Donnerstag, 11. Mai 2017

Sinn


Gott und ich haben uns schrecklich gestritten. Warum? Wegen eines Plissee-Rollos! An diesem Tag war ich nämlich der festen Überzeugung, dass wir es unbedingt - und zwar Jetzt, und SOFORT - aufhängen sollten. Gott sah das anders, hatte aber - wie so oft - ein Einsehen mit hysterischer Gedankenkonsturktion. Dementsprechend schritten wir zur Tat. Gott packte das Teil aus und studierte die Anleitung. Ich verstehe das System, sagte er dann nachdenklich. Und ich wusste direkt: Gleich gibt’s wieder Streit. Mabel musterte uns und legte sich schützend neben Poires Wagen. Ich verstehe das System, sagte Gott dann erneut, doch … Sag nicht, Du kannst das Rollo nicht anbringen, fiel ich ihm unwirsch ins Wort. Jeder hat diese Dinger inzwischen am Fenster - wirklich jeder. Daher wollte ich eigentlich auch keins, aber es ist nun mal praktisch konstruiert, von oben fällt die Abendsonne in den Raum, in der Mitte ist Passanten der Blick verschlossen. Und unten können die Höllenhunde Mabel und Walker liegen und hinausschauen, so dass jeder, der etwas Böses im Sinn hat, umgehend davon Abstand nimmt. Hunde im Haus! Dann müsste ich hier bohren, sagte Gott und zeigt auf eine Stelle direkt am Glasrand. Das kriegst Du nie hin, stellte ich fest. Gott zürnte. Der Rahmen ist zu schmal, räumte er dann allerdings ein. Um dann erneut zu wiederholen: Ich verstehe das … usw. Problemorientiertes Arbeiten liegt mir nicht. Ich nahm ihm das Teil weg, ergriff die Initiative und zog zwei Bindfäden durch zwei Löcher, knotete die um die Stange vom alten Rollo und? Fertig. Es hängt schief, stellt Gott fest. Wir justierten nach. Jetzt kann man es nicht verschieben, murrte Gott. Will ja auch niemand, wie sind die einzigen mit neuem, chicen Plissee-Rollo, das man nicht bewegen kann. Was soll's. Indes: Von oben fällt die Abendsonne in den Raum, in der Mitte usw. Problem gelöst! Leider gab es das geniale Plissee-Rollo nicht in Rot, wie ich es wollte. Sondern in der Türgröße lediglich in elegantem Beige. Wieso?, fragte ich den Verkäufer, dem das ebenfalls schleierhaft schien. Es gibt unterschiedliche Größen in unterschiedlichen Farben, erklärte er. Das hatte ich nach Sondierung des Sortiments bereits bemerkt. Aber Rollos für Türen werden wohl ausschließlich in Uni-Beige hergestellt. Basta. Und sei’s drum. Dann musst Du eben die Tür Rot streichen, sagte ich nachdenklich beim Betrachten meines Werkes zu Gott. Die Tür braucht eh einen Anstrich. Das wird hübsch aussehen. Gott bestätigte das. Doch ich fürchte, bis Gott mit dem Anstreichprojekt beginnt, wird es wieder Monate dauern. In ihm steckt einfach kein Heimhandwerker. Er hat mal etwas Nützliches gelernt. Und ist ein Gott geworden. Dann reinigen wir wenigstens noch den Eingang, befahl ich und holte den Hochdruckreiniger aus der Garage. Es ist nämlich so, um ein Leben zu beenden, um aus all dem Erlebten, eine runde Sache zu machen, sollten die Hinterbliebenen für die Verstorbenen eine Anzeige schalten. Man nennt das? Ritus. Dementsprechend hab ich das getan, und die Anzeige erscheint demnächst. Ich habe sie selbst entworfen. Dazu eine chinesisch-japanische Kalligraphie ausgesucht, die niemand verstehen wird. Die aber die Idee des vorangestellten Spruches aufnimmt. Doch, doch, die Sache ist gut durchdacht. Ich habe sogar soweit gedacht, dass ich die Nachbarn bereits am Frühstückstisch vor ihren Zeitungen sitzen sehe. Sie werden die Kalligraphie sehen und überlegen, ob es ein einfacher Engel, oder ein entlaubter Baum im Sturm nicht auch getan hätte. Das Zeichen versteht doch keiner, werden sie sagen. Wer weiß. Womöglich. Wie auch immer. Mit so einer Anzeige rundet man das Leben also endgültig ab. Der Bestatter war sehr zufrieden mit meiner Vorarbeit und zeigte mir eine andere Anzeige. Dort stand so ungefähr, dass die Familie von einem geliebten Mann usw. Abschied genommen hat, der zu Lebzeiten von allen unverstanden war. Der arme Kerl. Und dass man darum bittet, von jeglicher Beileidsbekundung Abstand zu nehmen, da diese eh nur geheuchelt sein könnten. Tja. Der Bestatter hatte gute Laune. Und - bei so viel Ehrlichkeit der Hinterbliebenen - ich plötzlich auch. Eine runde Sache also - so eine Anzeige. Und dann kommen gleich wieder die Menschen um die Kurve, die sie falsch interpretieren und direkt vor der Tür stehen und fragen, ob sie dies kaufen können. Oder das. Oder das nicht einfach haben können, braucht doch anscheinend eh niemand usw. Das hatte ich alles schon, und daher haben wir nun ein herrliches Plissee-Rollo in Beige aufgehängt, das signalisiert: Hier tut sich was!!! Dazu der gereinigte Eingang. Da mag man sich fragen? Ist das längst verkauft? Wieso sieht hier alles so anders aus? Was ist da mal wieder los? Ich ruf gleich mal die Dings an, die weiß ja immer alles etc. Die Reinigung war allerdings in der Tat dringend nötig, denn im letzten Herbst ist dort auf den Stufen bereits jemand auf dem Moos gestürzt. Warum? Was wollte der da? Durch das alte kaputte Rollo ins Haus schauen? Also. Ich hakte nach, wieso waren Sie denn auf dem Grundstück? Und mit dieser Frage fand die Unterhaltung direkt ihr abruptes Ende. Keine weiteren Forderungen nach Schadensersatz. Schmerzensgeld. Unangenehme Begegnungen. A propos. Gestern traf ich den Dings, und mit dem wollte ich ebenfalls nicht sprechen. Auch er war bei der Trauerfeier. Wir haben Sie beim Kaffee vermisst, sagte er anstelle einer Begrüßung. Ich nickte, ich wäre wirklich gern … Er lachte, Sie sind wie meine Frau, sagte er dann. War seine Frau etwa auch eine verschreckte Aggro-Maus? Sie ist auch gern weggelaufen, wenn es brenzlig wurde, sagte er. Ich nickte. Ich vermisse sie, seufzte er und schien tatsächlich den Tränen nahe. Ob Gott mich auch eines Tages so vermissen wird? Ich bin mir nicht sicher. Aber in der Tat - hinter der Fassade trauern auch andere Menschen. Und machen Sie sich keine Sorgen, sagte er noch, es war dennoch eine schöne Feier. Und niemand hat über Sie gesprochen. Ich fürchte, die letzte Bemerkung fiel aus Höflichkeit. Aber man weiß nie, die Menschen tratschen gern. Haben allerdings für mehr Dinge Verständnis, als man oft glauben mag. Als Gott und ich nach all der Streiterei und der vielen Arbeit daheim ankamen, stiefelte Chief Walks durch den Garten. Was ist los?, fragte ich Robin. Walker schien seit Tagen wie gelähmt. Er konnte die linke Hüfte nicht mehr bewegen und nur noch mit einer Stütze laufen. Gott und ich stritten die ganze Zeit, ob wir ihn quälten. Der Walks beobachtete unseren Streit mit wachem Blick. Dann schmiegte er sein Köpfchen an seine Flamme Mabel, die sich schützend neben ihn gelegt hatte. Schau ihn dir doch an, rief ich hysterisch. Ist das ein Hund, der umgebracht werden will? Gott starrte ratlos in eine imaginäre Weite. Robin, der im Rollstuhl sitzt, räusperte sich. Ich wünschte, sagte er dann, ich könnte mich auch noch mal so erheben. Wir alle schwiegen. Und beobachteten den Walks, der umhertapperte und gerade seinen Vorgarten erkundet. So weit von seiner Couch war er schon seit Tagen nicht mehr. Er bewegte sich gemächlich. Folgte seiner Flamme Mabs. Ich nickte zufrieden. Und bereitete ein Weißbrot mit Braunschweiger. Ohne böses Gluten isst der Walks seit gestern auch keine Wurst mehr. Wer weiß, warum. Und wie viele Tage er noch hat. Und was ein beiges Plissee-Rollo für ein Zeichen setzen kann. Manche Dinge ergeben einfach keinen Sinn. Und müssen das ja auch nicht.     


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Montag, 8. Mai 2017

Haltung



Bei der letzten Beisetzung bin ich weggelaufen. Ich hab mir Poire geschnappt, Mabel, die andächtig zwischen Gott und mir saß, ordentlich an der Leine hinter mir hergezogen. Und weg waren wir. Quer durch die Mitte. Haben die ... - wie nennt man sie - hat die Trauergemeinde wenigstens was zum Tratschen. Wie stets bestätigt sich, dass ohne Gott nix läuft. Kaum hatte er die Situation efasst, switchte er umgehend seine Miene von andächtig trauernd auf besorgt, souverän trauernd um. Und kümmerte sich um alle weiteren Formalitäten. Die da waren? Zuhören, nicken und Menschen die Hände schütteln, die man zuvor noch nie gesehen hatte. Ich habe das genau beobachtet. Ich war in den Wald auf meinen Hügel gelaufen, und so konnten wir das Procedere aus der Ferne beobachten. Mabel legt viel Wert auf Haltung und warf mir verständige, aber vorwurfsvolle Blicke zu. Ich entschuldigte mich bei ihr. Man läuft nicht heulend in den Wald, schon klar. Du konntest nicht mal spazieren, erinnerte ich sie. Als du zu uns gekommen bist. Mabel stimmte zu. Manchmal ist die Sachlage längst nicht so kompliziert, wie man denkt. Irgendwann kam Gott den Hügel heraufgeschnauft. Musst du immer hier hochrennen?, fragte er außer Atem. Wir müssen unbedingt etwas für unsere Kondition tun, antwortete ich. Gut, dass Gottes Antrag auf Unsterblichkeit durchgekommen ist! Wenn Du mich jetzt auch noch verlassen würdest, überlegte ich. Wer sollte dann bloß auf mich aufpassen! Langsam weiß ich das auch nicht mehr, seufzte Gott und hockte sich neben uns. Poire breitete ihre Arme aus, und Gott nahm sie. Was haben sie gesagt?, fragte ich. Bestimmt höflich freundliche Bosheiten. Nein. Gar nicht, beruhigte mich Gott. Der Dings hat sogar erzählt, er war mal auf einer Beerdigung, da mussten alle Schnaps trinken. Ich luaschte interessiert. Am Ende haben sie eine Pulle Schnaps ins offene Grab gekippt, fuhr Gott fort. Ich wiegte leicht den Kopf. Wer weiß, woran der arme Kerl im Grab gestorben ist. Wir wissen es nicht. Ausnahmesituationen, sagte Gott und zuckte die Achseln. Du warst tapfer, lobte er mich dann. Ich nickte. Ziemlich genau 19 Minuten Tapferkeit. Dann schnell auf einen Hügel geflüchtet, was soll's. Die Verstorbenen kennen mich. Gott inzwischen ebenfalls. Und wie er die Lage gemanagt hat, war Weltmeisterklasse. Er sollte in unseren Filmprojekten die Hauptrolle übernehmen. Wie läuft's mit unserem Touquet-Streifen?, fragte ich. Oh, antwortete Gott. Grandios, sagte er und rieb sich die Hände. Denn das Leben geht immer weiter. Man trägt es mit Haltung und Freude. Solange man kann. Seit wir wissen, dass der nächste französische Präsident - wie schreiben die Blätter? - sein Nest mit seiner Frau in unserem Lieblingsort gebaut hat, schreibt Gott das Skript rasch um. Die politische Komponente hatte er bislang nicht berücksichtigt. Intrigen, Ränke, Triumphe und gescheiterte Existenzen. Wir lassen das alles in unsere Weihnachts-Drama-Komödie hineinspielen. Prima. Und ich habe das gesamte Projekt erweitert. Es wird eine Trilogie. Eine Seebad-Trilogie. Eine leichte heiter-tragische Touquet-Polit-Gesellschafts-Satire. Eine melancholische Elegie in Stella-Plage. Und eine absurde Studie über Erotik und Hochstapler im dokumentarischen Kunstfilm-Stil. Die wird dann in Deauville spielen. Alles sehr mondän dort. Chicer als in LT, indes ... Ebenso absurder womöglich. Ich erinner mich an den Typen, der mir mal erzählte, er habe dort früher von dem Filmfestival berichtet. Interessant! Und an den Philosophen, der mich mal heiraten wollte. Und - meinst Du, fragte ich Gott, der Scooby Walks kann wieder durch die Gegend rasen, wie er es früher getan hat. Wenn auch er abgetreten ist? Gott, der Zweifler nickte. Selbstverständlich, behauptete er. Wie die Gestorbenen keinen Schmerz mehr empfinden. Die, die mit aller Kraft und Würde abgetreten sind. Beim Übergang in die Ewigkeit hapert's allerdings noch, seufzte er. Da hat sich womöglich einer der Götter einen schrecklichen Spaß erlaubt. Zu viel Schmerz und Leid. Und die Menschen glauben, sie müssten all dem mit Haltung begegnen. Ich seufzte. Wir waren allein im Wald, spazierten noch ein wenig durch die Gegend. Fuhren bald nach Hause, ich briet dem ChieWa einen Cheeseburger. Denn die letzten Tage darf man sündigen! Und genießen. Und überhaupt - was ist Haltung ...


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Sonntag, 16. April 2017

Glück


Mir geht's nicht gut. Gott liegt neben mir auf dem Sofa. Da er Kultur für ein Heilmittel hält, zeigt er mir einen Film. Er hat tatsächlich einen Film ... gemacht. Allerdings - kein Projekt, das ich ihm ans Herz gelegt hab. War ja klar. Was ist mit unserem Touquet-Streifen?, frage ich nachdenklich. Daran feile ich noch, sagt Gott. Die Melancholie hinter dem Humor muss ich noch ..., ich nicke. Das Stella-Plage-Projekt? Die Studie über Tristesse, seufzt Gott. Die hat er also auch noch nicht ganz im Griff. Die ist allerdings auch besonders kompliziert. Eine Herzensangelegenheit. Ich konzentrier mich auf den Film. Du siehst gut aus, stelle ich zufrieden fest. Gott scheint diesbezüglich ebenso zufrieden. Das Licht scheint mir allerdings nicht ganz ideal. Hättest Du Dich nicht weiter nach rechts ...?, frage ich nachdenklich. Wir haben's probiert, sagt Gott. Doch da fiel so ein dunkler Schatten, und ... Ich verstehe. Du siehst aus, als wolltest du später noch zum Grill-Abend, sage ich dann. Gott wirft mir so einen Blick zu, es geht hier um die Sache, sagt er. Das verstehe ich. Ich lausche dementsprechend andächtig. Trotzdem. Frauen beherrschen die Multitaskerei, und ich bin mir sicher, die eine oder andere wird sich denken: Dieser chice, weise Mann in diesem Farb-Gefüge wird sicherlich noch später am Abend. ... Frauen machen sich ständig solche Gedanken. Zumindest ich. Und schweige lieber. Eine Weile. Wer sind all die anderen Menschen?, frage ich dann interessiert. Gott winkt ab. Er wird mich niemals zu einem Event mitnehmen und stets heimlich hinter meinem Rücken agieren. Im Sinne - der Sache! Ich schweige also besser weiter. Und konzentriere mich auf den Sachverhalt. Auch wenn es mir nicht gut geht. Und alles den Bach runter ... Und alle verschwinden, mich verlassen ... Und der Walks schwächelt. Und man niemals weiß, was richtig ist. Fehler sind dagegen leicht analysiert, klar. Rufst Du mal beim Doc an und fragst, ob wir gleich noch kommen können?, frage ich nach dem Film. Es ist Ostern, erinnert Gott. Ich zucke die Achseln. Hochsaison beim Doc. Frühling. Alle wollen entgiften! Meist herrscht unter den Entgiftenden schlechte Stimmung. Sie erwarten das Resultat vor aller Mühe. Das ist wie beim Sterben. Sterben kommt immer viel zu früh und unerwartet. Oder. Nach langem qualvollem Leid. Die wenigsten sterben frohgemut und schlafen ein. Beim Walks warten wir jetzt seit Monaten. Lass ihn nicht leiden, sagt Gott. Dann beiß ich mir auf die Lippe. Wenn Gott eines Tages 97 Jahre und verliebt ist und futtert wie ein Scheunendrescher. Und wenn er dann mal über Schmerzen klagt? Werde ich ihn flugs am WE in irgendein Hinterdreckstaldorf zum Notarzt fahren. Damit man ihm eine Todesspritze setzt? Gott wiegt dann den Kopf. Entscheidungen. Fragen. Ich kenne die Antwort nicht. An so vielen Tagen geht es ihm so gut. Mit seiner Lady. Und wir hätten uns längst auf die Schulter geklopft, wie viel Leid wir ihm erspart hätten. Wir hätten ja nicht mehr erlebt, wie viel Spaß er noch hat. Das Leben kostet zu viel Kraft, wenn man drüber nachdenkt. Gott hat in der Zwischenzeit tatsächlich den Doc angerufen. In einer Stunde hast Du Termin, sagt er durch die Tür. Ich nicke zufrieden. Auf meine Männer kann ich mich verlassen. Fährst du mich?, frage ich. Gott nickt. Seit ich ebenfalls schwächel und letztens wieder gestürzt bin, sorgt er sich. Sicher, Sorge ist keine prima Grundlage für eine Beziehung. Andererseits. Gott fährt uns, sage ich also zu Poire. Kommst Du auch mit mir? Ach, antwortet Poire. Und ich bin glücklich. Denn die Kleine ist so klug. Ach, heißt: Natürlich. Aber nur mit Teddy, der immer mit muss. Teddy heißt Ocho, da ich denke, dass man in jungen Jahren bereits Fremdsprachen lernen sollte. Und die spanische 8 gefällt mir besonders gut. O und O. Exakt so sieht Teddy aus. Ein großer Kopf. Darunter ein großer Körper. Eine 8. Ein Ocho. Und ohne Acht verlassen wir nicht mehr das Haus. Kommt Mabel auch mit?, frage ich. Natürlich, ruft Gott aus dem Flur. Der unser Zauselchen besonders ins Herz geschlossen hat. Wie der Walks. Und ich. Und Poire und Robin. Da sie einfach nur lieb ist. Eine kleine Shadow. Ein Hund - wie ich ihn noch nie hatte. Nach allen Misshandlungen, die sie erlebt hat, will sie einfach nur lieb sein. Darüber denke ich nach. Sie ist mein besonderes Schätzchen. Wann kommen Delphi und Kleine-Claus?, rufe ich. Am frühen Abend, ruft Gott zurück. Weißt Du schon, was Du kochen wirst?, rufe ich. Gott schaut vorwurfsvoll durch die Tür. Natürlich, sagt er. Es ist Ostern. Mach Dich fertig, sagt er und schaut auf die Uhr, wir müssen gleich los. Stimmt. Wir haben Pläne. Und ich? Ganz großes Glück! 


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Sonntag, 19. März 2017

Inspiration


Morgen ist es also soweit: Wir werden in den Wald fahren, an einem Baum stehen und in das wunderschöne, grüne Tal auf ein Bächlein schauen. Vermutlich werden wir im Regen stehen. Ich halte nicht viel von traditionellem Prozedere. Deshalb wird auch niemand kommen. Der einzige, der hätte kommen können, hat sich bei einem Leitersturz verletzt. All die, die gekommen wären ..., wenn der Baum nicht so herrlich weit außerhalb in einem Wald, an einem Tal mit einem Bächlein läge ... All die - wissen nix von der Veranstaltung! Sie hätten irgendwas erwartet. Eine Rede, eine Zeremonie. Begräbniskuchen. Und Kaffee! Nur Poire, Gott und ich werden also da sein. Den Termin hab ich festgelegt, - Start in den Frühling. Der Förster wird selbstverständlich auch dort sein, er hat das Loch gebuddelt, er wird es auch wieder zuschütten. Er hat sich Musik gewünscht. Also suchte ich für den Förster ein Musikstück, schließlich soll auch er sich wohlfühlen. Mir gefiel eins, das ist allerdings über 43 Minuten. Gott wiegte den Kopf. Wenn wir über 43 Minuten im Wald stehen ..., gab er zu bedenken, im Regen womöglich... Ich nickte. Nach 37 Minuten werde ich dem Förster einen bösen Blick zuwerfen, um dann wieder andachtsvoll ... Der Förster hatte als Alternative ein Gedicht vorgeschlagen, aber Gott weigerte sich. Er wollte nicht plötzlich einen forschen Schritt nach vorn treten, um irgendwas zu rezitieren. Ich - dito! Zurück also zur Musik - ich schlug Georg Kreisler vor. Sicherlich hätte das den Förster verstört? Ich war mir selbst nicht sicher, suchte weiter und stieß auf etwas... - es ist einfach schön. Ein freudiger, zukunftsvoller Abschied, aus der Musiksammlung des Protagonisten - es klingt wie ein Bächlein, es passt perfekt zu Anlass und Ort. 9,47 Minuten! 
Und dann der Termin, morgen, ganz knapp also vor der offiziellen Frist. Anscheinend darf man nämlich eine Urne 2 Monate behalten. Das ist interessant. Ich habe bei Gott ein Skript in Auftrag gegeben - es wird eine dramatische Komödie. Ich sterbe. Er bekommt meine Urne. Und mein Erbe. Wenn er in diesen zwei Monaten, die er mich nicht unter die Erde buddeln oder ins Meer schmeißen muss, mit mir usw. Ich bin sehr gespannt. Gott arbeitet derzeit an mehreren Drehbüchern. In Le Touquet hatte ich eine weitere Idee für einen Woody Allen-Style-Film. Die Location ist genial. Direkt daneben liegt ein Ort, grad fällt mir der Name nicht ein. Dort wird Gott einen zweiten Rohmer drehen. Wir wollten doch schon mal einen über eine alte Dame in einem kleinen normannischen Dorf machen - daran arbeitet er sicherlich noch ... Der wird allerdings im Frühling gedreht. Der aktuellere? Im Hochsommer, es muss stets über 35 Grad sein, wenn wir drehen. Pflicht! Es wird eine weitere melancholische Elegie über die Liebe. Der Ort ist nahezu famos. Trostlos. Ein Rätsel, wie die Franzosen das hingekriegt haben. Vermutlich handelte es sich um ein avantgardistisches Förderprogramm für junge, talentfreie Architekten. Dann wurde das Geld knapp. Nun ja, Gott und ich hatten in letzter Zeit eh so viel zu tun ... da bleibt die wahre Inspiration auf der Strecke. Gott wollte ja partout kein Baby mehr nach Poire. Dafür haben wir eine neue Lady. Sie ist allerdings schon recht alt - eigentlich sollte sie 4 oder 5 oder 6 Jahre sein. Dann war sie aber wohl doch schon 10. Sie war ziemlich krank, als sie kam. Und hat einen schweren Hüftschaden. Ist ja nicht ihre Schuld. Wir schlossen sie sofort ins Herz. Vor allem Walker, der alte Opi auf Freiersfüßen, ist total verknallt. Wir ebenfalls. Sehr gut. Unser neues Zauselinchen also pullerte jede Nacht vor Gottes Tür. Niemand pullert vor meine Bude, sagte Gott streng. Die Lady dachte darüber nach ..., doch - wie alle Frauen in dieser Familie - blieb sie ein Freigeist - und entschied anders. Sie pullerte einfach weiter vor Gottes Bude. Jede Nacht. Gott schimpfte. Jede Nacht ging das so, bis ... er sich zurückzog, nachdachte. Und ihm eine Idee kam. Er teilte sie mir mit, auch ich dachte darüber nach. Und stimmte ihm zu. Die Pullerei lag nicht an Missgunst oder Abneigung. Oder einer schwachen Blase. Ganz im Gegenteil - wir setzten Gottes Geistesblitz in die Tat um, es funktionierte. Gott lässt nun seine Tür in der Nacht geöffnet. Weiterhin schläft die Lady im Flur. Vor seiner Tür. Aber sie pullert nicht mehr. Sie scheint zufrieden. Freie Räume. Freies Denken, freie Entscheidung. Wir sind glücklich! Und eine zweite Lady habe ich auch schon ins Auge gefasst. Liebe auf den ersten Blick! Wie bei uns, sage ich verträumt zu Gott. Der streitet das indes ab. Und ist dagegen. Er will nicht gleich ein ganzes Rudel. Tja, ich habe darüber nachgedacht. Und anders entschieden. Denn, was auch immer kommt - Gott wird ein Drehbuch dazu verfassen. Was ziehst Du morgen an?, ruft er grad von oben. Keine Ahnung. Etwas frühlingshaft Leichtes vermutlich! Denn Konventionen ... Aber das schlechte Wetter - wer weiß.


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Samstag, 14. Januar 2017

Minuit


“Approchez-vous de Dieu ; 
et Dieu s’approchera de vous.”
Saint Jacques


Inès



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Freitag, 2. Dezember 2016

Von Hirtenhunden


Gott und ich haben unseren Test bestanden! Ich wollte ja ein Baby, aber Gott war stets dagegen, und wenn man partout nicht zur Tat schreitet, ist es natürlich irgendwann zu spät. Na gut, wir haben ja Poire, die macht momentan genug Ärger, denn sie weigert sich, auch nur ansatzweise Laufen zu üben. Warum will sie sich nicht fortbewegen?, frage ich Gott beunruhigt und betrachte das kleine Wesen, das entspannt auf dem Bauch liegt. Anstatt durch die Gegend zu robben. Das kommt noch, sagt Gott dann stets. Er ist ein Optimist. Delphi hat sich damals auch nix aus Laufen gemacht, aber sie ist auch verdammt früh auf die Welt gekommen. Damals habe ich ihre Muskeln trainiert, damit sie nicht dahinschwinden, bevor sie jemals ausgebildet werden konnten. Man macht sich immer schreckliche Sorgen, heute läuft Delphi wie alle andere auch. Der Chief indes nicht mehr, ständig sackt er weg. Also trage ich hier bald jeden durch die Gegend. Und da der Chief so alt ist, können wir auch keinen Welpen mehr zu uns nehmen. Ich habe nämlich einen quasi adoptiert: Pippa. Sie stammt aus dem P-Wurf, also mussten alle Kleinen mit einem P-Namen getauft werden. Man konnte die Videos vom Füttern sehen. Ich wollte unbedingt die Kleinste, die nie etwas zu futtern abbekommt. Wär's ein Junge gewesen, hätte er Percy geheißen. Nun nenn ich Pippa mein Pipschen. Und bis sie eine Familie gefunden hat, unterstützen wir die Kleine ein wenig. Letztens ging's ihr schlecht, einer ihrer Brüder, der Paul, ist sogar gestorben. Alle bekamen Infusionen. Tja, so kann's gehen. Zurück zum Test. Da wir keinen Welpen nehmen können, dachte ich an einen anderen Hund. Das kommt jetzt nicht wieder als blöde, undurchdachte Idee von mir, nein, das kommt von der Tierpension. Denn der Walks versteht sich hervorragend mit älteren, netten Hunde-Ladies. Da man kaum noch mit ihm spazieren gehen kann, wäre es also ideal, wenn er eine Freundin finden würde, die ihn akzeptiert. Und hinter der er dann herdackelt. Und auch im Garten noch eine Menge Spaß haben kann. Das Gangbild ändert sich komplett, sagte die nette Dame aus der Pension, wenn Hunde unter sich sind. Ich warf Gott einen Blick zu. Und fasste einen Entschluss.
Und so saßen wir also der super netten Dame gegenüber und beantworteten Fragen. Ich erzählte ihr vom Schwubb-Himmel, denn alle Hunde kommen in den Schwubb-Himmel, Gott räusperte sich. Manchmal denke ich, ich bin ihm peinlich. Auf alle Fälle haben wir die Fragen richtig beantwortet, denn den Vortest haben wir bestanden. Wir sind jetzt als Pflegestelle angenommen. Oder eben nicht, denn weil der ChiWa schon so alt ist, können wir ja nicht einfach einen Hund zu uns nehmen. Daher warten wir jetzt, wie er die Zeit in der Pension hinbekommt. Und suchen eine Freundin, die ihn exakt so akzeptiert wie die kleine Bärbel ihn akzeptiert. Hey, Alter, sagt die, komm, wir drehen noch ne Runde im Garten. Und dann erhebt sich der Chief schwerfällig, und die zwei drehen noch eine Runde im Garten. Cool. 
Morgen kommen Loulou und Kira aus Rumänien an. Loulou sieht aus, als sei sie die Ururenekelin vom Chief. Eigentlich sieht sie aus wie er, selbst der Fleck auf dem Köpfchen ist identisch. Abgesehen vom Alter könnte man die zwei verwechseln. Kira ist so ein Knäuel, das Kirschchen nenn ich sie. Eventuell werden wir eine der Ladies kennen lernen. Aber die Dame, die Gott und mich getestet hat, schien mir derart kompetent, dass wir gar kein Hundetreffen organisieren werden, wenn ihr die beiden zu wild erscheinen. Sie will jemanden suchen, der so entspannt scheint, dass er zum Chief passen könnte ... A voir ! Und hoffen!!! Und passend zum Thema hab ich heute Nacht geträumt, man hätte mir einen Preis verliehen. Wow. Tja, einst schrieb ich eine Kurzgeschichte und gewann gleich mit meinem ersten Text einen Preis. Dann kamen einige andere kurze Texte, dann Kitty-Feel-Good und der scharfe Tomtom. Lou, die mir am liebsten ist usw. Inzwischen habe ich die Schreiberei an den Nagel gehängt, es gibt so viel Wichtigeres zu tun. Wenn man von alten und jungen, hilflosen Wesen umgeben ist. Doch heute Nacht also träumte ich, ich hätte ein Buch geschrieben, das mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Aufregend! An den Titel erinnere ich mich genau: "Von Hirtenhunden und Elsässern".
Der Titel passt gar nicht zu mir, sagte ich am Morgen verstört zu Gott. Worum soll's da denn gehen?, überlegte ich. Gott schien unbeschwert. Das können wir dann ja demnächst lesen, sagte er. In dem preisgekrönten Roman: Von Hirtenhunden und .... Und da wir uns grad so nett unter Kollegen unterhalten, fragte ich spitz: Hat dein Bestseller eigentlich auch schon einen Titel? Wie einst ein Monegasse über einen Felsen stolperte und Genua einnahm, sagte Gott. Ich zog eine Schnute. Denn - selbst wenn das eine historische Abhandlung wird, klingt es doch wesentlich aufregender als ....



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Samstag, 19. November 2016

Auswärts



Nach zwei Vor-Besuchen, die ChiWa Walks mit einer Schnute und voller Verachtung abgesessen hat, ist es heute soweit. Heute schläft er nach über 10 Jahren, die er nun bei mir ist, zum ersten Mal auswärts. Allein. Und zwar bei - man darf nicht lügen, ich glaube: Heidi, Finchen, Bärbel und Erika. Bärbel ist der Chef! Und alle vier sind so hübsch, dass ich sie alle mitnehmen könnte. Das ist indes nicht die Idee, denn wenn alles gut läuft, soll der Chief ja seine/unsere Urlaubstage dort verbringen. Probe-Schlafen! In der einzigen Pension im weit entfernten Umkreis, in der er in einer Familie lebt. Gott hat sich nix anmerken lassen, aber auf der Hinfahrt waren wir alle sehr aufgeregt. Und unser kleiner Sturkopf? Ist diesmal in die Pension hineinspaziert, hat kurz mit Bärbel geschnubbelt, um sich sodann den Garten näher anzuschauen. Um sich wieder den Ladies zu widmen. Es war das erste Mal, dass man den Eindruck hatte, es könnte klappen. Gott und ich machten uns hoffnungsvoll auf die Heimreise. Den Urlaub werden wir in einem Haus verbringen, in dem der Boden so aussieht, als dürfte auch mal ein Malheur passieren. Danach habe ich lange gesucht. Praktisch ist das ja auch. Im Zweifel! Bedauerlich, dass man Vermieter nicht fragen darf, was ist das für ein Bodenbelag? In Ihrem Ferienhaus? Kann man da alles aufwischen? Dann werden die ganz schnell misstrauisch. Tja, nun wird der Chief nicht einmal mitkommen. Weil's wohl besser für den alten Herrn ist. Dabei ist er momentan ganz gut drauf, ich probiere grad ein paar neue Mittelchen aus, und die scheinen zu wirken. Aber dann gibt's wieder diese schlechten Tage. Und die Sorgen. Was macht er wohl grad?, frage ich Gott. Schlafen, antwortet der.
Ich frag das noch mal und noch mal. Und Gott antwortet stets dasselbe. Daheim legt er sich sogleich auf die Couch, ich wusste es, er ist ebenfalls angespannt. Ich beschließe indes, dass wir Ablenkung und Veränderung brauchen. Los, sage ich, wir bauen jetzt endlich den Hindernis-Parcours im Flur ab. Und stellen den Esstisch, der dort seit über 5 Monaten im Weg steht, - einfach mal ... in die Essecke. Gott seufzt. Aber dann hat er ein Einsehen, erhebt sich, und wir legen los! Und wenn man sich einmal entschlossen hat! Dann wird's auch was. Da wird der Chief aber morgen staunen, behaupte ich zufrieden. Wann gibt's was zu beißen?, fragt Gott. Heute? Wildschwein steht auf der Karte. Ich leg dann mal lieber gleich los! Bevor ich mich wieder in der Küche vertrödel. Und die Männer rummmaulen. Und ich Gott frage: Sag mal, was meinst du, was macht wohl grad unser ....



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Mittwoch, 9. November 2016

Kind


Stets wird ja behauptet, man solle das Kind in sich usw., was weiß ich. Man mag es versuchen, doch scheint es ab einem gewissen Alter nicht wirklich möglich. Wenn z. B. ein neuer Nachbar einzieht, der einen riesigen Bulli fährt, den er nicht vor seinem eigenen Haus abstellt, sondern lieber unter dem Schlafzimmerfenster des Nachbarn parkt, stört das Kinder nicht. Wenn der Nachbar allerdings jeden Morgen ab 7 Uhr alle Türen, es müssen viele sein, seines riesigen Vans aufreißt, um sie wieder zuzuschlagen, um sie wieder aufzureißen, um sie dann wieder usw., werden selbst Kinder wach. Früher. Da wär ich schnell in die Klamotten geschlüpft und rausgelaufen. Warum machst du jeden Morgen so einen Krach?, hätte ich gefragt. Wir schlafen noch. Und schau mal, alle anderen Jalousien sind auch noch unten. Meine Eltern hassen dich. Und seinen Motor darf man auch nicht länger als 20 Minuten laufen lassen! Wenn man nicht fährt. Bestimmt, das haben wir schon im Kindergarten gelernt! Dann hätte der Nachbar irgendetwas geantwortet. Und man hätte schauen müssen, was passiert. Doch Poire ist noch zu klein, um sie mit so einem schwierigen Auftrag am frühen Morgen in die Welt zu senden. Und würde ich nun - mit meiner semi-diplomatischen Ausbildung aus Gottes Privatissimum - als erwachsene Frau zu ihm gehen und ihn höflich auf den Lärm und die unsinnige Umweltverpestung ansprechen .... Also. Ich schätze, so ab spätestens 12 Jahren ist man am Ende immer der Arsch, ob man Recht hat. Oder nicht.
Keine ernsthafte Verantwortung zu haben, sie aber dennoch zu übernehmen, ist schön. Verantwortung zu übernehmen ist indes oft höchst anstrengend. Und heutzutage ist jeder für alles verantwortlich. Womöglich, zumindest tun alle so. Was durchaus richtig sein mag. Weil so viele Dinge völlig verquer laufen. Gott z. B. ist heute ganz sonderbar, ich kann es nicht in Worte fassen, eine Melange aus tiefster Aggro-Depression vielleicht. Ein einziger Mann scheint heute Gottes gesamtes göttliches Wirken über den Haufen geworfen zu haben. Als nähme Gott das persönlich. Muss man vermutlich auch. Nun ja, da so viele Menschen dazu eine Meinung haben, ja, irgendwie alle eine, muss ich das nicht weiter ausführen. Allerdings glaube ich, dass man so einem Trampel-Typ niemals eine Frau als Alternative entgegensetzen sollte. Ich glaube ja sonderbarerweise immer noch nicht an die vermeintlich längst etablierte Gleichberechtigung. Und recherchiere momentan verstärkt im Männer-Milieu. Also, wenn mir einer eine total langweilige Story ohne Pointe erzählt, lache ich meist trotzdem. Und versuche, etwas Inspirierendes zu antworten. Wenn jedoch ein Mann Männern eine langweilige Story ohne Pointe erzählt, schweigen die. Und dann? Ey, Alter, schade, dass ich gefragt hab, die Story hättest du dir echt sparen können. Ich weiß dann immer nicht, wie sehr eine derart ungeschönt ehrliche Aussage den pointenlosen Erzähler ins Herz trifft. Männer reden einfach weiter. Interessant. Interessant ebenfalls meine letzte news von gestern. Da schrieb ich - ähhh - tatsächlich: Amazon-Prime-Mitglieder zählen künftig deutlich mehr. Also. So ein shit, ja sie zählen ihre Kohle, ihre erworbenen Artikel ... Für amazon werden die Mitglieder immer bedeutsam wichtiger, sie zählen einfach ... Doppeldeutigkeiten. Also hab ich schnell den Chef aktiviert, der hat das sofort verbessert. Ich liebe Männer der Tat! Erinnert sich noch jemand an den einen ehemaligen Sous-Chef, der da plötzlich aus dem Nichts auftauchte und mich in den Wahnsinn trieb? Der hätte sicher erst fünf Mails vertippt, um den Fehler dann später zu korrigieren. Na ja, so kann man trotzdem nicht arbeiten, bei FB hat's natürlich einer gemerkt. Oaaaah, ich hasse dämliche Fehler, die mach ich jetzt auch nicht mehr. Neuer Plan.
Neuer Plan ebenfalls? Gesundung. Jetzt hatten wir den 3. Rückfall, ich schimpfe mit dem Doc. Der Doc ruft mich jetzt jeden Abend um 22 Uhr an und fragt, wie's geht? Wenn ich nicht eisern die Gesundungsgrundregel WST - also Wärmflasche, Sofa, Tee - einhalte, gibt's sofort einen Rückfall. Gestern Abend ging Gott ans Telefon. Er lauschte und warf mir ganz sonderbare Blicke zu, ich nahm ihm den Hörer vom Ohr und drückte auf Lautsprecher. Was ist los? Akute hysterische Nymphomanie, sagte der Doc. Klar, akute HN macht Männer immer umgehend nervös. Ich winkte in Gottes Richtung ab. Das ist die homöopathische Beschreibung eines umfassenderen Krankheitsbildes, da muss nicht immer alles zutreffen. Natürlich nicht, sagte der Doc. Eifersuchtswahn, fuhr er sodann fort. Gott seufzte und bestätigte. Dieser entsetzliche Eifersuchtswahn, sagte er bedrückt. Ich holte mein eigenes Nachschlagwerk. Entzündungen, Infektionen, Krämpfe, das alles passt viel besser und steht unter demselben Medikament. Der Doc behandelte mich via bioenergetischer Hightech-Ferndiagnose und sagte, ich solle mehr Nüsse essen. Also? Laufe ich heute Morgen zum ersten Mal seit Wochen wieder durch den Supermarkt. WOW, alles so schön bunt dort! Nach unzähligen WST-Tagen ist ein Supermarktbesuch ein echtes Highlight. Und weil ich Nüsse essen soll, kaufe ich mir ein Glas Nutella. Boah, böse, das hab ich schon über Jahre nicht mehr gegessen. Und die Kekse mit der Orangenfüllung, weil mir die früher immer der Papa gekauft hat, wenn ich krank war. Und ähm - Nüsse, klar. Keine ganzen, ich hatte ja mal einen Unfall, da werden ganze Nüsse problematisch. Überhaupt, das Leben ist problematisch - im Alter. Man will Kind sein. Doch man hat Verantwortungen. Mit all meinen Süßigkeiten im Gepäck schaue ich also lieber drüben noch mal vorbei. Irgendwie muss es ja weitergehen. Draußen sollte Gott vor dem Frost die Hecke pflanzen. Wir machen die diesmal ganz ohne Kosten, Zweige bei uns abschneiden und drüben in die Erde setzen. Clever. Ich schaue! Gott hat 7 Zweige in die Erde gepinnt. Nun. Macht noch keine Hecke. Den kleinen alten Wintergarten hatte ich noch vor akuter Erkrankung geputzt. Gott sollte die Pflanzen vor dem ersten Frost reinsetzen. Die 5 Kamelien, die 3 Oliven, den Oleander und die Palmen. Ich schau mal?   


Immerhin. Er hat angefangen! Ich denke, die restlichen Pflanzen werden die erste Kälte überlebt haben. Oben sollte Gott in meinem neuen Lager die Bücher einsortieren, die ich nur langfristig loswerden kann. Sortierte Ordnung ist alles! Und wir müssen mal langsam zu Potte kommen. Schauen wir, wie weit Gott gekommen ist. 



Nun, das Buchlager in der 1. Etage erscheint? Vorne Chaos, hinten nix. Ich räuspere mich. Denn wenn man mal ein paar Tage ausfällt! Wenn man sich mal um nix kümmert. Und das Kind in sich sucht. Und pflegt. Sicherlich hat Gott auch grad das Kind in sich entdeckt. Vielleicht steckt es in einer Trotzphase! Tja, das wär. Vermutlich ... 


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Sonntag, 6. November 2016

37.2


Puh, da war ich aber mal krank. Das ist ja aber nicht so schlimm, ich hab ja Gott. Jeden Morgen stand er in der Zimmertür: Ich muss jetzt los, sagte er dann. Ich schwieg. Kommst du klar? Sicher, kein Problem. Und wenn was ist .... Dann ruf ich an. Gott nickte. Kannst du dich wieder bewegen? Nö. Aber. Geht schon. Fieber?, fragte Gott besorgt. Nö. So um die 37, das gilt aber noch nicht als usw. Irgendwann allerdings hat Gott mich in den Wagen gepackt und zum Doc gebracht. Das war ..., als wir am fünften Tag ein TK-Essen aus der Tüte aßen, das Robin aufgewärmt hatte. Tante Klee macht nämlich gerade Urlaub im sonnigen Süden. So werden nicht nur der Haushalt, sondern auch Poire und der Chief ganz dezidiert vernachlässigt. Es wurde also Zeit, zur Tat zu schreiten. Ich verweigerte das Hospital, nach einer kurzen heftigen Debatte änderte Gott die Destination, es ging zum Doc - abends um 22.30 Uhr. Wie stets saß der in seinem Zimmer und arbeitete. Etwas aufpäppeln also, sagte er, mixte einen Cocktail und schoss mir das gute Zeugs in die Vene. Dann noch etwas in den verlängerten Rücken, damit mal wieder etwas Elastizität durch die Gelenke fließen kann. Wir wiederholten die Prozedur am folgenden Abend, und schon fühlt man sich fast wieder wie ... von den Toten auferstanden. Schön. In dieser schweren Zeit gab's so gut wie kein FB. Kein Getummel zwischen Banalität, Anspruch und Elite. Einige scheinen sich dort im Alltag etwas zu verlieren, andere - also dieser Dings, der immer wieder auf meiner Seite auftaucht, - wären so gern was. Irgendwas. Volksnah, aber das sind sie ja schon. Mit allen auf ganz lieb. Doch mit ihrer eigenen anspruchsvollen Meinung ecken sie oft an. Das muss sein! Tacheles. Sie hätten so gern Demokratie für alle. Aber selbst möchten sie am liebsten, exakt. Es gibt da nämlich eine kleine Gruppe von .... Und der eigenen Roman!!! Hui. Während dieser verfasst wird, schielt man bewundernd zu ..., denn mit diesem Niveau dürfen wir uns nicht messen. Noch längst nicht. Etc. Puh. Da drück ich lieber weiter das Niveau. Und träum von Gott. Meinst du, es gibt dich gar nicht?, frage ich ihn zuweilen. Natürlich gibt's mich, antwortet Gott dann ärgerlich. Als Gott, mein ich. Als Henry Gott, sage ich dann. Gott wiegt den Kopf. Das ist eine komplexe Frage. Oder als Gangsterboss. Ich stelle mir Gott als Gangsterboss vor. Würdest du mich dann heiraten?, frag ich. Dann ja, behauptet Gott. Ich lache. Und nicke. Ist logisch, jeder weiß, dass Gangsterbosse nicht treu sind. Aber die Chefin vom Boss darf auch rumhuren, es gäbe also keine Probleme. Ich könnte dich aus Eifersucht abknallen lassen, sagt Gott hinter seiner Zeitung. Richtig, alles schon vorgekommen, das ist halt das Risiko. Zurück in eine andere Dimension, Gott könnte auch immer noch Flaubert sein. Ich wünschte Flaubert könnte einen Blick auf FB werfen. Was für ein Spaß! Ein Wüterich! Seine eigene Elite. Ein wenig knötterig zuweilen. Das Genie. Dazumal, sag ich zu Gott. Dazumal in Dänemark kannte ich auch mal Elite. Unsichtbare Elite. Herrlich. Es gab noch kaum Handys. Aber genug Zeit, den ganzen Tag am Strand zu verbringen. Oder nach Kopenhagen zu fahren. Oder Lübeck. Berlin. Oder für eine Runde Golf. Zwischendurch hat der Dings mal telefoniert. Wo ist ihr Sekretariat? Ich müsste mal telefonieren, hat er dann gesagt. Oder ein Mann stand unauffällig am Clubhouse und wartete mit einer wichtigen Note. Vielleicht arbeitete der Dings so, vielleicht war das seine Arbeit. Auf alle Fälle war er ein wichtiger Mann und kannte wichtige Leute. Im Gegensatz zu Stress, Hektik und Anbiederei. Lieber abends im Fluss, ja, hinten bei Loch 16, mit den nackten Füßen im Morast nach Golfbällen tasten. Kneippsche Kuren - nach einem entspannten Tag. Wir müssten nur noch wissen, was er getan hat, geerbt hatte er nicht. Und ich wollte auch nie dazu gehören. Elite nach meinem gusto. Schöne Zeit. Dänemark. Nutznießer, sagt Gott. Nutzgenießer. Vielleicht, wer weiß. Aber gut, dann mussten wir ja nach Frankreich. Hast du noch Fieber?, fragt Gott. Nö, Temperatur. 37.2 Wie hieß der Typ noch? Mit dem wollte damals jede durchbrennen. Also, wer würde jetzt nicht gern mit dem hier, einem Schriftsteller!!! Durchbrennen. Wie hieß er bloß? Anglade, sagt Gott, der alles weiß. Ich seufze. Würdest du auch mit mir durchbrennen?, frag ich Gott. Auf gar keinen Fall, sagt der, der mich eben noch zur Gangsterbraut nehmen wollte. Lieber zeigt er mir einen Vogel. Das wär ja ... Gott macht so eine Handbewegung. Ich seufze wieder. Tja, wie schreibt der eine immer? Es ist eben ein schmaler Grad. Und da hat er mal Recht. Es ist ein schmaler Grad zwischen 36.7 und 37.2. Es ist ein ganz schmaler Grad zwischen Normalität und ... Was war das eigentlich? Im Film, frag ich Gott. Lust? Leidenschaft? Und?



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Samstag, 22. Oktober 2016

Erkenntnis


Wie stets im Leben gestalten sich die Dinge angenehmer, als ich sie mir zuvor ausmale. Neuerdings habe ich es vornehmlich mit Mädels zu tun, die alle direkt vom Reiterhof stammen. Denen bin ich bislang aus dem Weg gegangen, bereits in der Schule umgab sie eine sonderbar aufgesetzt wirkende, eitle Kumpelhaftigkeit. Ja, mit ihnen konnte man Pferde stehlen, aber eigentlich ... waren sie was Bessres. Vielleicht habe ich mir das allerdings nur eingebildet, denn momentan entpuppen sich die Mädels in der Tat als echte Kumpels. Prima! A propos - was mir bislang auch nicht untergekommen ist, dass mich jemand Alter nennt. Mensch, Alter ... Das hat mich verwirrt, doch war es nett, aufmunternd und beruhigend gemeint. Ich überlege, ob es ein Zeichen ist, dass mich sogar die Jungs-Truppe akzeptiert hat. Das wäre nämlich in der Tat ganz nett, ich deute es einfach als gutes Zeichen und das Sensibelchen in mir reibt sich zufrieden die Hände. Zu viel hätt ich dann nicht falsch gemacht. Prima. Und dann noch mein Chef aus Dings. Auch er scheint ein Typ, um den ich seit Jahrzehnten einen großen Bogen ziehe. Als hätte er nach seinem Abschluss an der Elite-Uni zunächst eine mehrjährige abenteuerliche Weltreise unternommen Morgens joggt er mindestens eine Stunde, bevor er mit einem grünen Smoothie dynamisch in die Bürostunden startet. Er schreibt mir stets nach Arbeitsschluss, denn er ist sehr beschäftigt. Doch dann findet er noch ein wenig Zeit zum 'bavarder'. Danach geht's vermutlich zum Polo. Wer weiß, Phantasie. Ich stecke voller Vorurteile, an einem kühnen Tag werden wir den Mut haben, sie alle abzustreifen. Auch solche Typen verachte ich dementsprechend ab nun nicht mehr, im Gegenteil, ich mag ihn. Wir verhandeln grad über den Tarif, demnächst mag ich ihn womöglich noch lieber, in uns allen steckt Potential!
So eben auch in mir. Ich verfasse den x-ten Text über Freiburg. Langsam gehen mir die unzähligen kulturellen und architektonischen Sehenswürdigkeiten aus. Zudem ist es ein heißes Pflaster, letztlich wurde eine Studentin nach einem Sexualdelikt getötet, nun wurde ein Wildpinkler zu Tode geprügelt. Na ja, die Kriminalität lass ich weg. Ein heißes Pflaster also. Lieber schreibe ich über das mittelalterliche Kopfsteinpflaster und die Bächle, die sich idyllisch ... Doch Obacht, diese Wahrzeichen der Stadt können sich als fiese Stolperfalle erweisen, bin ich doch selbst einst über eins der Bächle ..., das lass ich auch weg. Da sich kein Text gleichen darf, knöpfe ich mir mal die Sehenswürdigkeiten genauer vor. Das Münster - wow - die Kathedrale kann man besichtigen. Da wäre: der Kappelenkranz, der Chor, das Fastentuch, das Triumphkreuz, die Orgel, der Turm, der Panoramablick, das Geläut. Die Hosanna. Und 15. Oder 18? Weitere Glocken? Ich denke an den aktuellen Tarif und schreibe: imposante Anzahl an weiteren ... Und dann flugs nach Freiburg Süd. Das bietet? Direkt an der Autobahnabfahrt gelegen? Kostenfreie Parkplätze. Ich schwärme von kostenfreien Parkplätzen und dem hervorragend ausgebauten Nahverkehrsystem. Kurze Recherche ergibt? Das Nahverkehrsystem hat 2,2 von 10 möglichen Punkten erhalten. Kann man mir das ankreiden? Weiter geht's zu den zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten ins attraktive Umland. Zuletzt konzentriere ich mich noch einmal aufs Thema. In einer durchdachten Erörterung muss man zu argumentieren wissen. Dementsprechend schwärme ich zunächst im Sinne der Frühbucher, die ihren Urlaub umsichtig ... Denn wer seinen Urlaub beizeiten plant, kann auch bzgl. der Unterkunft usw. Dann ist Umdenken angesagt, denn auch als Kurzentschlossener, der ganz spontan ... Was sind Bikinitouren durchs Breisgau?, fragt Gott, der einen vorherigen Text Korrektur liest. Ich runzle die Stirn, gerade möchte ich nämlich als romantischer last-minute-kandidat ... Bikingtouren, sage ich verärgert - einfach mal mitdenken. Gott korrigiert das. Wie viele Günstige-Pensions-Texte haben wir noch?, fragt er dann. Ich reibe mir die Hände. Nur noch zwei, sage ich strahlend. Gott wiegt den Kopf. Das ist bedauerlich, murmelt er. Praktisch liegt er da völlig falsch, doch theoretisch ist er selbstredend im Recht. Wer vermag schon die Vorteile einer günstigen Pension adäquat zu vermitteln? Obschon ich mir stets Mühe gebe, das Thema vielschichtig und erkenntnisreich zu durchleuchten, bleibt doch letztlich immer ein Zweifel. Welche Destinationen?, fragt Gott. Oh, es verbleiben noch Unterbächle im sonnenverwöhnten Schwachelstein sowie der klimatische Heilkurort Oberstutzlingen. Gott nickt finster. Dann ist die 80-seitige Pensions-Liste schon abgearbeitet? Ich nicke strahlend. Ich schreib das, entscheidet Gott. Irgendwann muss man nämlich auch auf den Punkt kommen. Eine göttlich philosophische Abhandlung über Pensionen - für geschäftlich Reisende, Frühbucher, Kurzentschlossene, Budget-Sparer, für familiäre, persönliche Atmosphäre-Genießer. Kurzum eine Erörterung zu einem äußerst komplexen, vielschichtigen Thema. Ich konnte ihm nicht gerecht werden. Erkenntnis. Endlich. Zum Abschluss.



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Mittwoch, 19. Oktober 2016

Na also!


So schaut's also aus,
wenn mal einer arbeitet!
Ganz nach meinem Geschmack!


Exakt, der Gärtner ist endlich arrivé
und hat gleich am ersten Tag
wie fünf Mann malocht!
Prima!


Gleich ruft mir der Dings durch das halbe Dorf rüber:
Ich kann ja wieder das Haus sehen!
Dann stellt er ein paar Fragen.
Ich lache von der anderen Seite der Straße
und winke.
Dann leg ich mal einen Zahn zu,
denn Fragen ... Tsss.


Selbst hier kann man nun wieder passieren,
das ist sehr praktisch,
wenn nicht alles komplett
zuwuchert.
Und da ganz hinten legen wir eine gemütlich Ecke an,
in der Gott auch bei über 30 Grad
im Schatten ein gutes Buch verschmökern kann,
während die Hunde neben ihm dösen.
Schön!


Allein ...
Ich werfe Gott einen Blick zu,
 denn obwohl wir so happy sind, 
sind wir ebenfalls - 
wie sagte der Monsieur immer?
You make me knatschig! -
Der Vorgarten,
beginnt Gott dann in der Tat,
denn bei aller Euphorie
muss man sich den Tatsachen stellen.
Ich setze nach:
Den hast Du komplett abgeholzt.
Gott und ich schauen den Gärtner erwartungsvoll an.
Denn der Kahlschlag
verknatscht mich irgendwie.
Doch der Gärtner ist ein Gärtner,
er hat eine Vision!
Und ich bin gleich noch happier!
Und während wir im Vorgarten stehen
und uns die Vision ganz bildlich vor Augen rufen,
kommt erst der Dings, dann die Dings
und dann auch noch die zwei Dingens vorbei.
Sie stellen Fragen!
Klar.
Immer dieselben!
Hier ist ja auch was los.
Ich lache, Gott seufzt,
nur mein sensationeller Gärtner weiß eine Antwort.
Ich hab das hier alles gekauft, sagt er jedem, der's hören will.
Ich dachte, ich mach schon mal ein bisschen im Garten!,
erklärt er weiter.
Wir alle lachen.
Und jetzt endlich haben wenigstens auch die Dings, der Dings und die
Dingens wieder was zu reden.
Bestimmt sind nun auch sie wieder happy!
Gefällt's dir?, frage ich Gott.
Und er nickt!


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Donnerstag, 13. Oktober 2016

Wert


Ich habe meine Lieblingsnews geschrieben! Die war's mal wert. Und? keiner liket sie, war ja klar. Also schaue ich mich woanders um. Ein AG bittet um einen Text, der potentiellen Kunden sein Gewerbe näherbringt. Doch es ist unmöglich zu eruieren, was genau sein Gewerbe ist. Der steckt tiefer im Dilemma als ich selbst. Der nächste möchte eine Beschreibung eines Produktes. Das scheint mir simpel, aber die Vorgabe lässt mich stutzen: Versuchen Sie, keine rassistischen Beleidigungen einfließen zu lassen. Ich runzle die Stirn. Mist, nix für mich, gerade bei dem Produkt lasse ich mich nur allzu gern zu den schlimmsten .... Also, wie kommt der AG bloß auf diese Vorgabe? Hat er bereits Erfahrungen gesammelt? Die Schweiz ist für dieses Produkt bekannt, hat jemand, der das schreiben wollte, in seinem Text die Schweizer angepöbelt? Ich klick das weg. Zu strange. Jemand andres sucht eine fundierte Einschätzung des Immobilienmarktes in X. Der Text wird Journalisten als Grundlage für Sachartikel dienen. Ah! Guter Journalismus, der bezahlt werden muss. Doch, doch, nicht jeder Journalist ist investigativ unterwegs. Oft sitzen die einfach nur rum und schreiben das, was ihnen vorgelegt wird. Immer öfter korrigieren sie auch nur, was Praktikanten geschrieben haben, ist billiger. Die von der alten Schule nörgeln ständig. Dabei waren die meist nie auf der Uni. Ich bin kein großer Freund der Stätte der Intelligenz und Wissenschaft, doch einige wenige Uni-Stunden haben mein kleines Köpfchen indes sicher zum Grübeln gebracht. Der Dings war niemals auf der Uni. Damals allerdings - als die Sache so ganz groß war - in Wimbledon. Am Abend wurde er angerufen, am nächsten Morgen schon vor Ort. Leider hatte ihm niemand Karten gekauft. Also hat er exklusiv! Fotos vom Publikumsrang geschossen. Mit einer Schwarzmarktkarte, die ihn in den Ruin gestoßen hat. Und auf dem Rückflug saß er dann - der Zufall will es ja zuweilen so - direkt neben dem Dings. EXKLUSIVINTERVIEW! Die Schule des Lebens. Karriere der harten Hunde. Ich klick den Auftrag ebenfalls weg, sonst gibt es am Ende noch offizielle Expertisen in der 'guten' kompetenten Presse, die sich auf meine Analyse des Immobilienmarktes in X beziehen. Wie absurd wär das? Einer scheint okay, den nehm ich, die Sache läuft zügig, er ist begeistert. Weiter geht's. Ich mache mir Gedanken. Die nächste Sache ist eine echte Herzensangelegenheit. Ich mache sie zu meiner. Und grübel, gehe meinem Hobby nach: Ich stelle einige Fragen. Du zerbrichst dir ja nicht nur deinen Kopf, murrt Gott. Sondern auch den der anderen. So wird das nie was! Ich winke ab. Und stelle weitere Fragen. Haben wir jetzt auch noch Unternehmensberatung als neue Leidenschaft entdeckt, murrt Gott weiter. Ich runzle wieder die Stirn. OHHhhh JA. Zu meinen zahlreichen Hobbies gehört nun auch noch die Unterstützung von Unternehmen. Sollte mir das Konzept gefallen - wie dies hier. Ich schreibe flink nach Vorgabe, die meine Herzensangelegenheit geworden ist. Ich insistiere auf Kompetenz und Leidenschaft. Dann zieh ich eine Schnute. Zu lang. Ich streiche 100 Wörter, immer noch zu lang. Gott, den Murrer, frag ich nicht. Ich wende mich an ein Forum, von dem ich bis eben nicht wusste, dass es existiert. Mist. Sofort antwortet mir ein Mann! War ja klar. Sehr nett und hilfreich übrigens. Aber ich hätte auch Gott fragen können. Den eigenen Wert verkaufen - der Typ lacht über mich. Und hat Recht. Ich maule rum. Kompetenz und Leidenschaft, ich weiß nicht mehr, was ich streichen kann. Und ... Gott nimmt mir die Vorlage aus der Hand. Kompetenz und ..., ich rufe ihm das nach, er winkt ab. Hat er sicherlich schon verstanden. Und? Kommt eine Weile später wieder runter. Daumen nach oben. Er liket das??? Was hast du gestrichen?, frage ich nervös. Gott reicht mir den Text. Kompetenz und Leidenschaft, sagt er. Ich blätter mich durch. Fast nix gestrichen. Also, ich ... Denn Gott ist ... Oh ja!


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Mittwoch, 5. Oktober 2016

Ausdenken


Ich würd mir gern mal wieder was ausdenken. Der Phantasie ein wenig Raum usw. Dabei geht's bedeutend fixer, wenn man nicht so viel denkt. Beim steten Aussortieren von altem Krams bin ich auf einen Reisekatalog gestoßen, der von nun an mein steter Begleiter ist. Wird in ihm doch quais jede Großstadt angesteuert. Allein - ich frage mich, wer die Reisen wohl gebucht hat, denn der Umgangston ist harsch, wenn nicht in Befehlsform verfasst. Und funktioniert ungefähr so: Um 11 Uhr kommen Sie in X an und packen Ihre Sachen in Ihrem Hotel aus. Danach besichtigen Sie die Stadt. Vor dem historischen Rathaus werden Sie staunen! Lassen Sie sich von den vielen Sehenswürdigkeiten mitreißen.... Am nächsten Morgen stärken Sie sich ausgiebig am Frühstücksbuffet usw. Dennoch - wenn ich eine Stadt nicht kenne, und glücklicherweise sind wir ja früher ein wenig gereist, kann man als Vorlage gut damit arbeiten. Selbst den militärischen Ton lasse ich zuweilen einfließen, man frönt stilistisch der Abwechslung. Stuttgart indes kenn ich nicht. Also?  “Stuttgart ist der Name, den die Schwaben dem Paradies gegeben haben”, schrieb einst der Humanist Ulrich von Hutten. Schön! 18 Wörter. Gut, dass der Mann einen langen Namen hat. Bleiben noch mehr als 580 Wörter. Ich überlege, die Stuttgarter leiden immer öfter an Rückenschmerzen, steht auch unter Tipps, das lass ich weg, wer hat denn den Artikel verfasst? Ein typisches Problem der Region? Schwaben sind geizig, behäbig, ordnungsliebend und bieder. Also ... das lass ich auch weg. Der Schwabe gilt gemeinhin als gemütlich, schreibe ich. Nehmen mir bestimmt auch die mit hitzigerem Temperament nicht übel, Und ähm, gibt's mediterranes Flair? Kultur?, die nicht nur Kulturinteressierte begeistern wird? Was unternehmen wir, wenn die Witterung es mal nicht gut mit uns meint? Was ist Möhringen? Mit der ganzen Familie in die Weinberge? Denn auch das Umland ... hat bestimmt viel zu bieten. Wie wollen wir die ganz Kleinen bei Laune halten? Willst Du das nicht schreiben?, frag ich Gott. Der hat das aber schon fertig! Klasse! Abgeheftet. 597 Wörter, denn der Schwabe? Arbeitet im Allgemeinen effektiv!

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Samstag, 1. Oktober 2016

Schwermut



Ich bin mal wieder in Plapperlaune, es gibt nämlich - schrecklich viel zu berichten. Der Chief futtert wieder, nachdem er einen ganzen Tag sogar Hundezwieback ignoriert hat. Das Copyright-Zeichen funktioniert über die Tastenkombi 0169, wer hat's gewusst? Ich habe jetzt meine eigene News-Rubrik erfunden, na gut, nicht erfunden, aber ... Läuft auch noch nicht, wie ich es will. Und ich stelle Fragen, wie's die anderen auch machen. Kommentare animieren ... ;-) Meistens schweigen die Leser hartnäckig .. Die Rubrik wird sicher bald wieder abgesetzt, who cares .. Obwohl, so komm ich gut rein, wenn ich mal einen Fehler mache ...wiederhole ich den sicher nicht noch mal. Der Chef lässt's erstmal laufen. Hier ... Daumen hoch! Überhaupt ist news gut, ich hab jetzt einen gefunden, der schreibt richtig mit Style. Die meisten haben nämlich keinen Style, Gott könnte bestimmt supa news! Also übe ich - ganz schnell Assoziationen sammeln, ganz schnell schreiben - das ist schon eine Herausforderung, Fehler sollte man generell vermeiden - da ist noch viel Luft nach oben. Im Gegensatz zu den anderen Texten haben news immerhin eine news - die SEO-Dinger sagen ja lediglich, mit diesen Beeren können sie supa gut abnehmen, weil diese Beeren super zum Abnehmen ... Oder: Eine günstige Unterkunft in X ist eine günstige Unterkunft in X, die man buchen kann. Ich versuch immer noch, die non-news als lesbaren Text zu verfassen. Ach übrigens, der Lindbergh-Text ist fertig. Man kann ihn hier lesen. Ich hab mich für kurze Zwischentitel entschieden, denn eigentlich soll man ja von den Großen lernen. Also schrieb ich: Poren, Haut, Texturen, Handtaschen, Make-Up, weiße Hemden, Unperfekt. Ist das kein Plagiat?, fragte Gott. Um des Himmels willen! Nein! Das würde ich niemals tun, abschreiben. Nein, das ist einfach nur schräg, sagte ich. Dann hab ich's aber doch gestrichen. Und: "Erwachsene Frauen - immer noch schön!", hab ich auch nicht geschrieben. Dafür? Was klingt unbeholfen? Egal, mich sieht man ja nicht. Und außerdem sollte das jeder Leser selbst entscheiden. Der Dings hat mir endlich geantwortet!! Alle meine Versuche, dir eine Mail zu senden, schlagen fehl! Und ich dachte schon, er wollte nix mit mir zu tun haben. Auf meinem Bildschirm erscheint alles nur noch in Spalten ..., schreibt er. Na gut, das klingt nach einem größeren Problem! Und dann ... ich hab das Traumhaus abgesagt, weil das andere für den Chief viel besser ist! Eine vernünftige Entscheidung!!! Die Besitzerin vom Traumhaus schreibt mir, dann kommst du ein andres Mal!!! Das wird grandios, ich tanze mit meinem Mann in der Halle immer Bebop, es sind herrliche Abende. So wie sie das schreibt, glaub ich das sofort. Ich reib mir jetzt schon die Hände, denn wenn Gott und ich ... wenn's draußen dann schön schneit, der Kamin ist an ... Und wir tanzen den ganzen Abend wilden Bebop in der riesigen Halle, das wird's! Ach ja. Ich habe meinem Lieblingskollegen schon mal eine kleine Probe von meinem Aggro-Potential gegeben - schlechte Laune. Gut, dass ich nicht auf ihn sauer war! Und er hat's sehr lässig weggesteckt, bestimmt sind wir jetzt wieder ... - alles gut, sagt er immer. Wie Männer es gern tun. Schön! Neben dem MCU gibt's noch ein DCCU, sagte er ebenfalls, das macht mir Angst. Zu viele Superhelden in zu viel Universen, wer kennt sich aus? Und was haltet ihr davon, dass Terence Winter etwas Feinschliff ins Skript vom Scarfac-Re-Remake bringt? Gibt es Stoff, der euch heilig ist? Und als Klassiker nicht mehr angerührt werden sollte? Und fürchtet ihr, dass Woody Allens-Serie eine schlechte Sitcom geworden ist? Und ....? Wie praktisch, dass ich stets voller Fragen stecke. Aber Moment, bevor ich losplapper, halte ich inne! Setz mich auf die Fensterbank und sondiere die Lage: Gott liegt auf dem Sofa und wirkt angeschlagen. Was ist los? Bist du krank?, frage ich. Ich hab kein Fieber, antwortet er geschwächt. Ja, so geht's mir auch zuweilen, es geht einem nicht gut, man glaubt, man werde krank. Aber Fieber hat man nicht. Du bist schwermütig, diagnostiziere ich. Gott seufzt. Ich wittere eine Chance, denn ein probates Mittel gegen Schwermut? Sollen wir kuscheln?, frage ich. Gott wirft mir einen bösen Blick zu. Doch viele Frauen leiden an einem Gendefekt, sicher hat die Evolution den extra reifen lassen. Sonst wär's schwierig geworden - mit dem Geschlechter-Miteinander. Ich leide auch an ihm: Ja, sagen wir uns, schau du ruhig böse. Das ist - Scharf! Also schaut Gott nicht mehr böse. Er ist schwermütig und schwach. Und nickt. Prima!

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Mittwoch, 28. September 2016

Schludrig


Was war denn auf Norderney los?, fragte Gott und hielt mir meinen Text vor die Nase. Also ... Auf der ersten Seite keinen Fehler, stellte er fest, blätterte um und ... Wow! Da hab ich wohl vergessen, noch mal einen Blick drauf zu werfen. Ehm, ich räusperte mich. Schludirgkeiten. Aber hier arbeiten alle so. Weil ich das Näschen momentan von den ewig gleichen Texten voll hab, ich aber keine Lichtgestalt bin, bestimmte ich: Du schreibst jetzt einen Bestseller. Gott hatte keine Lust. Ich gab weitere Anweisungen: eine anti-bourgeoise Elegie auf den Schwerenöter, Gott dachte darüber womöglich nach. Ich reichte ihm Stift und Papier: Mann, Meer, Stadt. Und die Frauen. Das gibt's schon, murrte Gott. Lass deine Phantasie galoppieren, ich machte eine große Geste ins Reich der Imagination. Und sodann den Staubsauger an. Und keine Ahnung, was dann passierte. Der Chief, der - wenn er nicht schläft - stets neben mir steht, hat entweder irgendwie einen gewischt gekriegt, oder der Lärm hat ihn erschreckt. Er hört ja nicht mehr so gut, vielleicht war's einfach zu laut. Auf alle Fälle ist er zusammengezuckt und dann völlig in Panik geraten. Und hat, irre bellend, einen Hindernisparcours durchs Haus absolviert. Halt ihn fest, rief ich, in Extremsituationen tendiere ich ja selbst schnell zur Hysterie. Man kann einen panischen Hund nicht festhalten, behauptete Gott, selbst er schien verunsichert. Also griff ich zu. Man kann nämlich auch nicht zusehen, wie ein alter panischer Hund, der auf seinen vier Pfoten unsicher ist, ständig stürzt. Weil der Chief nun mal von Grund auf lieb ist, hat er nicht mal geschnappt. Der Chief zappelte wild in meinen Armen, Gott holte ein Halfter, dann konnte man ihn wenigstens packen. Und ab in den Garten. Und wie irre wieder rauf und runter - immer wild bellend. Ich ruf den Tierarzt, sagte Gott irgendwann. Aber so hat er sich schon mal benommen, ich schüttelte den Kopf. Ich geb ihm ein paar Panik-Globuli, sagte ich. Was soll ein Tierarzt tun? Eine Beruhigungsspritze? Bei so einem alten Herrn? Wann hat er sich schon mal so benommen?, hakte Gott nach. Damals, als ich Rasen mähte, erinnerte ich Gott. Das war exakt so. Er hat sich erschreckt und ist immer durchs Haus und den Garten gerast. Wie bekloppt. Gott resümierte: Also immer, wenn du ein elektrisches Gerät schiebst, sagte er nachdenklich. Genau! Das werd ich ab jetzt schön sein lassen. Hier wid nicht mehr gesaugt! Hier wird auch nicht mehr Rasen gemäht! Ich fasste nach dem Chief und schob ihm drei arsenicum album unter die Oberlippe. In 5 Minuten, sagte ich zu Gott. Wir wartetet. Ein bisschen schien der Chief auf Herzinfarkt aus. Doch nach den von mir angekündigten 5 Minuten beruhigte er sich etwas. Ich nickte zufrieden. Dann noch einen Jin Shin Jyutsu-Griff, der wirkt sogar meist bei Poire - und. Gott konnte den schlafenden Chief auf seinen Teppich tragen. Dann saßen wir noch eine Weile zusammen und lauschten seinem kehligen Schnarchen. Alles wieder gut, stellte ich fest. Gott seufzte.


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Sonntag, 25. September 2016

PTA Ausschweifung


Ich merke, dass ich mich ja nur auf gewissen Gebieten - womöglich da sogar ganz gut - auskenne, auf anderen indes gar nicht. Z. B. Vin Diesel und die Babystimme von Baby Groot, was ist Baby Groot??? Nach einiger Recherche ist klar, das ist so eine süß gefährliche Baumkreatur, die nun wieder zum Baby geworden ist. Aufregend! Deshalb schreib ich nun vornehmlich erst mal News, die ich selbst gern lesen würde. Dann kommt man besser ins Geschehen. Z. B., dass Woody Allen den zweiten Soprano-Darsteller verpflichtet. Yep, die news ist noch nicht on, aber was, was ich mag. Und verstehe. Und dann also Julia Roberts als PTA Mom. Was ist PTA auf Deutsch? Das erklären die amerikanischen Meldungen selbstverständlich nicht. Schon verliert sich bei mir der News-Gedanke. Denn wenn mir die O-Ton-Texte das nicht erklären, und keine deutschen Meldungen existieren, gerate ich auf italienische und brasilianische Seiten. Und sicherlich liegt es nicht am Latein, auch nicht - wie unser Prof immer behauptete, am Altfranzösisch, nein, es liegt am Französisch, dass man das alles lesen und größtenteils verstehen kann. Ist es nicht wunderbar, sage ich zu Gott und lese ihm die News auf Italienisch vor. Italienisch ist schrecklich : nella machina della Peters per screditarla. Grandios! Es klingt gut. Es ist clever, weil sie alles zusammenziehen, ich indes damals aus exakt diesem Grund aufhörte, zu lernen, weil's so kompliziert war. nella machina macht in anderen Sprachen ganz simpel: dans la voiture und en la coche auf Portugiesisch anscheinend no carro de Peters usw. Da scheint schon wieder was zusammengezogen. Sprachen! Screditarla - find ich auch genial. Eine kluge Sprache - das Italienisch. Die anderen aber auch.
Schön, PTA Mom haben wir also verstanden. Schaue ich mal ins true crime Buch. Von dort kann ich zitieren:  "Kelli Peters is a mother, wife, PTA volunteer, animal lover, people lover, kid lover, and life lover. She has been with her beloved husband for 30 years and talks to her parents every day. Her greatest joy is spending time with family, friends, and children. She loves walking her dogs and going to the beach. One of her greatest achievements, besides raising her daughter, has been surviving a campaign of terror that almost destroyed her life. She is a testament to what the human spirit can endure with the support of community, friends, and family. She is forever grateful to the people who stood by her." Nun. Auf dieser wahren Begebenheit also wird - wie wir ja bereits vielsprachig recherchiert haben, der Film basieren. Die Dame ist Amerikanerin, das vermittelt zumindest dieses enthusiastische Lebens-Liebe-Geständnis. Und sofort bin ich suspicious. Möchte man sie nicht kennen lernen? Die wahre Geschichte? Nicht mit Julia Roberts verfilmt? Hollywood? Womöglich ist Peters ja eine sehr nette Frau, die ganz schlimm verleumdet wurde. Vielleicht ist sie aber auch so eine Desperate Housewives-Xanthippe gewesen. Wir wissen es nicht. Vielleicht eine Art Bree? Obwohl - auch Bree hatte ihre Momente, schließlich darf man sich beim Essen mit Gästen nicht stören lassen! Sonst holt sie eben die Knarre raus! Also, wenn du so arbeitest, beginnt Gott. Ich nicke, wird nie eine News-Reporterin aus mir. Ich drück noch mal auf latest news! Oh, jetzt gibt's die auch auf Schwedisch, rufe ich begeistert. Soll ich dir vorlesen? NEIN!


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Freitag, 23. September 2016

Die Flamme


Gott sitzt am Tisch und futtert Kekse. Er hat inzwischen womöglich den dreißigsten Text zu 'Pension in Dings' geschrieben. Ja, er stellt sich der Herausforderung. Das Schwierigste, beginnt er grad, sind Texte zu: einem romantischen Trip zu zweit in einer billigen Pension. Ich nicke. Doch auch Menschen mit kleinerem Budget, die ihre Reisekasse schonen wollen usw. Inzwischen erkenne ich im Schlaf, wenn jemand einen Text geschrieben hat, der pro Wort bezahlt wurde. Wir drücken alles sehr umständlich aus. Und wiederholen uns stets. Nein, wiederholen uns nicht selten, macht zwei Wörter! Vor allem lieben wir den grandiosen Blick auf den Untergang der Sonne über dem azurblauen Meer. Korrektur: azur-blauen Meer. Sonnenuntergang? Pah, Ein-Wort-Spreche macht arm. 
Na, da dieser Urlaub viel anstrengeder war als Kein-Urlaub, plane ich schon mal die Birthday-Sause. Der Chief muss mit. Er kommt zwar im Hort gut klar, aber wenn er dort mehrere Tage ist, geht er unter. Er könnte höchstens bei der Dings bleiben, weil die sich adäquat um seine neurologischen Probleme kümmern könnte. Die Dings kann aber nicht! Klar. Also? Suche ich zum ersten Mal in meinem Leben eine preiswerte Ferien-(!)Unterkunft mit Garten. In der Stadt. Und interessiere mich vornehmlich für den Bodenbelag. Zu viele Teppiche sind ungünstig, sollte mal ein Missgeschick passieren. Diese ganz alten Holzbohlen sind chic, aber ebenfalls ungünstig. Parkett geht gar nicht, da rutschen alte Vierfüßler weg. Ich brauche Fliesen!!! Werde einfach nix in die Koffer packen und meinen eigenen Teppich mitbringen. Es ist alles sehr kompliziert, wenn man Rücksicht nimmt. Poire ist momentan pflegeleichter als unser Senioren-Chief. Gott hat sich übrigens zum ersten Mal ebenfalls an der Unterkunftsuche beteiligt. Er hat eine Villa ausgesucht, da haben die Besitzer ihre Matratzen fotografiert. Auf denen steht ganz groß "Hypnose". Gott war begeistert. Jeder hat eben andere Kriterien, wenn's um den 'Traum-Urlaub' geht. Na gut. Ich schaue auf seinen Compu, er hat SOF laufen. Sparks of the Olympic Flame heißt das, glaub ich. Da treffen sich die Götter der ganzen Welt - im strahlenden Flammenschein. Jeder von ihnen ein kleiner Funken des Ganzen - Zusammengehörigkeitsgefühl. Ich blinzel mal rein. Gott hat eine neue Freundin, ich schau mir das näher an. Die liket ja alles, ich runzel die Stirn. Wer ist das?, frage ich beiläufig. Oh, Gott schaut auf. Und strahlt. Eine Neu-Berufene, lässt er mich wissen, ich nicke. Ihr versteht euch ganz gut, stelle ich fest. Gott räuspert sich. Ich unterstütze sie ein wenig, sagt er. Ja, ja. Die Unterstützung scheint auf großen Zuspruch zu stoßen. Und, beginnt er, ich klicke mich durch die Olympischen Funken-Flammenbilder der Gottes-Anwärterin. Sie hat eine Doku über Frankreichs Küsten gesehen, erzählt Gott. Issss nich wahr! Da möchte sie jetzt unbedingt auch Ferien machen, sagt Gott. So geht's immer los - gemeinsame Interessen. Deshalb beteiligt sich Gott also plötzlich an unseren Urlaubsplanungen. Und sie hat sogar unser Seebad (Gott sagt tatsächlich - unser) gesehen. Und gerade dort, wo wir immer ..., fährt er fort. Da will sie mit ihrem fetten Arsch die Küste kontaminieren?, sage ich nachdenklich. Gott wirft mir einen bösen Blick zu. Gleich in mehrfacher Hinsicht scheint der Rüffel gerechtfertigt. Ich nage an meiner Unterlippe. Es ist einfach ungerecht, Männer stehen auf solche Frauen, etwas Fleisch auf den Rippen. Wenn ich mich auf die Waage stelle, schüttelt Gott stets den Kopf. Keine 90 Pfund, sagt er dann und klingt besorgt. Aber erst letztens haben wir uns je einen Döner und Fritten geholt. Wir stritten um die Fritten, und als ich meinen Döner verputzt hatte, fragte Gott: Wo steckst du das bloß hin? Irgendwo anscheinend, wo's nicht ansetzt, kann ich nur betrübt feststellen. Dann nennen dich alle mager und einen Hungerhaken. Und alle Dicken wollen angeblich dünn sein. Was überhaupt nicht stimmt. Ich kann's auch nicht empfehlen. Das Chatfenster blinkt auf, Gottes neue Flamme hat geschrieben. Ich sehe ein Weinglas - noch was vor? - und erhebe mich. Schön, sag ich. Dann will ich mal nicht stören. Wir könnten uns doch alle mal zusammen ..., beginnt Gott. Ich verlasse das Zimmer. Machst du jetzt Essen?, ruft er mir nach. Ganz sicher nicht.


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