Montag, 17. Juni 2013

Der Strand


Tatsächlich fährt nun Lou sie in dem chicen Oldtimer zum Strand, auch wenn Nani nicht einverstanden ist, dass sie sich hinters Steuer gesetzt hat, nicht einverstanden ist, wie sie die Schaltung bedient. Erst ein schneller Seitenblick der frisch Angetrauten mit schmalen Augen führt dazu, dass er unverzüglich die Klappe hält, und sie so ihren ersten Ehestreit gerade noch umschiffen können.
‘Drum prüfe, wer sich ewig bindet -’ “Klar”, denkt Lou, “kaum brennt wieder ein Lichtlein in der Birne, will er sofort wieder Chef spielen”, und dann gibt sie Gas und flitzt noch schnell bei Rot über die Ampel. 

Am Strand legen sie sich windgeschützt an die Dünen, Lou raucht, trinkt Champagner, denn dafür wurden Tage wie dieser gemacht. Und Nani fällt ausgehungert über die Schlemmereien her, die man ihnen in der Hotelküche beim notgedrungen eingelegten Zwischenstop in einem geflochtenen Picknickkorb verstaut hat. Charlie und Lou beobachten mit ganz unterschiedlichen Gefühlen, wie Nani zu neuen Kräften findet. “Mein Knallkopf”, denkt Lou und schiebt dem immer esslustigen Charlie ein Stück Käse ins Maul, dankbar leckt der sich die Lippen. ‘Mehr davon’, soll das heißen, doch Lou gibt ihm einen Klaps auf das Hinterteil. “Schieb ab”, sagt sie, und Charlie trottet tatsächlich davon, um zu erkunden, ob Möwen vielleicht ebenso schreckhaft sind wie Tauben. Und nach einem kleinen Verdauungspäuschen und einer Zigarette erwacht ganz neuer Schneid in Nani, und er dreht sich auf die Seite, schaut von unten zu Lou hoch, und sie sieht, dass alles an ihm bereit ist, sich seinem zweiten großen Projekt auf ihrem von ihm ausgearbeiteten Arbeitsplan zu widmen. “Kein Mensch weit und breit”, stellt er fest und legt die Stirn herausfordernd in Falten, schiebt das Kinn vor. “Lass uns gleich zum Pflichtteil übergehen, Charlie steht Schmiere”, sagt er. “Weißt du was”, sagt Lou, auch wenn ihr durchaus bewusst ist, was für einen unpassenden Moment sie wählt. “Weißt du was? Ich will nicht, dass du weiter mit Max -” “Pschh”, sagt Nani und lächelt vorwurfsvoll, ganz mit etwas anderem beschäftigt. “Psss”, sagt er und seine Finger erproben sich an dem Verschluss ihres Bikini-Oberteils. “Alles wird gut”, sagt er. “Es wird keine Probleme mehr geben. Jetzt ist alles anders”, sagt er, rollt Lou mit einem einzigen Griff auf sich, schiebt sich an dem Stückchen Stoff vorbei und schließt die Augen. Und auch wenn sich eigentlich gar nichts anders anfühlt, und Lou ihren Gedankengang demnächst sicher noch einmal aufgreifen wird, widmet sie sich nun ganz ihren neuen Pflichten.


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Blüten









Und? Daheim?
Was für ein Glück, wer sich mal die Mühe macht 
und hoch ins Kinderzimmer steigt, sieht:
der Rambler blüht doch! Bislang zwar nur im Obergeschoss, aber immerhin ...
Ich warte jetzt seit 2 Wochen, denn so ein Apfelbaum ganz in Rosenblüte ...
Das ist schon ...
ganz hübsch -




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Sonntag, 16. Juni 2013

Wind




Erst hat sich der Chief gefreut, endlich nicht mehr draußen bleiben, also hat er sich in ein schattiges Eckchen gelegt und gedöst. 

So also endlich wieder - Schaukelzeit!


Dann hatte Walks aber keine Lust mehr zu bleiben, und weil wir die ständigen Hin-, Warn- und Verbotsschilder ja eh ... - ist er einfach gegangen! Und ich hinterher - und eine neue Leidenschaft entdeckt! 
Wind fotografieren -
gar nicht so einfach.





Und dann?
Regen -




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Alle


Sie geht über den Platz und überlegt, ob sie sich ein Eis kaufen soll. Plötzlich legt er einen Arm um sie und fasst ihr ins Haar. Er sagt irgendwas in ihr Ohr, das sie nicht versteht, fasst ihr an den Po, versucht, sie am Hals zu küssen. Sie dreht sich aus seinem Arm und tritt ihn vors Schienbein, läuft über den Platz durch irgendeine offene Tür. Steht in einer Boutique - atemlos und setzt sich auf die Treppe. Ich hab alles gesehen, sagt die Verkäuferin. Unmöglich! Willst du ein Glas Wasser?, sie verschwindet hinter der Kasse, kommt mit einem Glas Wasser zurück. Ich hab sofort die Polizei gerufen, sagt sie. Sofort, ich hab den schon mal gesehen, wie er das schon mal gemacht hat. Die Polizei gerufen? Ach du Kacke. Und dann steht sie wieder auf, nimmt ihre Sachen und läuft aus der Boutique hinaus, weg von der freundlichen Frau, weg von dem Platz, durch die Stadt. Bis sie nicht mehr kann, dann setzt sie sich auf den Rand eines Brunnens, die Füße im Wasser. Und hasst - alle.


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Samstag, 15. Juni 2013

Der Sinn?


Okay, vom Lieblingshirt werd ich mich nun verabschieden. Müssen! Schade! Aber - es ist einfach zu alt und bröckelig in der Aufschrift. Und gerade die ist immer ein Rätsel geblieben - was mag sie bedeuten? Keine Ahnung. Also ein bisschen vom neuen Moringa-Tee trinken, - ganz harter Stoff! - und während es regnet, in ein alte Lieblingsserie schauen. Hat die früher auch jeder gesehen? Im englischen Fernsehen lief die immer, und ich fand die Autos so scharf und die Frau, hieß sie Daisy?, denn die Typen kann man ja - na. Aber worum geht's da wohl? Alles ziemlich wild und komplett ohne Handlung? Und Norah hat mir damals all die Klamotten zur Serie gekauft! Ich weiß gar nicht, was es alles gab, was der Fan eben so braucht. Und immer: "This is FOR YOU! VICTORIA!" "Thank U, aber ich heiße Veronica!" "Yeah, I know. Just like me! My second name is VICTORIA." Okay, alles klar. Denn vielleicht wollen manche Dinge einfach keinen Sinn machen?


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Freitag, 14. Juni 2013

Die Zeremonie


Dann sitzen sie nebeneinander, auf weiß verhängten Stühlen, zwischen getäfelten Wänden und aufwendigem Blumenschmuck. Neben zwei Topfpalmen brennen mehrere Kerzen, und obwohl noch eine kleinere, ältere Frau kurz hereingehuscht kam und ein Fenster geöffnet hat, ist es heiß und stickig, und Nani schwitzt.
Lou fasst die Frau ins Auge, die in einem stramm sitzenden Anzug hinter einem Schreibtisch steht und nun versucht, Lou und Nani zu trauen. In diesem Moment schwadroniert sie gerade über Geschenke des Lebens und den Sinn der Liebe im Ich und im Wir, wenn Lou das richtig verstanden hat. Doch Lous aufmerksamer Blick scheint die Dame zu irritieren, und der Vortrag wird noch schleppender. Also schlägt Lou verschämt die Augen nieder, fasst unsicher mit den Fingerspitzen nach Nanis Hand, drückt ihre Wirbelsäule durch und wartet bescheiden, bis sie aus freiem Willen sagen darf:
Ja.
So, wie ein völlig abwesender Nani es ihr nach zweimaliger Aufforderung und einem harten Ellbogenstoß vorgemacht hat. Dann tauschen sie die Ringe, und Lou greift nach seiner Brust, zieht ihn zu sich herunter und küsst ihn. Nani lächelt verlegen in Richtung der Beamtin. ‘Okay, das Ganze ist ein bisschen viel für ihn’, denkt Lou. ‘Er hat kaum geschlafen, nichts gegessen. Wir haben keine Gäste, niemand filmt diesen Schwachsinn hier. Gott sei Dank. Abwesenheit im Oberstübchen während der Trauung … Das Kleid hat ihm den Rest gegeben.’ Und dann unterschreiben sie beide ein Papier, und im Nebenraum stürzt sich Lou auf das Hochzeitstörtchen und dazu - schon wieder - ein Glas Champagner und Meerblick. Will man ehrlich sein, ist all das eine wirklich schön organisierte Zeremonie an einem wunderbaren Ort. “Wurden wir soeben von einer stotternden Beamtin zu Mann und Frau gesprochen?”, fragt Lou mit vollem Mund und leckt sich bei der Hitze schmelzendes Marzipan von den Fingern, sie lacht. “Weiß ich nicht”, sagt Nani und zuckt die Schultern. “Hat sie gestottert?”, fragt er und fährt mit einem Finger durch Lous Haar. “Also, zumindest war sie bemüht, es nicht zu tun.” Lou schaut zu ihm auf. “Gefällt dir das Kleid?”, fragt sie. “Das hat Toni, der Ganove, der schönen Maria zu ihrer Hochzeit geklaut. Und Maria meinte, ich könnte dich damit - überraschen?” Nani nickt, seine Hand immer noch in ihrem Haar. “Möchtest du, dass wir gehen?”, fragt Lou. “Wir haben gerade ganz offiziell den Freifahrtschein ergattert: Nie wieder müssen wir keusch leben. Und genau das bringt mich gerade auf eine Idee”, sagt Lou, stellt den Teller mit dem Törtchen zur Seite und kippt den Rest vom Champagner hinunter. “Komm”, sagt sie und greift Nanis Hand.
Draußen, im Schatten der Arkaden, werden sie von einem überglücklichen Charlie wild begrüßt. Nani löst die Leine von dem ‘Hundeparkplatz-Haken, Lou klatscht strahlend in die Hände. “Wir kaufen etwas zu essen und fahren raus zu diesem einsamen Strand”, sagt Lou. “Und dort erholst du dich erstmal. Und ruhst dich aus. Und wenn du dann willst -”, sie lächelt, “dann darfst du dort die Braut endlich küssen.” Und Charlie bellt und rennt los und scheucht die Tauben auf, die sich auf dem Platz vor dem Rathaus versammelt haben. Und scheucht einen ganzen Pulk von ihnen auf. Und die Tauben fliegen erschrocken hoch. Und Lou und Nani sehen ihnen nach. “Auffliegende Tauben”, sagt Lou. “Würdigen wir diesen Augenblick”, sagt sie, wie es ihnen eben noch die Standesbeamtin vorgeschlagen hat.  



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Kritik


"Ich werde noch vierzehn große Arbeitstage brauchen, um meinen ganzen ersten Teil durchzusehen. Ich entdecke darin ungeheuerliche Nachlässigkeiten ..."

Ja, so ergeht es dem, der es wagt, in den eigenen Texten zu blättern.
Allerdings. Man muss selbstverständlich auch bei den Texten der anderen - selbst wenn es sich um die der eigenen Geliebten handelt - klare Worte finden. Und so geht es dann auch gleich weiter im Zitat:

"Das einzig wirklich Gute in Deinen beiden Gedichten ist das Mittelstück von Place Royale; der Schluss ist recht schwach. Warum läßt Du Deinem Talent für Bilder nicht mehr Spielraum? Du bist mehr bildhaft und dramatisch als gefühlsstark, merke Dir das."
(Flaubert: Briefe an die Geliebte) 


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Aus der Bredouille


Dieser kleine Piepmatz musste gestern Abend aber ganz fix aus dem Wasserbassin gerettet werden. Gut, dass ich die famose Idee hatte, vor dem Unwetter noch schnell den Salat zu gießen, sonst wär der Kleine abgesoffen. Kämpft er da wie wild im Wasser, also fix mit einem Handschuh und einem Spaten rausgeholt. In ein altes Nest gesetzt und dann überlegt, was nun? Den netten Nachbarn im Garten gegenüber erspäht und gleich gerufen: 'Komm mal! Bitte!' 'Nee', sagt er, 'dem geb ich keine gute Prognose.' 'Quatsch, wir müssen ihn nur irgendwo geschützt nach oben ..., damit zumindest die Hunde nicht drangehen. Und seine Eltern ihn schnell finden.' 'Wo kommt das Nest her?', fragt er, weil er mitdenkt. 'Aus einem Baum, das ist alt, ich hab ihn da nur zum Trocknen reingesetzt.' Er seufzt. 'Okay, ich schieb ihn da in den Busch', sagt er. 'Nee, das kann ich selbst, das ist zu niedrig, bevor er trocken ist und seine Eltern ihn wieder füttern werden, sollte er nicht auf dem Boden hocken.' 'Okay', sagt er, nickt und seufzt wieder, dann holt er eine Leiter und sucht ihm ein ganz geschütztes Plätzchen, ganz oben. Weil er so nett ist! Und der Kleine, sieht er nicht wild entschlossen aus zu überleben? Hat bestimmt geklappt!



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Das wird VERFEIERT!


So, sagt sie, das mit dem Testament ist jetzt endlich auch geklärt. Mann, war das kompliziert.
Aha. Und?
Alles, was übrig bleibt, geht an das Kinderheim. Und ich hab genau festgelegt, dass die damit nichts Vernünftiges anstellen dürfen. Das Geld ist nur zum Feiern! Kindergeburtstage, Feste, Kuchen, Geschenke! Und sonst nichts.Um den Rest sollen sich andere kümmern, dafür hab ich nicht gespart. Hab ich n'Knall?
Na, also. Quatsch, die werden sich freuen.
Sie nickt!


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Donnerstag, 13. Juni 2013

Der Tag


Es wird keine ruhige Nacht, zumindest nicht für Nani, der über die Dachterrasse patrouilliert, als hätte er schwere innere Gefechte auszutragen. Selbst Charlie Cooper ist es irgendwann zu viel, und er rollt sich brummelnd in einer Ecke zusammen. “Verdammt”, sagt Lou, “komm doch einfach ins Bett”, aber er schüttelt nur den Kopf, und weil Lou vielleicht ein halbes Glas Champagner zu viel getrunken haben könnte, kümmert sie sich nicht weiter um ihn, dreht sich auf die Seite und schläft ein.
Am nächsten Morgen sitzt er auf der Terrasse im Liegestuhl und raucht, schaut hinaus auf das Meer. “Warst du gar nicht im Bett?”, fragt Lou, und ihre Hand fährt über das zweite Kopfkissen. “Schön”, denkt sie, “das geht ja knisternd los. Mein großer Abwinker und ich - noch kein Papier unterschrieben, aber schon getrennt schlafen. Das soll was werden”, denkt sie, steht auf, geht duschen, macht sich hübsch. Heute ist der Tag.
Am Frühstücks-Buffet greift Lou zu, isst Tomate mit Büffel-Mozzarella, Rührei mit Speck, isst Schinken, Lachs, Melone, frische Früchte, behält Nani im Auge. Er sitzt vor einer zerbröselten Weißbrotscheibe, die Hand vor dem Kinn, den Zeigefinger im Mundwinkel, er muss denken. “Denkst du?”, fragt ihn Lou und schiebt ihm eine Traube in den Mund. “Keinen Hunger?”, fragt Lou, und ihre Fingerspitzen fahren über seine Hand, seine Lippen. “Schieb dir irgendwas rein”, rät sie, “sonst kippst du mir bei der Trauung noch um. Wir müssen gleich los”, sagt sie “Ich geh hoch und mach mich fertig.”
Als sie aus dem Badezimmer kommt, steht er in seinem neuen Anzug vor ihr, er sieht umwerfend aus. Ein umwerfender Mann, der mit traurigem Blick lächelt. Lou trägt ein weißes Kleid mit Blazer, stellt sich auf die Zehenspitzen und küsst ihn. “Du siehst fantastisch aus”, sagt er, und Lou zwinkert. Und dann nimmt sie seine Hand, und sie nehmen den Aufzug, schlendern durch die Halle, gehen durch das Eingangsportal, die Treppe hinunter, und Lou bleibt abrupt stehen und starrt auf den Wagen, der vor dem Hotel geparkt ist. “Ach du Scheiße”, sagt Lou. “Was ist das denn?”
Es wurde mit der Suite angeboten”, sagt Nani und zuckt mit der Schulter. “Da hab ich es angeklickt. Ich dachte, wir haben schließlich schon keine Gäste. Aber, wenn’s dir nicht gefällt?” “Scheiße”, sagt Lou und lacht und klatscht in die Hände. “Darf ich fahren?”, fragt sie. “Auf gar keinen Fall”, sagt Nani und grinst. “Das ist heute Chefsache!”, und Lou nickt - natürlich. Dann lassen sie Charlie in den Wagen springen und steigen ein. “Wie romantisch”, sagt eine Dame mit Hut, und als Nani endlich losfährt, klatschen die Leute, die auf dem Bürgersteig stehen geblieben sind, die aus der Eingangshalle auf die Straße gekommen sind, weil einem Brautpaar immer Glück gewünscht werden muss. Sie klatschen, und Lou kniet auf dem Beifahrersitz, den Wind im Haar und winkt ihnen lachend zu.  
Als sie auf dem Standesamt ankommen, verschwindet sie mit ihrer Tasche auf der Toilette, schlüpft in das Brautkleid der schönen Maria, in die Hochhakigen, öffnet ihr aufgestecktes Haar, denn Nani mag es lieber, wenn sie es offen trägt, legt noch ein wenig Rouge nach. “So. Besser geht nicht”, sagt sie und zwinkert dem Spiegel Mut zu. Denn mal ehrlich - wenn sich die Phantasie auf kürzestem Weg in Realität umwandelt, wer will dann wissen, was übrig bleibt.
Dann atmet Lou tief ein, öffnet die Tür und sieht -
wie ein angespannter Nani sich zu ihr umdreht, sie anschaut. Und seinen Namen vergisst. Na also.



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"Heute"


sagt mein Postbote, halt ich's nicht aus! Ich bin ja einiges gewöhnt, aber DAS? Viel zu schwül! Wo waren Sie denn?, frag ich den zweiten Postboten, den ich schon fast vermisst hab in den letzten Wochen. In Passau, sagt er. Und? Entsetzlich, sagt er. Alles weg. Ja. Einmal stand der Keller unter Wasser, da dachte hier auch gleich jeder, wie soll's denn jetzt bloß weitergehen?, dabei war es grad mal der Keller! Allerdings verliert man selbst dort unten schon eine Menge. Zum Beispiel die Telefonnummer von Gott. Ja, die hatte ich mal - auch wenn man es nicht glauben kann, aber dann eben ... Überschwemmung im Souterrain. Hätte ich aber eh nicht angerufen, denn - mal abgesehen davon, dass ich gar keine gute Telefonstimme habe, nein, so ein Mythos - der darf nie zerstört werden! Also - Finger von dem Apparat! Lesen wir lieber noch ein halbes Stündchen völlig begeistert den Herrn Nikitas weiter, wie der Bewegung in Worte fassen kann! Große Klasse. Stand der auch auf allen Bestenlisten? Wie der Carrino? Nein? Doppelt nein? Na, freu ich mich halt, dass gerade auch noch - mit dem dritten Postboten! denn hier ist was los!  - Frau Unsworth eingetroffen ist. Und wer so ein Epigraph dem Text voranstellt, hat bestimmt auch ein gutes Buch geschrieben: "Normal ist Scheiße" - Ja, das könnte natürlich sein!


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Der Garten


Vorne? Zugewachsen.                                              



 Um die Kurve wird's auch langsam schmal




Jemand hätte die Rosen schneiden sollen?
Dann könnte man noch die Jalousien öffnen?


Aber wie sagt Peter immer, lassen wir es lieber ein bisschen wild werden, es ist Natur. Tja. Und die ersten Gurken kommen, die ersten Tomaten, die Courgettes, den Salat kann man schon ernten, die Erdbeeren, die vor mir immer die Vögel oder Chief Walks futtern. Und die Pfingstrosen blühen endlich auch bei mir. Was für ein Glück!




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Mittwoch, 12. Juni 2013

Ohne ein Wort


Sie sitzt im Zug und ist müde, es war ein anstrengendes Wochenende bei der Familie, und es wird eine anstrengende Arbeitswoche werden. Da kommt er in den Wagon, schaut sich um, setzt sich neben sie und lacht. Hey, sagt sie, und er lacht. Vielleicht ist er aus Grönland? Oder aus Südamerika, er ist klein und viereckig und sehr breit. Sie probiert ein paar Sprachbrocken, er lacht, schüttelt den Kopf. Bietet ihr eine Zigarette an, die wahrscheinlich aus reinem Teer gedreht wurde, sie hustet, er lacht. Er legt ihr eine Zeitung hin, sie hat keine Ahnung, was das für eine Sprache sein soll, er tippt auf die Zeitung, sie liest ihm vor, er lacht und nickt, Daumen nach oben, was immer sie da liest, sie macht es nicht ganz schlecht. Er nimmt ihren Fotoapparat, macht ein Foto. Ein Mann mit einem Wägelchen voller Snacks und Drinks kommt vorbei, sie schüttelt den Kopf: Danke, nein. Er zeigt auf ein Bier und eine Cola, kauft zwei Sandwiches, Chips und etwas Süßes, zahlt und lacht! Legt all das zwischen sie, zeigt ihr, dass sie essen soll, trinken. Er reibt sich über den Bauch und lacht, es schmeckt ihm. Zeigt mit dem Zeigefinger fragend auf sie, sie nickt, klopft sich auf den Bauch, es schmeckt tatsächlich, sie hat Hunger. Als sie in dem Bahnhof einfahren, in dem sie aussteigen muss, trägt er ihr all ihre Säcke und Tüten aus dem Zug, legt ihr die Hand auf die Schulter, mit der anderen: Daumen nach oben, er lacht! Und dann winkt er ihr aus dem offenen Fenster zu, bis er nicht mehr zu sehen ist! Und die ganze Zeit lacht er. Und das alles - ohne ein Wort!


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Der besondere Energieschub


Ich futter ja nicht nur alles, was da wächst, ich trinke  momentan auch noch so einen ganz besonderen Energie-Trunk, den der Doc extra ausgetestet hat, ob er auch wirkt. 63 % Verbesserung auf ... egal! Da kann man den Zusatz-Mineral-Cocktail ja ruhig mal für ein paar Monate runterkippen. Und mittags gibt's immer noch schnell so einen Drink mit noch mehr Energie! Und heute? Blind in den Kühlschrank gegriffen, Dose an den Hals gesetzt und gedacht: Oh, heut ist's aber lecker! Tja, da war das die Dose, die ich letztes Jahr in Dänemark an der Tanke irrtümlich gekauft hatte. Statt der kleinen eiskalten Erfrischung für die Reise, plötzlich den Vodka in der Hand gehalten und dann doch lieber während der Fahrt in der Tasche verschwinden lassen. Tja, und nu ist sie endlich offen - die Dose aus Dänemark  ... Wie sagt man? Skål! Und Mange tak! Und Meget godt. Sagte ich schon? Als ich klein war, konnte ich ja auch mal Dänisch, ja.


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Schenk ich dir


Erst schnell was aus der Wiese gepflückt


Und dann von der Floristin diesen riesigen Stengel geschenkt bekommen. "Nimm mit, schenk ich dir."
Jo, so funktioniert das mit dem Geschenk und der Freude natürlich gleich doppelt gut! Und was man bekommt, soll man immer auch weitergeben?





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Dienstag, 11. Juni 2013

Der Abend



Für ihre zweite gemeinsame Fahrt an die Küste hat er eine Limousine organisiert, sie wollen Charlie mitnehmen, der keinen Platz in dem kleinen Flitzer gefunden hätte, mit dem sie beim ersten Mal unterwegs waren. “Jetzt sind die wilden Zeiten schon vorbei”, sagt Nani. “Familienkutsche.” “Aber ganz schön schnittig”, sagt Lou beeindruckt, “wie viel PS hat der?” Nani grinst, der Fuhrpark seines alten Herrn hält für jeden Anlass einen fahrbaren Untersatz bereit. Und dieses Mal fährt Nani auch nicht wie ein Geistesgestörter, er hält sich an die Verkehrsegeln, legt seine Hand auf ihren Oberschenkel, sucht ständig einen neuen Sender im Radio, entspannt ist er nicht. Er hat alles geregelt, die Ringe, den Termin, die ganzen Formalitäten organisiert, und jetzt kommen ihm Bedenken? “Wir können es immer noch bleiben lassen”, sagt Lou. “Wir sind auch ohne Papiere glücklich”, aber wie immer schüttelt er den Kopf, weil er es besser weiß. “Mein Vater hat meine Mutter nie geheiratet”, sagt er. “Die von Fabrice schon, die hat auch viel Kohle mit in die Ehe gebracht, gute Wahl getroffen, der alte Herr. Und deshalb hängen auch überall Bilder von ihr im Haus, Gemälde - pfff”, Nani stößt die Luft aus, voller Verachtung. “Aber er hatte Glück, die Alte wurde krank, ist früh gestorben, da hatte er das ganze Geld für seine Geschäfte. Aber er brauchte was zum Ficken. Was Junges natürlich, und als sie schwanger geworden ist, da wollte sie mich nicht haben. Hat mich bei ihm vor die Tür gelegt und ist abgehauen. Weil er sie ja auch nicht wollte, der alte Sack, wie er mich auch nie wollte. Aber bei uns, bei uns soll’s anders werden”, sagt Nani und drückt seine Hand fester in Lous Oberschenkel. ‘So einfach ist das?’, denkt Lou, 'ein Arsch von Vater, und deshalb ist er so versessen auf den ganzen Familien-Shit?’ “War sie schön?”, fragt sie, “deine Mutter?” Nani lächelt. “Wunderschön”, sagt er, “vielleicht eine Zigeunerin, fast so schön wie du”, sagt er und Lou nickt, dann schweigen sie.
Sechs Wochen hat sie Ferien, sechs Wochen ist die Praxis geschlossen, das können sie sich nur leisten, weil der Mann der Tierärztin als Banker enorm gut verdient. Und weil in der Ferienzeit insgesamt wenig zu tun ist, die Leute fahren in Urlaub, oder sie haben kein Geld, völlig egal - es ist einfach zu heiß. Sechs Wochen, die die Tierärztin mit Mann und Söhnen auf den Malediven verbringen wird. “Und danach werden sie eine verheiratete Frau sein?”, hat sie gesagt. “Ich hab es nie bereut, obwohl ich zuerst in einen ganz anderen verliebt war. Aber Bernard hat nicht locker gelassen”, sagt die Tierärztin, die praktisch nie über Privates spricht. “Er hat rote Haare”, sagt sie und lacht.
Und Lou und Nani werden eine ganze Woche am Meer verbringen, und das Geld, das sie ausgeben werden, steht ihnen zu. Niemand wird Nani wegen des Geldes zusammenschlagen, sie brauchen sich keine Sorgen mehr um Geld zu machen, nie wieder, seine Familie ist mehr als wohlhabend. ‘Und wenn wir zurück sind, wird Nani was andres finden, was Bessres als bei Max’, denkt Lou. ‘Er braucht nur noch etwas Zeit. Und Max, der wird sich beruhigen. Und dann wird er’s auch noch kapieren’, denkt sie und legt die übereinandergeschlagenen Füße aus dem geöffneten Fenster, gleitet tiefer in den Sitz, schaut in die vorbeiziehenden Wolken.
Nani hat sich für ein anderes Hotel entschieden. Für das, das ihnen bei ihrem ersten Ausflug hierher von außen so gut gefallen hat. Er hat vorab gebucht, das Zimmer unten ist so groß wie ein ganzes Loft, über eine Wendeltreppe kommt man in das Schlafzimmer mit Meerblick - natürlich, davor die Dachterrasse. “Wie du’s magst”, sagt Nani und beißt sich auf die Lippe, als sei er sich nicht mehr so sicher. Lou staunt, es ist immer wieder überwältigend, wie schön und gerecht das Leben sein kann, wenn nur ein klein wenig Geld im Spiel ist. “Heute bleiben wir einfach hier, ich bestell uns das Essen”, sagt er, und während Lou eine Dusche nimmt, wird ihnen auf der Terrasse ein maritimes Dinner mit Kerzen serviert. Lou stürzt sich auf die Meeresfrüchteplatte, nimmt vom Champagner, Nani beobachtet sie, seine Finger bewegen sich auf der Tischplatte. Charlie Cooper beobachtet ebenfalls jeden Bissen, den Lou zu sich nimmt, aber er weiß, dass Betteln bei ihr keinen Sinn macht. “Es ist unvorstellbar, dass du so viel essen kannst”, sagt Nani. “Du wiegst doch nichts, wieso nimmst du eigentlich nie zu?” Lou zuckt die Achseln, greift nach einer Muschel. “Gute Gene?”, sagt sie. “Ist es nicht grandios?”, sagt sie. “Das Wasser, die Luft, ich hab mörderischen Hunger. Und das Essen! Greif zu! Du solltest auch mal n’bisschen was essen. Hast du das Bett gesehen?”, fragt sie und zwinkert ihm zu. “Und morgen sind wir verheiratet”, sagt Nani. “Bist du nicht nervös? Freust du dich?” Lou genehmigt sich einen ordentlichen Schluck vom Champagner, streicht sich über ihren vollgefutterten Bauch, seufzt und lässt sich im Stuhl zurücksinken, schaut über das Meer. “Ich sag mal so”, sagt sie. “Wir werden noch ein Mal schlafen. Und dann? Tun wir‘s einfach.”




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Schreiben - Lesen


"Dachte, sie brauchte Geld, was sie aber brauchte ..." (Nikitas: Brüche)

Wie kommt es zu so einem genialen Abschluss eines Absatzes? 
Reine Spekulation:
Man schreibt fix was Geniales aufs Papier, dann - ahh, tja, mal überlegen? Wie soll's weitergehen? Erst mal - bisschen durch den Raum tanzen? Anderen Sound auflegen, Teewasser aufsetzen, Tee aufgießen, was macht eigentlich die Waschmaschine? Postbote klingelt, kleines Schwätzchen halten, Tee völlig vergessen, - mit einer enorm starken Brühe wieder an den Tisch gesetzt, was war noch mal der letzte Satz, noch mal lesen, was man gerade hingekritzelt hat: 

"Dachte, sie brauchte Geld, was sie aber brauchte ..."

Und plötzlich erkannt, GENIAL, das lass ich so! 
Tja. Wer weiß, so könnte es gewesen sein, denn - die Lücke! Da ist sie wieder! Und ganz egal, wie sie dort hingekommen ist - sie ist wieder einmal großartig!
Und sonst so? Bislang - bis auf ein paar schräge Wies - ziemlich gut! Oder? 


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