassen. Kein Problem!
Bloß - wie vertiefe ich mich in 24 Std. ins 
nicht gelieferte Rezi-Exemplar?
Um das Werk zu bewerten?
Denn. Wie's geschrieben steht:
Abschreiben gildet nicht.
Klar.
Da Kürzen immer länger dauert als Schreiben,
- wie sagte die Autorin einst?
So viele Worte zwischen mir und dem Text wegnehmen,
so viele wie möglich.
Das ist oft schwierig. -
Genau, und deshalb 
sind die längeren Texte eh interessanter.
Und lukrativer.
Uih, denke ich, das ist prima - 
Texte über Whiskey und Wein.
Da werden sich die Whiskey- und Weinliebhaber freuen,
wenn ich ihnen ruckzuck mal vom Geist des guten Tropfens vorschwärm.
Indes, überlege ich,
seit Gott so viel Whiskey trinkt,
stufe ich ihn direkt als Experten ein.
Keywords notieren,
Gott und mir selbst einfach auch
einen Whiskey kredenzen.
Probesaufen.
Es gibt etwas zu feiern!,
rufe ich und winke mit dem Schaffenden Fuß-,
nein, Schulvolk!
Und nach dem ersten Freudentanz, 
platziere ich die Lesehilfe auf der Nase
und zücke einen Stift.
Erzähl mir etwas über Whiskey,
sage ich euphorisch.
Ich lese die Keywords vor.
Diese bitte möglichst oft in die Erzählung einfügen.
Gott wirft einen ganz bösen Blick übers Glas!
Nun ja.
Geteilte Freude: also noch mal einfach:
Juchu!
Und zunächst noch etwas feiern.
Whatever.


Angst



BOA, hast du DAS gesehen, ruft Kleine-Claus beeindruckt, ich nicke, ich hab's gesehen. Die relativ kleine Schaufel des Baggers näherte sich langsam und präzise wie das Riesenmaul eines Dinosauriers, schnappte zu ... Und eine ganze Wand vom Nachbarhaus brach in sich zusammen. Imposant! Zerstörungswut. Während Kleine-Claus begeistert ist, betrachte ich unser Haus, vielleicht wird es irgendwann auch einer kleinen Baggerschaufel zum Opfer fallen. Ich überlege immer noch mit Gott, wie wir's am besten organisieren. Meine liebste Theorie ist momentan: Ich behalt's. So wie's ist. Ich kann's als Büro und Lager nutzen, wenn wir nächstes oder übernächstes Jahr weniger Stress haben werden. Wie wär das?, frage ich Gott. Wenn die Sache laufen würde, wär's der perfekte Arbeitsplatz mit Lager. Die Hunde können im Garten toben. Poire kann auf der Schaukel schaukeln. Hinten machen wir einen Gemüsegarten und verpflegen uns mehr und mehr selbst - in den Sommermonaten. Wie dazumal Tomtom und Elmar - die alten Urwüchsler. Und wenn wir mal nach Hause wollen, laufen wir über die Straße. Ein teures Lager, behauptet Gott. Ich bin mir da gar nicht so sicher. Es muss schließlich nix investiert werden. Und sollten wir das Interesse an der Arbeit verlieren, die Geschäfte plötzlich miserabel laufen - kann man's immer abstoßen. Die vermeintlich gute Lage. Gott wiegt den Kopf. Ich muss den Finanzberater involvieren. Das Beste ist immer, man hält sich an Fakten. Zahlen sind da ganz günstig. A propos Zahlen, mich beeindruckt immer noch die 0. Die 0 ist faszinierend. 0 + 0 bleibt immer 0. Zehn Jahre 0 + wir wissen gar nicht wie oft wir's multiplizieren könnten, ergibt stets? Exakt. Wenn man dazurechnet, was man sich für den Spaß über die Jahre alles selbst gekauft hat, nur um eine weitere 0 zu erschaffen, gerät man umgehend tief ins Minus. Faszinierend. Mir ist übrigens eingefallen, dass ich gestern, als ich die Rezi wegklickte, die zweite ganz vergessen hatte. Der Herr wollte ja auch noch etwas sagen. Egal, ich ahne einfach, was er mir sagen wollte, auch wenn's unfair ist, es nicht zur Kenntnis zu nehmen. Stattdessen bewegt mich immer noch sehr der Abschluss der Rezi. Sie endete ja nicht nur im begeisterten Überschwang, sondern auch in Dankbarkeit. Ich überlege, ob ich so nun auch alle meine Rezensionen ausklingen lassen will. An wen soll ich mich wenden? Als ich vor Jahren, vielleicht im Alter von 13, in Frankreich zum ersten Mal ein Buch von Flaubert ergriff, war es Liebe auf den ersten Blick. Die Franzosen haben immer dieses Foto von Flaubert auf den TBn, sieht der gut aus, raunte ich Hélène, meiner Freundin, zu. Sie musterte mich skeptisch. Die Franzosen verehren indes ihre großen Geister, er ist ein großer Schriftsteller, ließ sie mich wissen. Ich begann, Flaubert zu lesen. Und vielleicht hatte ich einfach Glück, denn à propos: Verehrung - mir kommt's so vor, als würde der Geist Flauberts Verehrung lachhaft finden. Blinde Verehrung, enthusiasmierte Verehrung. Eventuell deute ich ihn ja falsch, knete ihn mir zu dem, den ich haben will. Schlimm! Mit Gott läuft es ähnlich. Ich las dies und das, das war alles okay. Ich kannte den Namen von dem Dings noch nicht mal, den angeblich jeder kennt, ich nahm Texte einfach zur Kenntnis. Erst bei Gott konnte man erkennen, dass Wissen nicht ausreicht, um eigen und unverwechselbar zu sein. Und der Wunsch, intellektuell zu klingen, oftmals lediglich eine Studienzeit entlarvt, in der Professoren Fremdwort-Verklausulierte-Spreche als Bildung verkauften. Da wir, wir trafen ja erst am Sonntag auf einen Kirchenmann, auf der Erde so viele weltliche Diener finden können, nannte ich ihn also Gott. Dann bildete ich mir ein, Gott könnte einst Flaubert gewesen sein. Vermutlich liege ich wieder falsch. Das ist alles sehr sehr schlimm, die beiden können nämlich ordentlich wüten. Wie ich's mag. Trotzdem. Respekt verschafft es auch. Und ein bester Freund vom alten Flaubert schrieb über die Einweihung eines seiner Denkmale: 'Grauenhaftes Novemberwetter. Der Bürgermeister hält eine endlose Rede, für die ihn Flaubert am Jüngsten Tage zweifellos mit ordentlichen Prügeln bestrafen wird.' Yep, wilde Jungs. Die darf man sich nicht biegen, wie man will! Vielleicht beende ich also meine Rezis einfach doch nicht in größter Dankbarkeit gegenüber Genialitäten. Wie schrieb der eine in seiner FuBa-Kolumne, es klingt nach etwas "Helmpflichtigem", was immer der Schreiber eingeworfen hatte. Yep, der Mann ist ebenfalls genial. Bestimmt auch ein Wüterich! Wir wollen auch ihm für seine Genialität nicht dankbar sein. Wir erfreuen uns lediglich an ihr. Denn - das wäre möglich - mit Eliten könnte es sich ähnlich verhalten wie mit Kriegen. Sie werden erst ganz groß und mörderisch, wenn man unten ordentlich selbst mitmischt. Das sollte einem Angst machen - womöglich! A propos - gestern schaltete ich das TV ein, da antwortete eine Frau auf eine mir unbekannte Frage: Ja, sicher. Wenn irgendwo Männer sind, hat man Angst. Das ist richtig, vor allem, wenn man allein und im Dustern rumsteht. Letztens war hier eine Frau im Park, ein Mann passierte sie mehrfach. Ein Exibitionist, der allerdings auch handgreiflich wurde, als sie die Polizei rief. Damals in Oldenburg verfolgte uns ein Mann, anstatt uns umzudrehen und ihn zu attackieren, - ja, warum eigentlich nicht? - liefen wir davon. Er lief hinter uns her. Der Typ, der mich in der Stadt begrapscht hat. Und versuchte zu knutschen. Einfach so? Im Vorbeigehen. Der, der sich einen runterholen lassen wollte? Ich glaub für 5 DM. Im Gebüsch hinter der Bushaltestelle, gibt's das? Yep! Oder der, der mir ständig am Strand nachstellte. Bis ich mit seiner Frau gesprochen hab, was für viel Ärger sorgte. Schließlich war IHR Mann ein feiner Kerl. Klar. Ich irre mich sehr oft. Und führe die Liste hier einfach nicht weiter ... Stattdessen frage ich mich, wie es wohl ist, zur Hälfte der Menschheit zu gehören, vor der die andere Hälfte instinktiv Angst hat. Ich wette, Gott ist abends im Dunklen noch nie vor einer Frau weggelaufen, bloß weil sie ihm - eventuell rein zufällig - zu folgen schien. Und betrachte Kleine-Claus, der mit seiner Tante spielt. Poire schlägt ihm ins Gesicht vor Freude. Das darfst du aber nicht, sagt Kleine-Claus streng. Und kitzelt sie weiter. So gesehen, scheinen alle obigen Überlegungen lachhaft. Hast du manchmal Angst vor mir?, frage ich Gott. Der legt mit ernster Miene seine Zeitung beiseite. In der Tat, beginnt er. Ich wollte noch mal mit dir über das Wasser sprechen ... Du willst es nicht wieder abkochen!, frage ich resigniert. Und Gott erhebt einen Zeigefinger. Das bedeutet wohl: Obacht! Einspruch!


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Montag, 15. August 2016

Genau der


Ich bin jetzt bei FB auf einen Mann gestoßen, - kennst du den?, frage ich Gott. Der fährt mir erst einmal mit dem Zeigefinger unters Kinn und klappt die Kinnlade wieder hoch. Der sieht doch nicht gut aus, stellt Gott kühn fest. Schwer zu sagen, das Profilphoto gefällt mir indes. Und! Was er zur Entstehung des Fotos geschrieben hat, scheint ... schlichtweg genial! Bei so viel Begeisterung sollte man sicher umgehend eine Freundschaftsanfrage stellen. Ein kultivierter Mann, ich werde mich hüten. Gott hat mich auch lediglich rumgekriegt, indem er mich stets und stoisch ignoriert hat. Das war das einzig probate Mittel, nickt Gott. Und nur allzu gern hätte er es auch so beibehalten, doch dann kamen schlechte Zeiten, ich aß nicht mehr, ich schlief nicht mehr - Gott hatte ein Erbarmen. Das Dümmste, das mir je passiert ist, seufzt er. Er eilte mir zu Hilfe. Einer musste es tun, murrt er. Der Rest laberte ja nur Unsinn. Und war mit sich selbst beschäftigt. Tja, so kann's kommen. Ein gütiger Gott. Der mir seither stets hilfreich zur Seite steht. Und nun waren wir gestern in der City, tatsächlich. Ich wollte nämlich eine neue Zapfquelle ausprobieren, dann muss Gott Wasser schleppen, das passt ihm alles nicht. Sie muss hier irgendwo sein, sagte ich und stapfte weiter, von einer Quelle war nämlich nichts zu sehen. Ich stieß vor dem Dom auf einen sehr großen Mann, der sich in weiß-lila Gewänder gehüllt hatte. Ob der wohl unser Bischof ist? Begleiten Sie mich!, sagte er freundlich, als ich ihm mein Anliegen dargelegt hatte. Dann zeige ich Ihnen die Quelle. Und so fanden wir sie dann letztlich, so schaut sie aus! Viel aufregender natürlich war der kleine Bummel mit dem großen Mann im Kirchengewande. So angezogen, macht er einen wichtigen Eindruck. Dementsprechend wurde ich auch von allen City-Bummlern genau gemustert, es hätte ja sein könne, ich wäre ebenfalls wichtig! Irrtum!!!
Das Wasser läuft durch Moos, stellte Gott fest, der sich ein wenig mit unserem Kichenoberhaupt unterhielt. Ich zapfte einfach, Moos ist gut! Und das Wasser? Köstlich!!! 
Gott fürchtet sich immer noch ein wenig vor dem Quellwasser, das wir uns von überall holen. Ich koche es lieber ab, sagt er stets - der Draufgänger. Aber ich habe Poire und mich beim Doc checken lassen, wären irgendwelche Viren oder Bakterien, selbst Pestizid-Rückstände in unserem Organismus gespeichert, denn irgendwas hat man schließlich immer, das stört einen gesunden Körper nicht, wäre also etwas wirklich Schädliches im Körper, wäre es aufgefallen. Auch wenn wir demnächst mal wieder kränkeln, momentan ist alles schnupi!
Dann waren Gott und ich noch schnell bei McDo und haben ordentlich gefuttert. Poire und der Chief dürfen so ungesunde Kost selbstverständlich nicht zu sich nehmen. Wir eigentlich auch nur im Ausnahmezustand. Den kann man ja immer ausrufen, das ist eine Frage der Einschätzung der akuten Lage. Ich hatte Hunger und wollte so einen großen Iced Caramel-Sahne-Dings. Ich rief also den Ausnahmezustand aus, Gott willigte ein. Denn wir wollten auch noch zum Flohmarkt in diesem historischen Dorf. Und da war's schön! Gott hat ganz viele Bücher gekauft. Und ein paar DVDs ab 18 - noch eingeschweißt. Sauteuer sind die im Inni. Ich werd sie verscherbeln. 
Und dann musste ich heute Morgen direkt nach dem Training in die Bank, die haben mir nämlich geschrieben, sie würden keine Überweisungen mehr ausführen. Das ist ungünstig! Vor allem, wenn man sich um so viele Menschen kümmern muss, da kommt schon mal ein Stapel Rechnungen zusammen. Ich hake also mal nach. Die nette Dame am Schalter dann auch. Und dann noch jemand. Und noch jemand. Am Ende stellt sich heraus: Mein Sachbearbeiter ist im Urlaub. Beim Rest der Truppe scheint nicht klar, dass ich Befugnisse hab. Man entschuldigt sich. Gut so. Fall geklärt. Wir sind wieder liquide. Irgendwie. Und daheim warte ich immer noch auf meine Einstufung. Die Reisebranche liegt mir zwar definitiv, aber sich woanders umschauen, kann nicht schaden. Man reicht also einen Text ein, der bewertet wird. Und wenn man gut eingeteilt wird, verdient man auch gut. Relativ! Versteht sich. Schließlich geht's nur um Qualität. Nicht wahr!, sage ich zu Gott. Der winkt ab. Er glaubt vermutlich nicht mehr dran. Doch man muss überleben! Ich schaue ins Inni, öffne mal eine Seite und überfliege eine von zwei Rezis. Die ist mir viel zu lang für eine Rezi. Gibt mir viel zu viel Inhalt im Stakkato-Modus wieder, wieso überhaupt? Ich möchte so viel nicht lesen. Muss ich ja auch nicht. Der Rezensentin scheint, so kommt's mir vor, nicht mal gefallen zu haben, was sie gelesen hat, ich scrolle runter. Im letzten Absatz indes gibt sie sich schier begeistert. Ich habe die Rezi also nicht verstanden. Und geb's auf. Gib mir einen Apfel und eine Anweisung, sage ich stattdessen zu Gott. So hat er einst, in einem anderen Leben, Maupassant die Schreibe beigebracht. Nö, antwortet Gott. Keine Lust. Ich studiere also seine Aufzeichnungen von einst. "Genauigkeit in jedem Wort, das Schreiben ohne Klischees und Ungefähres, ohne Marotten, Erhabenheit, Akzent. Ein Schreiben ohne Programm, jenseits der Fanfarenstöße der Naturalisten und Realisten, jenseits von Tradition, Pathos oder Romantik." Gott hatte immer schon sehr konkrete Ansichten, ich grübel. "Wenn Sie bei einem Gemischtwarenhändler vorbeikommen, der vor seiner Türe sitzt, bei einem Hausmeister, der seine Pfeife raucht, bei einem Droschkenstand, dann führen Sie mir diesen Gemischtwarenhändler und diesen Hausmeister vor, ihre gesamte physische Erscheinung, die als gelungenes Bild auch ihr ganzes inneres Wesen enthält, so daß ich sie mit keinem anderen Gemischtwarenhändler und keinem anderen Hausmeister verwechsle, und lassen sie mich durch ein einziges Wort erkennen, worin sich ein Droschkengaul von den fünfzig anderen vor ihm und nach ihm unterscheidet." Gott war damals schon genial! Überragend! In nur einem Wort. Ich überlege. Schwierig. Nur ein Wort.


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Samstag, 13. August 2016

Small Foot


Ich bin jetzt auch schon Gruppen beigetreten. Das ist ganz simpel, man drückt auf 'Beitreten', schwupps ist man drin, kein geheimes Passwort, keine Ideologie-Kontrolle, nix. Das System selbst hab ich also noch nicht durchschaut, aber egal. Dabeisein! Andererseits scheint's ganz praktisch, ich hab auch die Foren noch nicht verstanden, aber ich hab das alles noch nicht verstanden, wieso Leute Beiträge von Leuten "liken", die sie gar nicht mögen. Oder sich mit Leuten befreunden, die sie verachten - insgeheim. Und der Dings, der hat jetzt beim Dings schon zum vierten Mal eine Freundschaftsanfrage gestellt, warum nimmst du die nie an?, fragt der Dings den Dings, der letztere druckst rum. Die Antwort liegt auf der Hand. Manchmal verschwindet da was, behauptet er, ich weiß auch gar nicht genau ... Der Dings sendet dem Dings daraufhin noch einmal eine Freundschaftsanfrage und sie nehmen die dann zusammen an. Ich gehe davon aus, dass der Dings nun gleich einen neuen geheimen Account erstellen wird. Unter anderem Namen. Tja. Ein andres Thema bewegt mich. Die gute Gesellschaft - mal wieder. Wir hatten sie verlassen, u. a. weil mich die Einschwörerei auf Elitarismus umgehend aggro stimmt. Gott ist übrigens eine Elite - ganz für sich, er sagt mir auch nicht stets, wie gut ich's hab, dass er die albernen Texte, die ich verfasse, überarbeitet, im Garten mit mir werkelt, in der Küche kocht usw. Er sagt nicht ständig zu mir, ich bin der Beste! Sei froh und genieß es! Nein. Er tut's einfach, und wenn ich ihn von meinem niederen Rang aus mit großen Augen staunend bewundere, dann zeigt er mir einen Vogel. Ist das nicht wunderbar! Allerdings muss ich sagen, vielleicht reagiere ich ja auch nur allergisch auf Fragen, Fragen sind so eine Sache. Bei Fragen mach ich die Schotten dicht. Umgehend. Das war immer schon so, bereits als kleines Mädchen auf der Straße mochte ich es nicht, wenn ältere Onkels sich zu mir beugten und fragten: Wie heißt du denn? Kleine Dame! Auf derart indiskrete Neugier brüllte ich sofort los. Marine auch, Delphi war höflicher - von Anfang an, immer sehr scheu. Schauen wir mal, wie Poire sich entwickelt. Sie belegt mit mir gemeinsam Gottes Diplomatie-Kurs, das ist ein sinnvoller Einstieg ins soziale Miteinander. Ich mache hingegen nur wenige Fortschritte. Aber wir sind auf dem Weg, behauptet Gott stets, ich hoffe, er hat Recht. Er bewertet die Feststellung ja nicht - auf dem Weg sein, kann alles bedeuten. Okay, weil der Chief immer eigensinniger wird, obwohl er momentan wieder etwas besser läuft, überlege ich, ob wir ihn im Winter nicht hier lassen sollten. Keine Reise-Strapazen, keine Katastrophen in der Unterkunft, und wenn man etwas unternehmen will, wäre er nicht allein. Delphi hat aber keine Zeit, das ist zu Weihnachten!, sagt sie. Weiß ich auch. Also hab ich im Hort angerufen, ob sie ihn eventuell mal für ein paar Stunden nehmen würden, damit wir sehen, wie's ihm gefällt. Und da sie ihn nehmen, fahren Gott und ich gleich los und geben ihn ab. Das ist schlimmer als Kindergarten! Der Chief steht da und schaut mich böse an. Einfach gehen, sagt die erfahrene Dame vom Hort. Ich gehe einfach, mir bricht das Herz, ich gehe und schau noch einmal zurück. Der Chief zieht eine Schnute, die besagt: WIE kannst DU mir DAS antun! Wir nehmen ihn wieder mit, sage ich zu Gott. Der schüttelt den Kopf und schiebt mich zum Ausgang. In zwei Stunden holen wir ihn wieder ab, bestimmt er. So ist der Plan, so machen wir das. Und was machen wir jetzt, frage ich also Gott im Auto und schniefe ins Taschentuch, so ein Abschied kann ganz schön beklemmend sein. Café, sagt Gott und fährt uns hin. Und während Gott die Zeitung studiert, schaue ich mich um. Und da sitzt er dann auf der Terrasse, direkt neben uns. Er ist dem 'Paten' entstiegen, vielleicht ein geheimer großer Banda-Chef bei den 'Sopranos'. Im karierten Hemd sitzt er da und füttert die Spatzen mit zerbröselten Keksen. Die kommen hier gar nicht um die Ecke, du musst da vorne füttern, erklärt ihm sein Kompagnon. Da lacht unser Mann nur, denn die Spatzen - die machen, was er will! Und wenn er sie hier füttern will, hat er bald eine ganze Schar um sich gesammelt. In der Tat! Sie nennen ihn Small Foot, raune ich Gott zu, denn der Typ hat ganz kleine Füße. Zumindest für einen Mann. Er trägt ein Hörgerät, eine dicke Brille, außerordentlich tiefe Sorgenfalten auf Stirn und um die Mundwinkel und eine dicke Narbe über der Schläfe. Er zerbröselt Kekse für Spatzen! Spreizt die Hände, streckt seine Finger, mustert seine Hände durch die dicken Brillengläser, drückt sein Rückgrat durch. Im Alter wird man ganz schön steif, stellt er fest. Dann hievt er sich empor, ich werd jetzt zuhause noch mal durchsaugen, lässt er seinen Kumpel wissen. Die Hundehaare kriegt man nie ganz raus, die sind ja überall. Gott nickt nachdenklich. Die Spatzen hocken zu Small Foots Füßen und picken eifrig Kekskrümel. Small Foot - ein Gentleman der alten Schule - bietet sein Sitzkissen einer Frau vom Tisch gegenüber an. Dann geht er, ohne weitere Verabschiedung - steif und breitbeinig zieht er davon. Heute Abend bringt er sicherlich wieder einen um die Ecke, denke ich fasziniert. Die Polizei wird sich die Leiche anschauen, das Procedere sieht ganz nach Small Foot aus, wird eine jüngere Ermittlerin sagen, die die alten Akten studiert hat. Ein Hauptkommissar wird den Kopf schütteln. Small Foot ist längst aus dem Geschäft, wird er sagen. Der sitzt den ganzen Tag im Café und füttert die Spatzen, saugt in seiner Bude die Hundehaare von seinem Mischlingsköter vom Parkett. Kann die Gelenke kaum noch bewegen. Arthrose. Endstadium, versteifte Gelenke. Der nietet keinen mehr um. Aber wie die junge Polizistin traue auch ich Small Foot immer noch alles zu. Können wir jetzt den Chief wieder abholen?, frage ich Gott, der nickt. Und im Hort? Stupst mich der Chief einmal kurz zur Begrüßung an. Er hat keine Zeit, er hat sich mit drei älteren Damen befreundet. Die agile Senioren-Runde rast über den Vorhof. Er fühlt sich ganz wohl, sagt die Frau vom Hort. Das sehe ich. Wir werden das also überlegen. Was für alle am günstigsten ist. Und den alten Herrn noch ein paar Mal zu seinen Freundinnen chauffieren. Was meinst du?, frage ich Gott, was steht bei Small Foot heute noch auf der Agenda? Es wird besser sein, wenn wir es nicht wissen, sagt Gott weise. Ich seufze.



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Freitag, 12. August 2016

Out there



Wenn man sich draußen ernsthaft umschaut,
merkt man aber fix ...


Da hau ich mich lieber in aller Ruhe aufs Kanapee
und denk mal drüber nach.


 Kommst du?, rufe ich Gott.
Der treibt sich da draußen aber anscheinend noch rum -
hoffentlich passiert ihm nichts!


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Mittwoch, 10. August 2016

Voyage


“A person often meets his destiny on the road he took 
to avoid it.” 
Jean de La Fontaine


Inès.



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Wie lieb ...


Ständig muss ich neuerdings aufpassen, dass ich mich nicht ununterbrochen wiederhole. Texte für Suchmaschinen verfassen, prägt den Charakter. Und die Suchbegriffe im schriftlichen Verkehr bitte immer fett drucken. Die Sache läuft, Gott geht nur kurz über meine Texte drüber, je schneller ich schreibe, desto besser. Nicht unbedingt, sagt Gott und reicht mir meine Texte zurück. Die Zwischenüberschrift 'Verwöhnen Sie sich selbst - bei einem Bummel über die Sündige Meile' hat er unterkringelt. Und auch am Text zum günstigen privaten Zimmer in Dings, das muss in exakt der Kombi mindestens 10x im Text auftauchen, mäkelt er. Übergang!, hat er an den Rand geschrieben. Wieso? Wer sich für ein günstiges privates Zimmer in Dings entscheidet, bucht zuweilen tatsächlich nur ein Schlafzimmer, kann dann aber das WC mit dem Vermieter teilen. Ein direkter Kontakt zu den temperamentvollen Italienern hat viele Vorzüge ... usw. Ich ändere den Übergang. Fast gebe ich zu, es gibt geistreichere Beschäftigungen, aber wir reisen nun ständig. Manchmal an 5 Orte, an einem Tag. Und Rom mit luxuriösem Whirlpool war schon klasse! Oder nicht?, frage ich Gott, warte aber gar nicht seine Antwort ab, denn draußen bahnt sich mal wieder ein Streit an. Du hast verloren, ich bin IMMER der ERSTE!, brüllt unser neuer Hausfreund Kleine-Claus an. Wie wir wissen, lässt der sich allerdings rein gar nichts sagen, schon mal gar nicht von Älteren. ICH war der ERSTE!, brüllt er zurück, ich greife in die hitzige Debatte ein. Bei uns ist immer der ERSTE, der zuerst im Ziel ankommt, verkünde ich. Beide Herren scheinen der Meinung, das sei ihnen gelungen. Bevor der Streit eskaliert, lenke ich von der Auseinandersetzung ab. Sind dir die Äpfel gestern bekommen?, frage ich den kleinen Satansbraten. Sehr gut, behauptet der, verzieht indes bedenklich das Gesicht. Gestern ließ er mich nämlich wissen, ich sollte mich mal dringend um meine Äpfel kümmern. Damit meinte er das kleine Fallobst, Miniäpfel, die noch längst nicht reif sind. Die kann man noch nicht essen, sagte ich. Oh doch, behauptete er. Da können Sie viel Geld sparen, wenn Sie nicht im Supermarkt einkaufen gehen. Probier, bot ich ihm einen Apfel an, und er biss tatsächlich rein. Aß gleich noch zwei, ich hatte schon Bedenken, dass ich am Abend Ärger mit seiner Mutter bekommen würde, und auch Kleine-Claus warf mir einen argwöhnischen Blick zu. Ich muss sehr aufpassen, momentan stehen wir in einem steten Duell. Wenn ich Kleine-Claus etwas verbiete, hab ich ihn nicht lieb. Wenn ich etwas besser weiß, oder aufräumen anordne, hab ich ihn nicht lieb. Und wenn ich seinen neuen Besserwisser-Freund vergraule, hab ich das Kräftemessen endgültig verloren. Gestern hab ich die beiden erwischt, wie sie den alten Bauwagen abfackeln wollten. Ich kommandierte beide nach Hause. Jungs sind Jungs, sagte Gott. Du musst schimpfen, sagte ich ärgerlich. Gott schimpfte, und wenn Gott schimpft ... Zweifelt selbst Kleine-Claus nicht an der Gerechtigkeit der Sache. So viel zur Gender-Debatte. Wollt ihr etwas Sinnvolles tun?, frage ich die beiden nun. Kleine-Claus legt herausfordernd seinen Kopf in den Nacken, der freche Besserwisser ist naiver? WAS?, ruft er interessiert. Ihr sammelt all die kleinen Äpfel auf und sammelt sie in einem Korb, schlage ich vor. Kleine-Claus zieht skeptisch die Augenbrauen hoch, das würde er, jetzt, da er groß ist, niemals tun. Der Besserwisser aber kennt noch keine Garten-Fronarbeit und von Äpfeln hat er eh keine Ahnung. AU JA!, ruft er begeistert, er hat zwei Brüder und ist wohl zuhause auch immer der LAUTESTE. Dann mach ich euch gleich auch eine .... PIZZA????, brüllt er. Mit großen, viel versprechenden Augen nicke ich und hole einen Fallobst-Korb. Und ein Eis, sage ich. SUPA!, lautet die gebrüllte Antwort. Deine Oma ist KLASSE!, brüllt er, ich hoffe, das haben die Nachbarn auch gehört. Kleine-Claus betrachtet indes grimmig seinen Freund. Er wirft mir einen Blick zu, ich zucke die Achseln und mit einer aufmunternden Geste lade ich ihn ein, sich ebenfalls nützlich zu machen. Kleine-Claus mustert mich, er weiß, die Runde ging an mich. Ich werde seinem vorlauten Besserwisser-Freund nicht die Leviten lesen. Bald sind die Ferien vorbei, ich hab dich lieb, raune ich ihm ins Ohr. Pfff, antwortet der. JETZT hilf doch mal, ich hab schon fast ALLE aufgelesen, brüllt der neue Freund. Ein eifriger Arbeiter. Ich schlender zurück zu Gott. Sag mal, frag ich ihn, wie lieb hast du mich eigentlich? Gott schaut auf. Ja, wie sehr liebst du mich?, präzisiere ich. Wie sehr?, wiederholt Gott, als wäre das eine noch niemals gestellte Frage. Ich mach Pizza.



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Schlachtehappen: Lewis - Der Oxford Krimi. Staffel 7.


Knifflige, um viele Ecken gedachte Mordfälle im Milieu der Akademiker lösen Inspector Robert Lewis und sein Sergeant James Hathaway auch in der nun vorliegenden siebten Staffel von “Lewis - Der Oxford Krimi”. Das Spin-Off der legendären Inspector-Morse-Reihe, das seit 2009 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wird, begeistert seine Fans mit vermeintlich feingeistigem Humor und kultivierter Spannung vor der stilgerecht majestätischen Kulisse Oxfords. Die 7. Staffel bietet lediglich drei Lewis- sowie als Bonus eine Inspector-Morse-Folge, die - wie gewohnt - ohne Synchronisation auskommt und lediglich im englischen Original mit deutschen Untertiteln abgespielt werden kann.
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Dienstag, 9. August 2016

Feinheiten


"Ferienwohnung mit Haustieren"
ist natürlich der Suchbegriff in Suchmaschinen.
Schon klar!
Aber wer sucht denn das wirklich?


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Sonntag, 7. August 2016

Apartment



Wie es sich für einen sonntägliche Ausflug älterer Herrschaften gehört, fahren Gott, der Chief, Poire und ich ins Kurbad, um um die Salinen zu flanieren. Höchst gesund und erfrischend. Nebenbei erzähle ich Gott meinen Traum von letzte Nacht. Also - das war nämlich so: Ich habe an einem Spiel teilgenommen, da musste man Fragen beantworten, durch die richtige Beantwortung der Fragen bekam man Zugangscodes, um in die Wohnungen fremder Menschen zu gelangen. Dort warteten wieder Fragen, die man rasch beantworten musste, bevor man in der Wohnung entdeckte wurde usw. Ganz genau hab ich die Spielregeln gar nicht begriffen. Auf alle Fälle hatte ich also schon einige Fragen beantwortet und? Bekam den Zugangscode zum Apartment meines Lieblingsradiomoderators. WOW! Wer hätte gedacht, dass der bei dem Spiel auch mitspielte. Und der lebt übrigens mit seinem Kumpel, - wer hätte das gedacht - mit dem er immer gemeinsam moderiert, in einem riesigen Traum-Flat! Dass die beiden sich diesen Luxus leisten können! Ich vergaß völlig die Fragen und staunte! Lief mit offenem Mund durch eine ganze riesige Etage in einer ehemaligen Fabrik, es gab keine Wände, dafür überall Dschungelpflanzen, an denen Affen rauf- und runterkletterten. Yep! Und dann gibt es Zonen, durch die weht Sahara-Sand! Manchmal glaubt man, im Sandsturm eine Oase zu erkennen. Irre! Das Beste aber ist - es gibt ein mindestens 20 Meter langes, riesiges Meeres-Aquarium, das unten irgendwie offen ist. Davor ist ein Sandstrand und kleine Meereswellen züngeln über den Strand. Traumhaft! Wie in der Karibik. Ich überlege, jetzt wo FB wieder funktioniert, frage ich Gott, meinst du, ich könnte mich mit meinem Lieblingsradiomoderator befreunden? Wenn er den Unsinn akzeptiert, meint Gott. Hmm, dann könnte ich ihn ja vielleicht mal besuchen - in diesem irren Traum-Apartment. Hammer! Aber vorher müsstet ihr euch mailen, sagt Gott. Du müsstest chatten. Ach, ich seufze - die Technik. Ich mag's viel lieber handgemacht! Gott schreibt mir morgens immer kleine Zettel, nein, keine Liebesbotschaften - er verbleibt eher praktisch informativ. Wenn er z. B. morgens mit dem Rad schon beim Bäcker war. Und - ähm, ich denke, mit dem Hund eine Runde gedreht hat. So deute ich zumindest seine Notizen: 





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Samstag, 6. August 2016

FB


Als der Typ sagte, aktivier mal dein FB, geriet ich sogleich ins Grübeln. Was ist wohl FB, fragte ich Gott, auch der legte seine Stirn in nachdenkliche Falten. Fragebogen? Irgendwann kam uns selbstverständlich die Antwort - die liegt ja auf der Hand. Ich geb mal meinen Namen in eine Suchmaschine ein, meine persönliche FB-Seite hatte ich schließlich so angelegt, dass mich quasi niemand finden kann. Es sei denn, er erinnert sich an meine Geburtsnamen - ich liebe: Inkognito! Kenne aber meine Namen. Und zack - lande ich auf meiner Seite. Jürgen Kohler lacht mich an, ich lache zurück. Und Truman Capote inspiriert mich. Kurz reagiere ich überrascht. Was man für Spuren hinterlassen kann. Ich hab auch schon eine Freundin gefunden - prima! Nur nach dem ersten Chat stört mich das Chatfenster, das ist überall - kann man das auch mal ausblenden? Chatfenster schließen funktioniert nicht. Und jetzt muss ich noch üben, etwas posten, nur um zu wissen, wie's geht! Schließlich muss sich auch eine alte Dame wie ich in den social medias mal zurechtfinden. Was soll ich bloß posten? Egal, es wird kaum jemand zur Kenntnis nehmen. Dann muss ich etwas teilen, was bloß? Und wozu? Egal, ich drücke gleich einfach mal auf ... Kommst du mal?, rufe ich Gott. Kannst du das? Du willst doch jetzt nicht auch noch FBlern, sagt er grimmig. Ich schüttle ärgerlich den Kopf - wir bleiben lieber hier, auf unserer NT-Spielwiese, ganz inkognito. Aber - kapieren wie's geht, wär auch nicht schlecht. Soll ich hier mal draufdrücken?, frage ich zögerlich. Gott und ich tauschen bedenklich Blicke. Andererseits - was soll passieren. Ich drücke - und? Lösch das bloß wieder, sagt Gott. Unbedingt! Wie?



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