Sonntag, 25. September 2016

PTA Ausschweifung


Ich merke, dass ich mich ja nur auf gewissen Gebieten - womöglich da sogar ganz gut - auskenne, auf anderen indes gar nicht. Z. B. Vin Diesel und die Babystimme von Baby Groot, was ist Baby Groot??? Nach einiger Recherche ist klar, das ist so eine süß gefährliche Baumkreatur, die nun wieder zum Baby geworden ist. Aufregend! Deshalb schreib ich nun vornehmlich erst mal News, die ich selbst gern lesen würde. Dann kommt man besser ins Geschehen. Z. B., dass Woody Allen den zweiten Soprano-Darsteller verpflichtet. Yep, die news ist noch nicht on, aber was, was ich mag. Und verstehe. Und dann also Julia Roberts als PTA Mom. Was ist PTA auf Deutsch? Das erklären die amerikanischen Meldungen selbstverständlich nicht. Schon verliert sich bei mir der News-Gedanke. Denn wenn mir die O-Ton-Texte das nicht erklären, und keine deutschen Meldungen existieren, gerate ich auf italienische und brasilianische Seiten. Und sicherlich liegt es nicht am Latein, auch nicht - wie unser Prof immer behauptete, am Altfranzösisch, nein, es liegt am Französisch, dass man das alles lesen und größtenteils verstehen kann. Ist es nicht wunderbar, sage ich zu Gott und lese ihm die News auf Italienisch vor. Italienisch ist schrecklich : nella machina della Peters per screditarla. Grandios! Es klingt gut. Es ist clever, weil sie alles zusammenziehen, ich indes damals aus exakt diesem Grund aufhörte, zu lernen, weil's so kompliziert war. nella machina macht in anderen Sprachen ganz simpel: dans la voiture und en la coche auf Portugiesisch anscheinend no carro de Peters usw. Da scheint schon wieder was zusammengezogen. Sprachen! Screditarla - find ich auch genial. Eine kluge Sprache - das Italienisch. Die anderen aber auch.
Schön, PTA Mom haben wir also verstanden. Schaue ich mal ins true crime Buch. Von dort kann ich zitieren:  "Kelli Peters is a mother, wife, PTA volunteer, animal lover, people lover, kid lover, and life lover. She has been with her beloved husband for 30 years and talks to her parents every day. Her greatest joy is spending time with family, friends, and children. She loves walking her dogs and going to the beach. One of her greatest achievements, besides raising her daughter, has been surviving a campaign of terror that almost destroyed her life. She is a testament to what the human spirit can endure with the support of community, friends, and family. She is forever grateful to the people who stood by her." Nun. Auf dieser wahren Begebenheit also wird - wie wir ja bereits vielsprachig recherchiert haben, der Film basieren. Die Dame ist Amerikanerin, das vermittelt zumindest dieses enthusiastische Lebens-Liebe-Geständnis. Und sofort bin ich suspicious. Möchte man sie nicht kennen lernen? Die wahre Geschichte? Nicht mit Julia Roberts verfilmt? Hollywood? Womöglich ist Peters ja eine sehr nette Frau, die ganz schlimm verleumdet wurde. Vielleicht ist sie aber auch so eine Desperate Housewives-Xanthippe gewesen. Wir wissen es nicht. Vielleicht eine Art Bree? Obwohl - auch Bree hatte ihre Momente, schließlich darf man sich beim Essen mit Gästen nicht stören lassen! Sonst holt sie eben die Knarre raus! Also, wenn du so arbeitest, beginnt Gott. Ich nicke, wird nie eine News-Reporterin aus mir. Ich drück noch mal auf latest news! Oh, jetzt gibt's die auch auf Schwedisch, rufe ich begeistert. Soll ich dir vorlesen? NEIN!


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Freitag, 23. September 2016

Die Flamme


Gott sitzt am Tisch und futtert Kekse. Er hat inzwischen womöglich den dreißigsten Text zu 'Pension in Dings' geschrieben. Ja, er stellt sich der Herausforderung. Das Schwierigste, beginnt er grad, sind Texte zu: einem romantischen Trip zu zweit in einer billigen Pension. Ich nicke. Doch auch Menschen mit kleinerem Budget, die ihre Reisekasse schonen wollen usw. Inzwischen erkenne ich im Schlaf, wenn jemand einen Text geschrieben hat, der pro Wort bezahlt wurde. Wir drücken alles sehr umständlich aus. Und wiederholen uns stets. Nein, wiederholen uns nicht selten, macht zwei Wörter! Vor allem lieben wir den grandiosen Blick auf den Untergang der Sonne über dem azurblauen Meer. Korrektur: azur-blauen Meer. Sonnenuntergang? Pah, Ein-Wort-Spreche macht arm. 
Na, da dieser Urlaub viel anstrengeder war als Kein-Urlaub, plane ich schon mal die Birthday-Sause. Der Chief muss mit. Er kommt zwar im Hort gut klar, aber wenn er dort mehrere Tage ist, geht er unter. Er könnte höchstens bei der Dings bleiben, weil die sich adäquat um seine neurologischen Probleme kümmern könnte. Die Dings kann aber nicht! Klar. Also? Suche ich zum ersten Mal in meinem Leben eine preiswerte Ferien-(!)Unterkunft mit Garten. In der Stadt. Und interessiere mich vornehmlich für den Bodenbelag. Zu viele Teppiche sind ungünstig, sollte mal ein Missgeschick passieren. Diese ganz alten Holzbohlen sind chic, aber ebenfalls ungünstig. Parkett geht gar nicht, da rutschen alte Vierfüßler weg. Ich brauche Fliesen!!! Werde einfach nix in die Koffer packen und meinen eigenen Teppich mitbringen. Es ist alles sehr kompliziert, wenn man Rücksicht nimmt. Poire ist momentan pflegeleichter als unser Senioren-Chief. Gott hat sich übrigens zum ersten Mal ebenfalls an der Unterkunftsuche beteiligt. Er hat eine Villa ausgesucht, da haben die Besitzer ihre Matratzen fotografiert. Auf denen steht ganz groß "Hypnose". Gott war begeistert. Jeder hat eben andere Kriterien, wenn's um den 'Traum-Urlaub' geht. Na gut. Ich schaue auf seinen Compu, er hat SOF laufen. Sparks of the Olympic Flame heißt das, glaub ich. Da treffen sich die Götter der ganzen Welt - im strahlenden Flammenschein. Jeder von ihnen ein kleiner Funken des Ganzen - Zusammengehörigkeitsgefühl. Ich blinzel mal rein. Gott hat eine neue Freundin, ich schau mir das näher an. Die liket ja alles, ich runzel die Stirn. Wer ist das?, frage ich beiläufig. Oh, Gott schaut auf. Und strahlt. Eine Neu-Berufene, lässt er mich wissen, ich nicke. Ihr versteht euch ganz gut, stelle ich fest. Gott räuspert sich. Ich unterstütze sie ein wenig, sagt er. Ja, ja. Die Unterstützung scheint auf großen Zuspruch zu stoßen. Und, beginnt er, ich klicke mich durch die Olympischen Funken-Flammenbilder der Gottes-Anwärterin. Sie hat eine Doku über Frankreichs Küsten gesehen, erzählt Gott. Issss nich wahr! Da möchte sie jetzt unbedingt auch Ferien machen, sagt Gott. So geht's immer los - gemeinsame Interessen. Deshalb beteiligt sich Gott also plötzlich an unseren Urlaubsplanungen. Und sie hat sogar unser Seebad (Gott sagt tatsächlich - unser) gesehen. Und gerade dort, wo wir immer ..., fährt er fort. Da will sie mit ihrem fetten Arsch die Küste kontaminieren?, sage ich nachdenklich. Gott wirft mir einen bösen Blick zu. Gleich in mehrfacher Hinsicht scheint der Rüffel gerechtfertigt. Ich nage an meiner Unterlippe. Es ist einfach ungerecht, Männer stehen auf solche Frauen, etwas Fleisch auf den Rippen. Wenn ich mich auf die Waage stelle, schüttelt Gott stets den Kopf. Keine 90 Pfund, sagt er dann und klingt besorgt. Aber erst letztens haben wir uns je einen Döner und Fritten geholt. Wir stritten um die Fritten, und als ich meinen Döner verputzt hatte, fragte Gott: Wo steckst du das bloß hin? Irgendwo anscheinend, wo's nicht ansetzt, kann ich nur betrübt feststellen. Dann nennen dich alle mager und einen Hungerhaken. Und alle Dicken wollen angeblich dünn sein. Was überhaupt nicht stimmt. Ich kann's auch nicht empfehlen. Das Chatfenster blinkt auf, Gottes neue Flamme hat geschrieben. Ich sehe ein Weinglas - noch was vor? - und erhebe mich. Schön, sag ich. Dann will ich mal nicht stören. Wir könnten uns doch alle mal zusammen ..., beginnt Gott. Ich verlasse das Zimmer. Machst du jetzt Essen?, ruft er mir nach. Ganz sicher nicht.


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Freitag, 16. September 2016

Prägung



Erwachsene Frau.
Also - ich blätter durch die Zeitung und lese von einem Giallo, ich denke, den kenn ich schon. Man könnte noch mal reinschauen, muss man vielleicht nicht - obwohl! Hätten die damals was zu erzählen gehabt ... Filmisch ist das meistens top. Tja. Der Text zum Film gefällt mir, dennoch runzel ich die Stirn, wenn ich lese: Okay, eine Frau wird gequält ... Usw. Klar. Kann passieren, passiert zuweilen sogar. Ich leg die Zeitung weg. Ich muss den Lindbergh immer noch beenden, da gab's zu viel Chaos in der letzten Woche, immer ist was wichtiger. Ich schau mal in eine andere Zeitung, was da so zum Starfotografen steht. Gleich neben dem ersten Bild der Models steht: Erwachsene Frauen - immer noch schön! Ich leg das weg. Man muss wahnsinnig vorsichtig sein - mit dem geschriebenen Wort. Vieles ist ja gar nicht falsch, was man so aufs Papier kritzelt. Ich betrachte Gott. Er ist ja grad kein alter Mann, vielmehr möchte man sagen: Ein Mann in den besten Jahren! Du bist ein erwachsener Mann, sage ich also zu ihm. Und immer noch schön!, Gott wirft mir so einen ganz sonderbaren Blick zu. Vermutlich fühlt er sich mal wieder verarscht. Ich schaffe das ständig. Missverständnisse. Dabei sage ich nur die Wahrheit. Ich übertrage zugleich geschriebenes Wort. Aber Männer und Frauen sind nun mal nicht gleich? Berechtigt. Gestern fiel mir plötzlich 'The Outsiders' ein, Gott wollte das nicht sehen, wir machten - à propos Gleichberechtigung - einen Deal. Erst Outsiders, dann darf er sich was wünschen. Sicher kommt er an diesem WE mit einem fünfstündigen Samuraifilm mit Untertiteln an. Na ja, Deal ist Deal. Outsiders ist kein guter Film. Als ich jung war, war ich der Meinung, das sei ein klasse Film zu einem super Buch. Irrtum. Der Film hat ein mieses Skript, ist irgendwie mies getimt. Coppola hatte sicher nur an wenigen Szenen seinen Spass. Tja. Ich hab diesmal auch nicht geweint, als das böse Sensibelchen zum Schluss umgenietet wurde. Damals habe ich Sturzbäche vergossen. Tja, wenn der wirklich Gute stirbt, dann leidet man. Auch als Tom, er hieß doch Tom?, getötet wurde, hab ich schrecklich geheult. Reich und Arm. Papa hat mir damals dann das TV ganz verboten. Aber selbstverständlich hab ich trotzdem geschaut - und? Seitenwechsel! Als später, aus Rache Falconetti umgebracht wurde, war ich schon wieder in Tränen aufgelöst. Schwere Kindheit. Wir heulen nicht, bestimme ich also und betrachte nachdenklich Poire. Heulen stellt sich im Nachhinein zumeist als Unsinn heraus. Und du wirst kein Socs, sage ich streng, Poire schaut nachdenklich. Wir hassen die Socs, fahre ich fort. Dämliche Lackaffen, ich würde gern noch etwas fortfahren, aber Gott wirft mir einen Blick zu. Ich indes greife also zum Buch zum Film, statt Märchen werde ich Poire lieber mal die Outsider vorlesen. Schauen wir mal, ob das Buch besser ist als der Film. Robin kommt mit dem Telefon angerollt. Es ist Serge, sagt er. Du musst mit ihm sprechen! Muss ich eigentlich nicht. Serge war in der letzten Zeit nie da. Und das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben, absenter Mann - das kenn ich schon. Wenn die Sache ist, wie sie ist, ignoriere ich sie. Jetzt nicht, sage ich also. Robin wirft mir einen Blick zu. Der Engländer schüttelt den Kopf, er scheint enttäuscht. Poire beginnt zu heulen. Socs!, sagt Gott. Ich kratze mich am Kopf. Und nehm den dämlich Hörer.


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Mittwoch, 14. September 2016

Urlaub


Also, das ist in der Tat ein Triple-Shit-Urlaub. Erstens fahren wir nirgendwohin, dann haben wir schrecklich viel zu erledigen. Und dann arbeite ich auch noch nebenher doppelt so viel wie die letzten Wochen. Das läuft! Prima.
Da Gott im Grunde seines Wesens Romantiker ist, ich vergesse das nur immer wieder - zünde ich eine Kerze an. Schön, nicht!, sage ich verschwärmelt, die kleine Flamme kann seine Laune indes nicht heben. Er fummelt an seinem Handy rum. Acht Anrufe!, sagt er vorwurfsvoll und nicht zum ersten Mal, acht Anrufe! Das hab ich schon verstanden. Am Samstag wollte ich Gott anrufen, schließlich ist er nicht mit zur Party gekommen. Ich wollte fragen, wie's so läuft mit dem Chief und mit Poire. Und ich wollte mich mit jemandem unterhalten, der mir nichts Unverständliches ins Ohr brüllt. Und mit jemandem, der nicht lallt. Und. Dass ich mich vor der Rückfahrt auf der dunklen Autobahn fürchte und ... Und ich wollte Gott erzählen, dass hinter mir ein Typ sitzt, der exakt so aussieht wie der eine Typ bei den Sopranos. Der Alte mit der dicken Brille, der immer so gelächelt hat. Und genauso hat er mich immer angeschaut. Durch seine ganz dicken Gläser, sonderbar grinsend. Okay, das Telefonieren hat nicht geklappt, ich bekam einfach keine Verbindung. Allerdings war das wohl ein Irrtum. Gott spielt einen Anruf ab. Es klappt einfach nicht!, spreche ich von seiner Mailbox und klinge etwas aufgebracht. Jetzt kommt noch 5 Minuten Partylärm, sagt Gott. Ich knabber an meiner Unterlippe. Nächster Anruf: Nur ein einziges - ein einziges Mal möchte ich ein beschissenes Handy haben, dass funktioniert ..., spielt Gott ab, ich fluche dann noch weiter. Meine Stimme klingt noch etwas aufgebrachter als zuvor. Gott wirft mir einen Blick zu. Meine Wortwahl war ungünstig. Es folgen weitere 5 Anrufe dieser Art, lässt er mich wissen. Dann spielt er den letzten ab: Ich bin jetzt schon mal auf der Autobahn, rufe ich. Es klingt panisch. Die Verbindug wird einfach nicht aufgebaut, rufe ich. Hört sich an, als sei die Hinterachse gebrochen! Ich bretter jetzt einfach durch, rufe ich heroisch. Und spreche dann noch ein wenig mit mir selbst. Dann dreh ich das Radio laut. Also. Seine eigene Stimme auf Band zu hören -. Ich räusper mich. Und überlege. Dann kann ich also telefonieren, lege aber nicht auf? Warum bist du nicht ran gegangen? Gott winkt ab. Wir müssen Telefonieren üben, schlussfolger ich. Es ist wichtig, dass man mit seinem Handy telefonieren kann. Gott seufzt. Dann mach ich mal die Kerze wieder aus und geh an die Arbeit. Das Jungs-Team ist grandios. Schau, sag ich, das ist der Chef, ich dachte, der sei so ein Nerd, aber der erklärt alles grandios. Und das ist der Dings, wenn ich den was frage, erklärt der mir alles. Letztens hatte ich so eine ganz komplizierte Rechnung. Und .... Top, er hat mir sofort geholfen. Gott nickt zufrieden. Prachtjungs!, sagt er. Sicher, weil er weiß, dass sie ihm viel Arbeit abnehmen, denn wenn ich anfange, Fragen zu stellen. Oder zu telefonieren ... Nun ja. Und News sind grandios. Letztens kam der 19 Sekunden Teaser zum Trailer von diesen 50 Grauschatten raus. Da muss ein News-Redakteur sofort handeln. Da wird er umgehend ganz kribblig. Und am besten immer direkt nach dem THR melden. Be the first. Sonst kannst's eh vergessen. Usw. Allerdings läuft alles über FB. Und da schlagen sie mir ständig Freunde vor, dabei hab ich doch schon welche - mit den meisten Bekannten bin ich auch gar nicht befreundet. Wozu? Privatssphäre! Und dann wurde mir ständig die Dings vorgeschlagen, die zuletzt da in meinen Texten rummurksen durfte. Und ganze Sätze so verändert hat, dass jeder Leser umgehend stutzen musste. Was ist das für ein Stilbruch? Woher kommt diese Wortkombi? Usw. Nein, so geht Korrektur nicht. Und bevor wir zwei Freunde werden, brauchen wir sicherlich einige Jahre Mediation. A propos - stets wird mir auch ein Typ vorgeschlagen, dessen Texte ich sogar auf der Startseite finde, wieso, weiß ich noch nicht. Indes - der Typ ist ein ganz heißer Kandidat für die wenigen Einstigsten. Ich würde empfehlen: Umgehend rekrutieren! Er ist wirklich nicht dumm, ganz im Gegenteil vermutlich. Und er kann schreiben. Und in seiner unterschwelligen Arroganz ist er kaum zu überbieten. Ich klick den weg. Und wieder a propos - arbeite mal lieber weiter. Ab nächster Woche bin ich dann nämlich die einzigste Einzigste. Das wird spannend. Dann muss ich mit dem frz. Chef direkt kommunizieren. Prima! Die einzigste Einzigste dann, die in der Firma Deutsch spricht. Das ist perfekt, denn wenn außer mir niemand Deutsch spricht, müssen alle mit meinem Französisch klarkommen! Hoffentlich komm ich mit dem Chef klar, sage ich zu Gott und seufze. Ruf ihn niemals an, sagt Gott. Ich nicke.


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Samstag, 10. September 2016

Guckst du mal ...


rufe ich. 
Gott guckt.
Was soll ich anziehen?, frage ich.
Zu deiner Feuerwehrmann-Party?, fragt er.
Also. Meine ist es sicherlich nicht.
Und ich bin auch kein großer Freund des geselligen Beisammenseins.
Gott weigert sich, mich zu begleiten.
Ich werd den gesamten Abend doof rumstehen. Nun ja.
Vermutlich wird er's sich auf der Couch gemütlich machen.
Der Glückliche.
Egal. 
Also?
Die legere Variante?


Die etwas elegantere?


Oder das unbequeme Zieh-Den-Gesamten-Abend-Den-Bauch-Ein-Kleid?
Also?


Was soll ich anziehen?
Andere Schuhe, sagt Gott. 
Und sucht sich eine DVD raus.
Aber! Die wollten wir doch gemeinsam ....
Du hast ja was Besseres vor, sagt Gott.
Und lacht.


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Mittwoch, 7. September 2016

Was ist bloß?


früher mal mein Lieblingstier gewesen?



Das vielschwänzige Wildschwein?
Und wieso ist Gott nicht eine Fotografen-Legende?
Lindbergh durfte sich die Locations für den Pirelli-Kalender selbst aussuchen.
Und ist u. a. direkt nach Le Touquet gereist.
Schade, dass wir nicht da waren!
Ich werfe Gott einen bösen Blick zu, 
weil er nicht Star-Fotograf ist.
Naja.
Dafür kennt er das MCU.
Was ist bloß das MCU?
Es muss riesig sein, ein Parallel-Universum, das mir unbekannt ist. Es gibt doppelte Knight Riders dort und unfassbar viele Helden, die sonderbare Dinge treiben. Ich hasse es, keine Ahnung zu haben. Schreib aber trotzdem weiter - die Fans werden sich schon beschweren, wenn's verkehrt ist. Gott wird mir an diesem lauen Sommerabend jedoch erklären, was da so alles los ist. bei Marvel's. Damit ich meine eigenen news endlich mal verstehe. Uih!




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Montag, 5. September 2016

Endlich


Da es ja bei uns mit der Kunst nicht weit her ist, freuen wir uns nun endlich mal wieder - quasi offiziell - Zeit zu haben, ein Photobuch goutieren zu dürfen. Dies nämlich - zur Lindbergh-Ausstellung in Rotterdam. Und da ich ja bislang Franzosen wie Sieff und Jonvelle den Vorzug gebe, ist das nicht nur eine feine neue, so neu ja auch nicht, Erfahrung, sondern auch äußerst informativ. Da macht nicht nur das Gucken Spaß, sondern auch der zusammengefasste Input von Wissen, das wir Alten ja alle selbst erlebt haben. Eine spannende Sache - da möchte man tatsächlich mal wieder ein Museum besuchen. Tja, da wir momentan ja eigentlich im September-Urlaub wären, den wir dieses Jahr indes in den Frühling vorverlegt haben, erinner ich mich kurz an den Ausflug ins wunderbare Dior-Museum. Es war herrlich. Nur etwas heiß. Serge blieb mit Poire und dem Chief draußen vor der Museumstür, geh du ruhig, sagte er großzügig und setzte sich mit den beiden in den Schatten. Der Hund durfte eh nicht rein, mit Poire im Wagen wäre es in der kleinen Villa schwierig gewesen. Und auch zu stickig. Also gut, Serge war selbstlos, ich ging allein. Der Garten ist wunderschön! Ich machte Fotos und sofort hatte ich einen neuen Freund. Das wird 'une très belle photo', prophezeite er stets, sobald ich rumknipste. Netter Mann! Dann wandelten wir ein wenig weiter in den Park - immer mit Blick aufs Meer, und er schwärmte mir von der Belle Epoque vor. Da er das Reden selbst übernahm, bezweifel ich, dass er überhaupt bemerkte, dass ich keine Französin bin. Für die Rosen sind wir etwas früh, stellte er fest, als wir den Rosengarten betraten. Wollen wir langsam einen Blick ins Museum wagen?, fragte mein neuer Freund etwas später. Er war mindestens 10 Jahre älter als Gott. Wir betraten die Villa. Es war großartig. All die Bilder, die Artikel. Und klar - die Kleider! Mein Freund und ich gerieten ins Schwärmen. Doch dann musste ich ihn und die Ausstellung irgendwann verlassen, da draußen ein Mann mit Kind und Hund in brütender Hitze warteten. Nun ja. Serge - damals noch in Freiheit. Wir verstanden uns gut. Auch noch am Strand. Doch dann gab's im Supermarkt nur Dosenbier! Kann nicht sein, sagte ich, da ich draußen bei Poire geblieben war. Wir betraten gemeinsam den Laden, Serge zeigte mir ganze Wände leerer Regale. Die Regale, wo einst Bier in Flaschen angeboten wurde. Streik, zuckte der Filialleiter die Achseln. Von der Spedition. Flaschen sind hier überall seit Tagen ausverkauft. Und das war's dann mit der guten Ausflugs-Laune. Ach ja, Serge. Er fehlt mir natürlich ein wenig. Aber dafür ist meine neue Jungs-Truppe bislang derart nett! Und alle erklären mir alles. Selbst meine dämlichsten Fragen. Gibt's hier eigentlich kein Mädel? Nein?, frage ich. Gut. Dann kann man ja auch mal einer älteren Dame bei Startschwierigkeiten hilfreich unter die Arme greifen. Und nachdem ich ein wenig rumgemurkst hab, der Dings die Fehler bereinigt hat, mich indes beruhigt 'alles gut!'. Und der andere neue Lieblings-Dings mir dann haarklein erklärt hat, was ich wieder falsch gemacht hab, schnell wieder zurück zum Lindbergh. Du musst unbedingt bessre Fotos machen, sage ich zu Gott. Technik, Licht und Schatten und ... Erstaunlicherweise nickt Gott. Womöglich denkt er an andere Models als Inès. Womöglich möchte er auch noch in die Fotografie-Geschichte als 'der Mann, der die Frauen liebt' eingehen. Tja. Trotzdem - unser Lieblingsphoto bleibt? Gott nickt, ich hab's ihm gerahmt über seinen Bürotisch im Olymp gehängt.



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Sonntag, 4. September 2016

Entweder


Ich hatte eine Idee. Die Jungs sind nämlich sehr nett. Gott seufzt, seit er sich intensiv mit weiblicher Wahrnehmung auseinandersetzt - durch seine engen Beziehungen mit Capucine, Sylvie und notgedrungen auch mit mir - ist er argwöhnisch geworden. Männern blind zu vertrauen, grenzt nicht selten an selbstzerstörerische Kühnheit. Doch, doch, verbleibe ich optimistisch. Es ist nur wie im echten Leben, am besten knöpft man sie sich einzeln vor. Gott wiegt den Kopf. Meine Idee kam dennoch nicht wirklich gut an. Ich dachte nämlich - was die wenigen Einzigsten können ... Wie wär's, wenn wir das Niveau heben?, fragte ich also. Darauf folgte Schweigen. Nachdenkliches Schweigen eventuell. Missmutiges Schweigen womöglich, schwer zu sagen. Ich nannte ein paar Dinge, die ich vermisse, die Mauer des Schweigens konnte ich so nicht durchbrechen. Wenn du's erst mal kannst, begann einer und ließ das Gesagte im Raum verklingen. Das ist nämlich in der Tat noch ein Problem, ich kann's noch gar nicht richtig. Also stimmte ich dem zu. Sobald ich's kann, gehen wir die Sache an. Wir schauen mal, antwortete der Dings - vage. Also hab ich mal selbst geschaut. Und ich schätze, ich versteh langsam, was unsere Perspektiven trennt. Sie arbeiten an einem anderen Niveau, sie beliefern ein Publikum, das teilweise unvorstellbar viel Ahnung von etwas hat, das ich nicht mal kenne. Blöd. Einarbeitung. Ich zog meinen Antrag zurück, wenn ich's kann, schlug ich vor, könnten wir die Interessengebiete womöglich etwas ausweiten. Ich stieß auf Zustimmung! Wenn du's kannst, meinte der Dings. Ja. Dann aber ... Man darf ja wirklich niemals unterschätzen, wie beschränkt die eigene Wahrnehmung doch ist. Beim Dings aber eventuell nicht. Die Dings hat nämlich einen neuen Freund, der ziemlich gut aussieht. Und er kann überall hinschauen. Gleichzeitig. So wirkt es zumindest. Das ist faszinierend. Also fragte ich ihn, wo schaust du grad hin?, fragte ich und blickte mich um, um ebenfalls einen Blick in die Ferne zu werfen. Ich schau dich an, sagte er und lachte. Ist verwirrend, aber ich bin dran gewöhnt, sagte er und zuckte die Achseln. Man wird auch im Alter quasi wie in der Schule dafür gehänselt, sagte er. Schien mir aber meine Verwirrung nicht wirklich übel zu nehmen. Ich entschuldigte mich, aber Fakt ist: Es steht ihm. Es ist einfach nur verwirrend. Für die anderen. Dann treffen wir den Dings, dessen neue Freundin ist bestimmt 15 Jahre älter als er. Seither wird darüber viel und oft gelästert. Hinter seinem Rücken, versteht sich. Verstehst du das?, frage ich Gott, der immerhin mit Sylvie eine beachtlich jüngere Partnerin an seiner Seite hat. Auch wenn wir aus reiner Eifersucht dafür sorgten, dass an seiner Seite aktuell in Japan ist. Wir mussten die Turteltauben voneinander trennen. Aus Egoismus, klar. Gott sagt, er habe mit Altersunterschied kein Problem. Würdest du mich heiraten? Wenn ich zehn Jahre älter wär als du?, hake ich nach. Gott zuckt die Achseln, ich würde dich auch nicht heiraten, wenn du zehn Jahre jünger wärst, sagt er dann. So schaut's also aus. Man sollte nie zu viele Fragen stellen. Man möchte die Antworten ja gar nicht hören. Ich hab wieder eine Idee. Hier ist schönes Licht, sage ich. Mach mal ein Künstlerfoto! Ich sollte meine Schuhe ausziehen, eigentlich sollte ich mich hinsetzen. Aber der Boden ist kalt und matschig, ich behalte erst mal alles an. Und steh nur rum. Klappt's?, frage ich. Entweder - oder, sagt Gott. Die Blume und die Füße, sage ich. Du musst mit der Schärfe spielen, nicht Automatik, ich verliere mich in Anweisungen. Zudem fotografiert Gott von oben, hock dich mal richtig hin, bestimme ich. Von unten - durch die Blume und den Sonnenschein. Bis zu den Füßen. Und nicht im Querformat. Obwohl es hier um Können und Virtuosität geht, verweigert Gott meine Besserwisserei. Und deshalb - gibt's auch mal wieder keine Kunst! Nur zwei sinnlose Fotos. Meine Stimmung kann das nicht verderben. Stell du dich mal dahin. Und zieh die Schuhe aus, bestimme ich. Gott zeigt mir einen Vogel. Das Leben ist schrecklich kompliziert. Und die Kunst ...!







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Samstag, 3. September 2016

Die wenigen Einzigsten


Ich mach so ein Geräusch und tippe wild drauf los. Was machst du da?, fragt Gott streng, denn er befürchtet stets das Schlimmste. Ich wollte mal was kommentieren, sage ich. Erkenntnisse über Motten und das ... Gott, der unerwartet neben mir steht, löscht meinen Kommentar. Das ist Zensur, lasse ich ihn wissen. Das ist einfach nur klug, behauptet Gott. Die wenigen Einzigsten, Gott hat momentan ein Faible für Superlative, die wenigen Einzigsten sind Erleuchtete. Da mischt du dich nicht ein. Ich staune. Nennen sie sich so?, frage ich interessiert. So werden sie genannt, nickt Gott. Sie haben viele Jünger um sich geschart. Und verkünden die Wahrheit?, murmel ich ehrfürchtig. Gott wiegt den Kopf, das wissen wir also nicht. Wie gefährlich es im Licht ist, allerdings schon. Erst gestern Abend wieder fliegt mir ein Schneider ins Zimmer, steuert direkt auf die Lampe zu und führt dort sein Tänzchen auf. Freundlich wie ich bin, suche ich ein großes Glas, eine Leiter und eine dicke Zeitung zusammen, um ihn zu retten. Das Licht knipse ich aus. Dann finde ich ihn nicht mehr. Tja, er wusste es nicht besser, ist in den Flur geflogen - voll vor die Lampe. Das hat ihn zwei Beine gekostet. Nach einigen schweren Zuckungen dann den letzten Atemzug. Der arme Kerl, ich mag die Dinger mit den dürren Beinen nicht, aber so muss man ja nicht enden. Nun ja, ich wende mich also ab und werfe einen Blick auf eine andere Seite. Dort bezieht sich jemand auf eine Quelle. Es wird teuer, die offiziell zu rezitieren, glaubt er. Ich kicher. Wer weiß. Der Jungs-Trupp ignoriert mich eh, das kann ich auch. Ich starte eine Suche nach den Eingeweihten. War das früher auch deine Lieblingsserie?, frage ich Gott. Gott überlegt. Die Eingeweihten - ich weiß gar nicht mehr so genau, was sie alles trieben. Sie konnten mit unsichtbarer Tinte schreiben. Sie tranken Wein oder Blut in sonderbaren Zeremonien. Und sie schlichen stets auf Friedhöfen umher. Seit Jahren versuche ich in Frankreich an die DVD zu kommen, bislang erfolglos. Hier gibt's einen Einblick ins Abenteuer. Es war so spannend!, lasse ich Gott wissen. Hast du das denn nie geschaut? Gott wirft einen Blick aufs Video. Meinst du, die wenigen Einzigsten treiben es auch im Geheimen so wild?, frage ich. Gott wiegt den Kopf. Sie sind alle Berufene, sagt er. Schade, ich wurde nie berufen - oder wie sagt man? Gott sagt, ich kann auch keine Göttin werden, da hat der Olymp ganz strenge Regeln. Überhaupt - kaum ein menschliches Wesen kann Gott werden. Im Olymp haben sie allerdings auch noch eine Menge von früher. Sind die wenigen Einzigsten unsterblich wie die Götter?, frage ich interessiert. Gott lacht! Dann fällt mir etwas ein, was Flaubert einst sagte. Über ähm ... Ich rezitiere meine Quelle. Aber nicht offiziell und nicht in der Öffentlichkeit - Gott seufzt.


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Freitag, 2. September 2016

L'Obscurité


“Into the darkness they go, the wise and the lovely. ”
Edna St. Vincent Millay


Inès.



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Donnerstag, 1. September 2016

In vollster Zufriedenheit


Da ich mich als miserable Schülerin in unserem Diplomatie-Kurs erweise, beginnt Gott unsere Stunden stets mit einem Vortrag über das heitere Gemüt. Die Fakten habe ich inzwischen verinnerlicht. Bei der Umsetzung hapert's noch. Da ich gern zum Kern der Sache vorstoße, hake ich nach: Unstimmigkeiten, sage ich und schaue auf die Uhr. Kommunikation, präzisiert Gott. Oft basieren Unstimmigkeiten allein auf einem Missverständnis, nimmt Gott den Gedanken auf. Ich wiege nachdenklich zweifelnd den Kopf. Gerade in dieser Hinsicht ist sprachlicher Feinschliff gefragt, fährt er sodann fort. In aller Freundlichkeit und Deutlichkeit sollte man seinen Standpunkt vertreten. Das sehe ich ein. Das mache ich gern. Doch Rummaulen, wie ich es gern tu - macht schnell unsympathisch. Der Diplomat kann lauschen, sagt Gott sodann. Ich nicke, weil es plausibel klingt. Wie die Psychopathen. Der Diplomat schlägt im Zweifel den Umweg ein, nimmt Gott den Faden wieder auf. Ich seufze. Ohne jemals sein Vehandlungsziel aus den Augen zu verlieren. Klar! Diplomatie konzentriert sich immer auf den gemeinsamen Kern der Sache, sagt er. Ich horche auf, denn schnell entgeht mir der gemeinsame Kern bei einer ... Unstimmigkeit. Ein Manko! Diplomatie kennt keine Emotionalität usw. Gott ist da wirklich gewiefter Profi. Und ich? Eine Xanthippe. Trotz aller Bemühungen, ja, das ist traurig. Und ständig nörgel ich an den Kunden rum. Anstatt? Einen Blick ins Konto zu werfen. Und ich staune! Und lese den Betreff: In vollster Zufriedenheit mit Trinkgeld - steht da. Wow. Und was für ein großzügiges Extra! Umgehend bin ich heiteren Gemüts. Schau mal!, rufe ich Gott. Siehst du das Plus? Zur addition? Gott nickt. Da hast du den Beweis, sagt er. Diese Rummaulerei ..., ich bestätige das. Ist nur böse! In vollster Zufriedenheit, murmel ich und reibe mir die Hände. Prima! Nun, beginnt Gott, das Adjektiv 'voll' kann eigentlich nicht ..., ich werfe ihm einen bösen Blick zu.


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Wahrnehmung


'Narcos' ist angekommen. Supa! Also - der neue Chef ist wirklich perfekt organisiert, das darf man mal so sagen. Ich bin sehr zufrieden und reibe mir die Hände, denn 'Narcos' ...! Exakt, das haben sogar schon die Großen gesehen. Trotzdem - ich schau auch noch Bikie Wars, goutieren wir unseren eigenen Geschmack, toute seule ! Diversität schadet ja selten. Und Dissens ist eine wichtige Basis für Demokratie. Schließlich sind alle Menschen usw. Doch manche sind eben wichtiger als andere, macht ja nix. Das ist womöglich nur eine simple Frage der Wahrnehmung. Der eigenen am Ende. Gott z. B. ist so ein weiser Gott, doch eben auch ein junger Gott. Und so gesehen, ist sein Einfluss gering. Darüber ärgere ich mich mehr als er selbst. Er ärgert sich eigentlich gar nicht drüber - ja, er ist klug. Nun, ich bin nicht immer einverstanden mit seinen Ansichten, und doch wäre es sicherlich nützlich, Gott und seinem Wort viel mehr Beachtung zu schenken. Doch es werden stets die gleichen Stammtischgötter gefeiert, die sich ganz gern ungehemmt selbst zelebrieren. Und bereits seit Jahrtausenden Unfug stiften. Ja, es ist mal wieder komplex - mit dem Richtig und dem Falsch. Also FB versteh ich langsam. Da kann man viele Dinge tatsächlich ganz flink regeln, das ist wirklich praktisch. Man kann Männer abonnieren! Und das ist natürlich ... Also. Ganz nach meinem Geschmack. Wie man das Abo im Zweifel wieder löscht, hab ich noch nicht ganz durchschaut. Und was mich nervt - man sollte ständig eine Meinung haben. Das ist nicht mein Ding, da die Sachlagen zumeist komplexer sind. Alle finden ständig irgendwas toll. Oder sind betroffen. Das stimmt mich nachdenklich. Wie auch die Arbeit. Da gibt es Auftraggeber, die formulieren ihre Aufträge derart sprachlich ausgefeilt und ausführlich, dass man sich fragt, warum hast du das nicht gleich in die Form gefasst, in der Du's haben willst. Steht doch alles längst da. Umschreiben ist also sehr gefragt. Warum, weiß wohl niemand. Und dann die anderen, die nicht mal den Kern ihres Anliegens formulieren können. Ich nehme momentan nur Aufträge an, die dem Autor mindestens einen 3-Tage-Zeitrahmen lassen. Klar, meistens schafft man's dann bis zum Abend, aber schließlich kann immer was dazwischenkommen. Und ein wenig Kulanz mit Geringverdienern scheint mir angebracht. Und übrigens - ganz viele Aufträge verbleiben dann als Ladenhüter. 3500 Wörter über ein medizinisches Spezialgebiet innerhalb von 24 Std. verfassen, das kann vermutlich nur der Chefarzt. Wenn er nicht grad im OP steht. Tja. Eine Wahrnehmungsfrage vermutlich. Und so ist es auch mit den Männern. Ständig klagen wir über sie, weil Männer nun mal - doch. Und dann sehen wir diese heroische Tat von diesem Helden und sind hingerissen. Wenn ich mal kollabiere, wirfst du mich dann auch über deine Schultern und trägst mich vom Platze?, frage ich Gott. Selbstverständlich, antwortet Gott ohne jedes Zögern, er ist nun mal ein Held. Ich nicke zufrieden. Wenn Gott mal kollabieren sollte, weiß ich noch nicht, wie ich ihn möglichst zügig aus der Bredouille bekomme. Wenn dir mal was passiert, werd ich mir was einfallen lassen, beruhige ich Gott. Der nickt. Männer haben's nämlich auch nicht leicht. Das wissen wir. Und daher schläft Gott jetzt auch bei mir. Das ist nicht so ein Freundschaft Minus-Experiment. Eigentlich sind wir ja gar keine Freunde. Es ist keine Probe züchtiger Enthaltsamkeit. Und wir arbeiten auch nicht meine Liste ab, es ist eine reine Schutzmaßnahme. Denn seit ich wieder schlafwandel, fühl ich mich nicht wohl. Und nun ist auch noch der Engländer im Haus, wir wissen, dass er ein Gänger ist, da muss man als Frau doppelt vorsichtig sein. Und, sagte ich zu Gott. Was machst du, wenn Capucine heute Nacht vor dir steht? Gott überlegte. Wir dürfen uns jetzt nicht überrumpeln lassen, redete ich auf Gott ein. Wenn Capucine und ihre Leute uns nämlich erst mal wieder rumgekriegt haben ... Gott leuchtete das ein. Und da der Verstand zuweilen gegen die Hormone machtlos ist, willigte er - wenn auch zögernd - in mein Nachtprogramm ein. Also, beruhigte ich, das ist nichts als eine Vorsichtsmaßnahme. Ein Matratzen-Bündnis gegen das Böse. Und so schmieden Gott und ich Pläne, wie wir uns am besten vor unserer alten Freundin Capucine und ihren Männern sowie vor unseren eigenen tiefsten inneren Gegnern (nämlich Herz und Hose) schützen können. Gott weiß Rat - er zitiert sein alter ego: "L'amour, comme le reste, n'est qu'une façon de voir et de sentir. C'est un point de vue un peu plus élevé, un peu plus large ; on y découvre des perspectives infinies et des horizons sans bornes." Das ist mal wieder sehr komplex. Wir denken nach.




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Mittwoch, 31. August 2016

L'Homme


“Living with him is like being told a perpetual story: 
his mind is the biggest, most imaginative I have ever met. 
I could live in its growing countries forever.”
Sylvia Plath

Inès.


alternativ



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Der Gänger


Da heute quasi Sonntag ist,
machen wir einen Ausflug.
Zunächst geht's ab in den Wald.



Perfektes Wetter, perfekter Tag -
nur ich bin hypernervös.


Denn direkt nach der Rast in der Natur-Idylle
hat Chief Walker seinen Termin bei der
Wunderchiropraktikerin.
Und dort hält Gott den Chief fest,
während ich hysterisch beruhigende Worte murmel.
Und der Chief sich in Panik den Nacken lang ziehen lässt.
Also.
Wenn er sich danach wieder in seine Schonhaltung zurückzieht,
sagt sie, bewirkt es nichts.
Wenn er nach zwei, drei Tagen agiler wird,
können wir die Behandlung in ein paar Wochen fortsetzen.
Der Chief ist groggy.
Und topfit.
Bis auf seine neurologischen Probleme. 
Mykotherapie, sage ich.
Reishi, Shiitake und Hericium, sagt Gott,
der sich inzwischen ganz gut mit meinen Wundermittelchen auskennt.
Wir werden also versuchen, dem Chief einen perfekten Lebensabend zu gestalten.
Dieser Hund hat keine Schmerzen, sagt die Frau.
Immerhin.
Dann darf er nur nicht verlernen zu laufen.
Zwischendurch wird er nicht wissen, wo seine Pfoten sind,
sagt sie.
Ich nicke.
Und dann fahren wir zur Dings.
Vor Jahren trennten sich unsere Wege in einvernehmlicher Unstimmigkeit.
Das ist lange her.
Ich betrachte nachdenklich meine Füße auf dem Armaturenbrett.
Ich hab kleine Füße, sage ich.
Kann man so sehen, sagt Gott. Und überholt halsbrecherisch einen Wagen.
Jemand hupt von der Gegenfahrbahn, Gott zeigt ihm einen Vogel.
Er ist auch geladen. 
Vermutlich, weil Capucine wieder aufgetaucht ist.
Serge ist auch nicht tot.
Ich überlege, was das für mich bedeutet.
Wäre er tot, würden sie mir bestimmt Poire wegnehmen wollen.
Das weiß man nicht, sagt Gott.
Du hättest dich nie mit ihnen einlassen sollen, rügt er mich.
PFFF. 
Wer hatte denn zuerst was ... Mit Capucine?,
hake ich nach.
Gott räuspert sich.
An dieses dunkle Kapitel in seiner Lebensgeschichte möchte er nicht erinnert werden.
Dabei sieht sie umwerfend aus,
immer wieder staune ich,
wie scharf Capucine in ihrem Alter ist.
Marine und Delphi werden sich freuen,
sage ich sodann überaus missmutig.
Du suchst dir eben immer die falschen Männer,
antwortet Gott spitz.
Jetzt können sie sagen, es ist alles Mums Schuld.
Unsinn, versucht Gott zu beruhigen.
Aber genau das werden sie sagen.
Schon wieder ein absenter Vater,
der im Knast sitzt.
Was bedeutet das für uns?, frage ich Gott.
Sie brauchen euch zwei, sagt Gott.
Serge ist Capucines Bodyguard.
Oder so ähnlich.
Und sicher soll er bei Laune gehalten werden.
Und loyal die Klappe halten.
Da kümmert sich die Familie,
dass Gefährtin und Tochter ...
Wenn er aussagt, kommt er bestimmt schneller raus, überlege ich.
Gott lacht, denn wenn Serge aussagt,
bin ich bestimmt ganz schnell Witwe.
Komplizierte Sache.
Wir fahren bei der Dings vor, die schon auf der Straße wartet.
Und dann geht's los -
die Damen plappern ohne Pause,
Gott vertieft sich in eine Zeitung.
Ich probiere Gürtel von der Dings.
Und verliebe mich in das Teil hier,
das leider schräg über den Hintern rutscht -
immer ist alles zu groß.

 
Du bist einfach zu dünn, sagt die Dings.
Zart gebaut, berichtigt Gott hinter seiner Zeitung,
bevor es gleich beim Versöhnungstreffen wieder zu Streit kommt.
Aber der Gürtel ist klasse.
Na ja.
Der Chief wacht auf und schaut sich um, wo er wohl ist.


Und tatsächlich steht er dann auf,
um die fremde Wohnung zu erkunden.
Er geht ganz gut, sage ich.
Gott nickt.
Walker,
sagt die Dings.
Früher, wenn ich mit der Oma im Eiscafé saß,
haben wir immer Männern hinterhergeschaut.
Klar, das war schon immer so.
Und dann hat sie mit dem Kinn auf einen gedeutet und gesagt ...
Ich nicke:
Das ist ein Gänger,
hat sie gesagt.
Ein Gänger?, fragt Gott.
Die Dings und ich nicken - 
ein Gänger, bestätigen wir unisono.
Was ist ein Gänger?, fragt Gott.
Ach!
Der Engländer ist ein Gänger,
erkläre ich Gott.
Der seufzt.


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Dienstag, 30. August 2016

Die Großen


Liebe Frau W., Ihre Rezensionen gefallen uns sehr, sie sind gut geschrieben und detailliert ... Endlich sagt's mal jemand. Prima. Zufrieden öffne ich die nächste Mail und gleich? Ein Dämpfer. Denn der nette Mann vom Label teilt mir mit, dass Underbelly nicht weitergeht. Nicht auf Deutsch, weil nämlich??? Exakt, die Großen haben's vergessen zu erwähnen. Dafür aber endlos über Serien geschrieben, die mies waren. Mit Depardieu z. B. Der Hype halt. Ich bin stinkig, denn jetzt muss ich die nächsten Staffels also auf Englisch schauen, was gar nicht so simpel ist, denn diese Australier ... Deshalb haben wir bislang auch noch nichts weiter von Bikie Wars gehört, da gibt's nicht mal Untertitel, aber es geht ganz oft hoch her. Und wenn die Jungs dann streiten und Pläne ausbrüten ... Ich wünschte, wenn ich schon nicht Rezensenten-Rezensentin sein darf, ich könnte wenigstens mal eine Richtung vorgeben. Oder ich mach es jetzt wie der Dings, der sich so freute, als er endlich etwas zum guten Geschmack im Genre beitragen durfte. Kluge Leser meiner Rezensionen, werde ich dann schreiben, sollten längst wissen .... Na gut, kluge Leser brechen dann womöglich direkt die weitere Lektüre ab. Oder - ich mach eine eigene Bestenliste - auch nicht schlecht. Die wird nur leider niemand wahrnehmen. Wie auch die Underbelly-Rezi. Kennt ja niemand! Bedauerlich! A propos Bikie Wars - heute steht in der Zeitung, dass die zwei Angels von Sonntag vielleicht doch nicht zu einer Prügelei unterwegs waren, da in der Stadt gar keine rivalisierende Gang anwesend war. Tja, wir sind von Vorurteilen durchdrungen. Und ich hab meine Chance vertan, hätte ich den einen umgenietet, hätte ich den Fetten fragen können: Wo wolltet ihr zwei denn eigentlich hin? Jetzt wissen wir's also nicht. Und wieder einmal steh ich vor der Frage, was das alles so faszinierend macht. Und ob faszinierend überhaupt der richtige Ausdruck dafür ist. Geheime Bünde sind vermutlich immer faszinierend. Vermutlich sind Freimaurer ebenso faszinierend, sie tragen nur keine Kutte. Man erkennt sie nicht so leicht, also fragt man sich selten, was die im Geheimen wohl treiben. Oder trieben. Und welche Logen es eigentlich gibt, die die Öffentlichkeit lieber scheuen. Nun, der Ausflug von unseren Jungs war ja auch kein schöner. Vielleicht war das Treffen lange geplant, vielleicht kurzfristig anberaumt. Und ich stelle mir vor, Gott steht Sonntagmorgen ganz früh auf, wirft sich in seine Kutte, und ich frage ihn, was ist los? Er wird irgendwas murmeln. Mach dir keine Sorgen, wird er sagen und sich auf seine Maschine schwingen. Und dann seh ich ihn in den Nachrichten, die Polizei hat ihm Handschellen umgelegt. Er sitzt mit seinen Kumpels stundenlang in der brütenden Hitze auf dem Asphalt, bis einer wegen Kreislaufkollaps den Notarzt braucht. Tja, da kann man den Anwalt verstehen, der überlegt, ob er die Polizei verklagen kann. Ein unrühmliches Ende eines Ausflugs. Schikane! Und wir wissen doch, wie nett die Angels sind, seit wir die Doku mit dem Typen gesehen haben, der so gut erzählen konnte. Und die chicen Fotos macht. Und laut Mitglied Caesar Campbell soll Bikie Wars ja auch völlig falsche Tatsachen erzählen. Wobei er in seinen Büchern Tatsachen verschweigen muss. Weil er sonst tot wäre. Oder wieder im Knast. Eine komplexe Sache ist das. Für Außenstehende. Für's Fußvolk. Die man womöglich nicht mal durchschaut, wenn man Insider ist. Und dann klingelt's, und ich öffne die Tür und der Engländer und Capucine stehen vor mir. Gott murmelt irgendwas und verschwindet, mit Capucine hat er sicher nicht gerechnet. Und der Engländer schaut mich an, er ist ja so ein Mann, obwohl wir uns nicht mal gut verstehen, dem möchte man sofort seine Liste reichen - auf den ersten Blick. Auch das scheint eine komplexe Angelegenheit, die bislang niemand verstanden hat. Der Engländer beugt sich zu mir und küsst mich auf die Stirn. Mach dir keine Sorgen, sagt er. Jetzt sind wir da. Und sofort schießt mir Wasser in die Augen. Denn mit einem Male bin ich mir todsicher. Ist Serge ...?


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Montag, 29. August 2016

Entgegen


der hier üblichen Gepflogenheiten -
da wir uns insgesamt ja gern bedeckt halten - 
verweise ich also darauf,
dass ich mal wieder DVD geschaut hab!



geht's dann zur Underbelly-Besprechung.
Das Layout hab ich fast allein hinbekommen!
Nein?
Fast!
Und das Geschaute mit Knarren bewertet!
Yep ...


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Sonntag, 28. August 2016

La Vie


“Pray for the dead 
and 
fight like hell for the living.”
Mary Harris Jones

Inès.

Woke up

oder alternativ

Woke up


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